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Liebe mit Hindernissen II

Eine Weihnachtsgeschichte Teil 2

„Pfiadi bis Morgn!“ hörte Daniel Kasper noch hinter sich herrufen. Erschöpft hob er seine linke Hand, zum Zeichen dafür, dass er seinen Freund gehört hatte. Um eine Antwort zu geben war er viel zu erschöpft und ja er musste zugeben auch zu erschüttert. Na das konnte ja heiter werden. Das erste Semester, seines Hauptstudiums hatte gerade mal begonnen und er fühlte sich wie nach einem 10km Lauf. Vor nicht einmal einer Woche war er zusammen mit seiner besten Freundin Leni nach München gekommen. Die Zugfahrt war lange aber auch lustig gewesen. Während Daniel in München sein Zimmer im Studentenwohnheim bezogen hatte, war Leni  schon in ihrem WG Zimmer in Dachau angekommen. Für Leni hatte ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in Schönbrunn begonnen und Daniel hatte sein Ingenieursstudium begonnen. Wie durch Gedankenübertragung läutete da auch schon sein Telefon „dadaaa Jason, stars auf Schnee...“ , blitzschnell kramte Daniel sein Handy hervor um dem Lärm zu entgehen. „LENIIIIIIIIII, du sollst doch nicht immer meinen Klingelton ändern!“ schimpfte Daniel seine Freundin. Fröhlich lachend antwortete Leni: „aber nur so weißt du immer wann ich es bin! Und außerdem hab ich nur wenn ich anrufe diesen Klingelton eingestellt, keine Sorge! Ich weiß doch, dass du Trailerpark verabscheust. Warum rufst du mich eigentlich an?“ „Leni hörst du dir eigentlich selber zu? Mein Handy hat geklingelt, mit diesem gräulichem Song, also wolltest doch wohl du was von mir. Oder???“ „Mensch Daniel jetzt sei nicht gleich angefressen, ich dachte du willst mir vielleicht mal ein Update geben.“  Innerlich schüttelte Daniel den Kopf über das Energiebündel Namens Leni. Schon seit der Grundschule ging sie durch dick und dünn mit ihm und fast immer hatte er nach einem Gespräch mit ihr wieder gute Laune. Da sie jetzt zwar beide weiterhin in der gleichen Stadt wohnten aber an unterschiedlichen Enden, konnten sie sich nicht mehr so häufig sehen wie noch vor einem Monat aber auch die Telefonate taten oft ihr übriges. „Du warte kurz, ich geh schnell rauf in mein Zimmer und mach’s mir Gemütlich, dann können wir in Ruhe telefonieren.“ Das Handy zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt sperrte Daniel sein Zimmer auf. Er schüttelte seine Jackett ähnliche leichte Herbstjacke ab und lies sich, auf seinen Sessel fallen. „So Leni jetzt können wir loslegen. Was gibt’s denn bei dir neues?“ Leni seufzte und meinte „Danieeeeeeel, bei mir ist alles beim Alten. Ich geh in die Schule oder in die Arbeit und hab jede Menge Spaß. Du bist doch der der sich total verknallt hat und nicht mehr weiter weiß. Ich platzte vor Neugier. Was gibt’s denn neues von Mr. X???“ Daniel zuckte kurz zusammen, nachdem er sich standhaft geweigert hatte, seiner Freundin, den Namen seiner schlaflosen Nächte zu nennen, hatte sie ihn schlichtweg Mr. X getauft. „Ach weißt du, ich glaub nicht, dass er mich so sieht. Ich glaube ehrlich gesagt, nicht einmal, dass er auf Männer steht. Am Samstag wollen ein paar aus der Uni weggehen und er hat mich zwar eingeladen mit zu kommen aber um genau zu sein, hat er die ganze Truppe eingeladen.“ „ Mensch Daniel frag ihn doch einfach mal und übrigens bin ich sehr sehr sehr stolz auf dich, das du nach nur einer Woche schon eine ganze Truppe hast.“ „Ne, ich frag ihn bestimmt nicht. Wenn ich nur mit ihm befreundet sein kann reicht mir das auch und ja du hast recht ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell hier Anschluss finde.“  Daniel und Leni diskutierten noch eine Weile hin und her. Schon immer war Daniels Introvertiertheit, welche Leni manchmal dazu veranlasste Daniel als Eremit zu bezeichnen, ein großes Streitthema zwischen ihnen gewesen. Leni die stets offen und ehrlich über ihre Gefühle sprach und auch keine Probleme hatte jemanden zu zeigen, wenn sie mehr von ihm wollte, verstand Daniels Gehemmtheit in diesem Punkt nicht immer. Nach einiger Zeit schwenkte ihr Gespräch auf andere Themen um und nach insgesamt ein einhalb Stunden beendete Leni das Telefonat, weil sie am Abend noch verabredet war und sich noch schick machen wollte. Etwas aufgemuntert machte Daniel sich auf den Weg in die Gemeinschaftsküche, er wusste es müsste noch etwas von seinem Kürbisauflauf von Gestern im Kühlschrank stehen. Als er gerade seinen Auflauf in die Mikrowelle stellen wollte, kam Marek zur Tür herein. Marek kannte Daniel schon von den Einführungstagen, am Ersten Tag hatte sich der schlaksige Ungar neben Daniel gesetzt und ihn mit erstaunlich gutem Deutsch begrüßt. Auch jetzt grüßte Marek Daniel freudig und fragte ob sie nicht gemeinsam auf seinem Zimmer essen wollten. Daniel hatte nichts dagegen und sein Auflauf reichte locker auch noch für Marek, welcher sich sonst eine Pizza hatte auftauen wollen. Nachdem der Auflauf auf zwei Tellern verteilt war und Marek jedem ein Glas Rotwein eingeschenkt hatte, saßen die zwei in Mareks Zimmer und redeten über den heutigen Tag. Der Stundenplan von Marek und Daniel war fast identisch nur eben am Donnerstag hatten sie einige Fächer getrennt. Während Marek zusammen mit Yusuf Deutsch für Fortgeschrittene besuchte, hatten Kasper und Daniel eine Übung zu ihrem Mathematikvertiefungskurs. Marek schilderte, dass sie für den Deutschkurs die Hausaufgabe bekommen hätten 2-3 Seiten über einen Freund zu schreiben. Daniel lachte und meinte, „Na das sollte dir nicht schwer fallen.

Du bist ja ein echtes Genie im ausschmücken von Geschichten.“ Schmunzelnd nickte Marek, „du hast recht, aber gegen ein bisschen Hilfe hätte ich nichts einzuwenden.“ „Also gut ich helfe dir, aber du schuldest mir was“ meinte Daniel. „Ist gut, wenn wir alle am Samstag unterwegs sind, gehen dein Bier auf mich!“. „Das ist ein Wort, wer kommt denn eigentlich alles mit“, wollte Daniel wissen. Marek überlegte, „also ich glaub du, ich, Yusuf und Kasper mit seinem Anhang“. Daniel musste sich schon sehr zusammenreißen um bei Kaspers Namen nicht rot anzulaufen. Da er ein sehr heller Typ war, war das Rot werden schon immer sein größter Fluch gewesen. Von daher traute er sich auch nicht nachzufragen, wer denn Kaspers Anhang sei. Als Daniel sein Zimmer betrat, war es schon weit nach Mitternacht und er war froh, dass es Morgen erst um 10 Uhr losging. Allerdings musste er zugeben, dass er mit Marek viel Spaß gehabt hatte und er hier einen guten Freund gefunden hatte. Völlig fertig kletterte Daniel in sein Hochbett und war augenblicklich eingeschlafen. Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte konnte es Daniel kaum glauben. Erschöpft von seinen Träumen kroch er aus dem Bett und stellte erschrocken fest, dass er später dran war als er gedacht hatte. Schnell machte er am Waschbecken in der Ecke eine Katzenwäsche, fuhr mit dem Kamm durch seine Haare und schlüpfte ihn seine Kleidung. Seine Tasche hatte er gestern gar nicht erst ausgepackt, das war jetzt sein Glück. Schnell schwang er sich den Riemen über seine Schulter und sprintete die Treppen hinunter. Jetzt verfluchte er, dass er im siebten Stock seines Wohnheimes wohnte. Noch zwei Minuten bis die U-Bahn kommen würde stellte Daniel mit einem Blick auf seine Uhr fest, sonst müsste er zwanzig Minuten warten und das würde bedeuten, dass er seine Vorlesung verpassen würde. Innerlich schimpfend raste er den Weg entlang und sprintete die Stufen zum Gleis hinunter. „Bitte zu….“ Puh geschafft stöhnte Daniel und lies sich auf den einzigen freien Platz sinken. „Ja Servus grias di“ hörte er da. Daniel wagte es kaum seine Augen zu öffnen, welche er in dem Moment in dem er sich hingesessen hatte, geschlossen hatte. Vorsichtig öffnete er ein Auge einen Spalt und ja ihm gegenüber saß breitgrinsend Kasper. Welcher Mensch hatte den bitteschön in der Früh schon so gute Laune und wie sollte er jetzt damit umgehen, dass er hier alleine mit Kasper saß. Okay alleine war übertrieben, aber nachdem er die ganze Nacht mit Träumen von diesen Mann verbracht hatte, wollte er lieber nicht mit ihm alleine in der U-Bahn sitzen und dann auch noch den Weg zum Vorlesungssaal mit ihm gehen. „Daniel? Ois guad bei dir?“

 „Guten Morgen Kasper, ich hatte nur noch keinen Kaffee, da bin ich zu nichts zu gebrauchen.“ Versuchte ich mich aus der Bredouille zu ziehen.  „Du des kenn i guad, magst du an Schluck von meinem?“ Ich war mir sicher, dass ich mittlerweile feuerrot war und stammelte ein „Ja, sehr gerne“ hervor. Sogleich reichte mir Kasper seinen Becher voller Kaffee und meinte, dass ich sie ruhig austrinken könnte, da es schon seine dritte Tasse sei und er eh versuche weniger zu trinken. Dankbar trank ich einen Schluck und war angenehm überrascht. Kasper trank seinen Kaffee genau wie ich Schwarz und ohne Zucker. Auch Kasper schien überrascht und meinte, du bist der erste, denn ich kenne, der seinen Kaffee genauso trinkt wie ich. Schon etwas wacher und dadurch auch mutiger geworden, meinte ich, da sind wir uns ja in einem Punkt mal einig, sonst sind wir ja fast immer anderer Meinung. Stimmt, meinte Kasper aber du bist ja auch ein kleiner Sonderling. Stirnrunzelnd blickte ich zur Seite und hörte plötzlich ein „as-Salem –Alaikum“. „Ja Mensch Yusuf“ rief Kasper erfreut und ersparte sich und mir damit das mit dem Sonderling zu erklären. „Guten Morgen ihr zwei, ich wünschen schönen Start in den Tag!“ sagte Yusuf und wollte wissen, ob es so richtig gesagt war. Nachdem Kasper ihm erklärt hatte was falsch war lachte Yusuf und meinte diese Deutsche Sprache ist einfach sehr knifflig. „Wo du recht hast, hast du recht“, meinte ich und erinnerte die beiden daran, dass wir jetzt aussteigen müssten. Im Vorlesungsaal wartete Marek schon auf uns und hatte uns auch in der letzten Reihe Plätze freigehalten. Die Vorlesung verging wie im Flug und auch das nachfolgende Seminar war schneller vorbei als mir lieb war.  Zu viert machten wir uns auf den Weg in die Mensa. Scherzend und lachend verbrachten wir unsere Mittagspause und machten uns anschließend wieder auf dem Weg zu unserem Mathematikvertiefungskurs. Am Freitag waren Yusuf und Marek hier auch mit von der Partie, so dass ich nicht alleine mit Kasper gehen musste. Manchmal musste ich fast über mich schmunzeln, ich kam mir vor wie ein liebeskranker Teenager. Auf dem Weg zu unserem Kurs kamen wir am Kaffeeautomat vorbei und Kasper meinte, dass ich mir hier ja nochmal eine Dose Koffein holen könnte. Gesagt getan und so ausgestattet betraten wir das Zimmer. Nachdem unser Kurs vorbei war, gingen wir noch gemeinsam zur U-Bahn, wo sich dann nach und nach unsere Wege trennten. Bevor Marek und ich ausstiegen, meinte Kasper noch: „nicht vergessen. Morgen um 19:00 Uhr am Fischbrunnen.“  Marek antwortete für uns beide „Keine Sorge wir werden pünktlich sein!“ „ Ja dann, pfiad´s eich“. Marek und ich konnten nur noch zurückwinken und machten uns auf den Weg in unser Wohnheim.

Auf halbe Strecke verabschiedete ich mich, da ich noch einkaufen gehen wollte und Marek noch in den Waschkeller musste. Wir verabredeten, dass Marek mich morgen um halb sieben abholen würde und verabschiedeten uns. Gerade als ich nach dem einkaufen alles verstaut hatte und einen Brief an meine Mutter geschrieben hatte, klingelte mein Handy und ich wusste sofort, dank dem von ihr eingestellten Klingelton, dass es Leni sein musste. „Du hältst es wohl keinen Tag ohne mich aus oder?“ ging ich ans Telefon. Am anderen Ende war Leni zu hören, wie sie fröhlich verneinte und mir ohne Punkt und Komma von ihrem gestrigen Date erzählte. Nach einer Weile hörte sie auf und entschuldigte sich, dass wir nur über sie gesprochen hätten und meinte, dass sie nun leider los müsse. Ich beruhigte sie und wir verabschiedeten uns. Ich erledigte noch einige Sachen für die Uni und ging dann relativ früh schlafen. Am nächsten Morgen wachte ich um zehn auf und ging dann Laufen. Nahe unseres Wohnheimes war ein Park und ich versuchte mindestens ein bis zweimal die Woche für eine halbe Stunde zu Laufen um in Form zu bleiben. Nachdem ich wieder im Wohnheim war frühstückte ich verspätet und machte meine Wäsche. Als ich fertig damit war, war es schon halb sechs und ich stellte mit erschrecken fest, dass ich nur noch eine Stunde hatte, bis Marek mich abholen kommen würde. Schnell hüpfte ich unter die Dusche und rasierte mich. Ich kämmte mich und wählte sorgfältig meine Kleidung aus. Leni hatte mich schon als Jugendliche damit aufgezogen, dass ich länger zum Ausgehfertig werden brauchte als sie. Als Marek an die Tür klopfte, schlüpfte ich schnell in meine Jacke und nahm meinen Schlüssel vom Schreibtisch. Nachdem ich die Tür geöffnet hatte, sagte Marek: „Mensch Daniel, du schaust heute aber gut aus, was hast du denn vor?“ Ich antwortete, dass ich nichts vorhätte, aber ich mich einfach gerne zu Recht machen würde. Marek nickte wissend und wir machten uns auf. Am Fischbrunnen angekommen erwartete uns Yusuf, welcher uns wie üblich begrüßte. Wir drei waren munter am quatschen, es wurde immer später und als es halb sieben wurde, rief Yusuf Kasper an. Dieser ging erst nach dem zehnten klingeln an sein Handy und klang durch den Lautsprecher, welchen Yusuf angemacht hatte, gestresst. „Wir sind gleich da! Nur noch fünf Minuten.“ Wie immer wenn er mit Yusuf sprach, bemühte sich Kasper hochdeutsch zu sprechen, doch sein bayrischer Akzent klang immer noch durch. „Keine Eile, wir warten“ antwortete Yusuf und legte auf. Kasper hielt Wort nach weiteren fünf Minuten erspähten wir ihn und drei weitere Gestalten, die offenbar zu ihm gehörten.

Yusuf der uns alle überragte winkte Kasper zu uns und begrüßte ihn herzlich: „ as-Salem –Alaikum, mein Freund“. Auch wir anderen zwei grüßten und Marek fragte neugierig: „Na wenn hast du uns denn da mitgebracht?“. „Ja, also.“ Druckste Kasper herum. „Des is meine Freindin, ihre Schwesta und ihr valobta.“ Yusuf schaute reichlich verwirrt drein, weswegen ich ihn dann aufklärte, dass sind seine Freundin, ihre Schwester und ihr Verlobter. „Ah, danke jetzt verstehe ich, habt ihr Namen auch?“ wollte Yusuf wissen. „I bin´d Verena, des ist der Max und mei Schwester heißt Elisabeth“ antwortete das eine Mädchen. „Schön euch zu treffen, ich bin Yusuf, das ist Marek und der hübsche hier ist Daniel“ antwortete Yusuf. Ich war mir sicher schon wieder einer Tomate zu gleichen, warum musste Yusuf mich auch als den hübschen Daniel vorzustellen. Nach einigen Minuten machten wir uns auf den Weg in den Irish Pub um die Ecke welchen Kasper für den Anfang herausgesucht hatten. Von unserem ersten Abend zu viert wusste ich, dass Yusuf nichts trank und Schloss mich zunächst ihm mit seiner Apfelschorle an. Max und Verena waren sehr mit sich beschäftigt und verabschiedeten sich schon nach dem ersten Bier. Elisabeth versuchte Kaspers ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und faste ihn ständig an oder küsste ihn. Für mich war es kaum auszuhalten und so verabschiedete ich mich relativ schnell, mit der Ausrede ich hätte Kopfschmerzen. Am nächsten Tag versteckte ich mich in der Bibliothek und reagierte auch nicht auf Lenis anrufe. Es schmerzte mich und mir wurde bewusst, dass ich mir doch mehr Hoffnungen gemacht hatte als ich mir selbst, eingestehen hatte wollen. Nach einer Woche die ich sehr in mich gekehrt und auf Abstand zu den anderen verbracht hatte, ging es mir schon besser. Leni die ich schon seit einer Woche nicht mehr gehört hatte, stand dann auch plötzlich am Freitag vor meiner Tür und wollte wissen, was denn los sein. Wortlos schloss ich die Tür auf und schloss sie in meine Arme. „Es tut mir leid, aber ich hab die Zeit für mich gebraucht.“ „Es ist doch alles in Ordnung zwischen uns“, fragte Leni. Ich antwortete ihr ja klar, und ohne langen nachzudenken, erzählte ich ihr von Mr. X wie ich ihn jetzt doch im geheimen nannte. „Weißt du Leni, ich war einfach noch nie zuvor so verliebt. Alle Geschichten davor kommen mir plötzlich belanglos vor und du weißt ich habe immer an die große Liebe geglaubt, aber wenn er meine ist, dann werde ich ein sehr einsames leben haben.“ „Ach du meine Güte, da hat es dich ganz schön erwischt, aber du weißt ja was ich von deiner Theorie über die große Liebe halte. Komm lass uns unseren Ritus durchziehen, dann wird es dir besser gehen.“

Das Ritual hatten Leni und ich mit fünfzehn erfunden, damals hatten wir  beide das erste Mal Liebeskummer. Es beinhaltete Tee, viel Schokolade und unseren Lieblingsfilm „Sweet home Alabama“. Nachdem wir uns an der Tankstelle mit Schokolade versorgt hatten und Leni eine Kanne unseres momentanen Tee Favoriten gekocht hatte, legten wir uns zusammen auf mein Bett und schauten uns den Film an. Okay genauer gesagt wir schauten ihn uns dreimal an, aber beim dritten Mal schlief Leni ein und ich, nachdem ich es uns gemütlich gemacht hatte, auch. Als am Montag der Wecker klingelte reichte ein Blick und wir wussten heute würden wir beide schwänzen. Leni rief in der Schule an und ich schrieb Marek eine Sms. Nachdem wir alles geregelt hatten machten wir uns frisch und gingen an die Isar. Wir waren Stunden unterwegs und kauften uns zwischendrin einen Kaffee. Als es begann dunkel zu werden,  brachte ich Leni zur S-Bahn und drückte sie lange. „Danke, dass du immer für mich da bist. Du bist mein Engel.“ Lächelnd meinte Leni, dass ich das gleiche für sie tun würde und ich versprechen sollte kein Eremiten Dasein zu führen. „Versprochen, und jetzt ab mit dir in die S-Bahn.“ Antwortete ich. Am nächsten Morgen ging ich gestärkt und volle guter Vorsätze wieder in die Uni. Als mich Marek fragte was denn los gewesen sei, antwortete ich ausweichend und fragte ihn nach dem Stoff den ich verpasst hatte. Die Wochen vergingen rasend schnell und ehe ich nur einmal geblinzelt hatte, war der 1.Advent. Unsere vierer Truppe hatte sich immer mehr verfestigt und auch wenn ich mich mit Kasper alleine hin und wieder noch etwas unwohl fühlte, wusste ich hier hatte ich drei Freunde fürs Leben gefunden. Langsam begann ich auch mich wieder mehr auf meine Umgebung zu konzentrieren und nach anderen Männern Ausschau zu halten. Kasper plante für den 23.12 eine Feier bei sich im Wohnheim und wir anderen wurden kräftig mit eingespannt. Während Marek, ich und Kasper über Weihnachten nach Hause fahren würden, wusste Yusuf noch nicht, was er machen würde. In seiner Heimat Syrien war Weihnachten zwar präsent, aber nicht so wie hier in Deutschland und da er ein Moslem ist, war es ihm auch nicht so wichtig. Nach einer unserer Planungstreffen, fragte Kasper ihn, ob er nicht mit ihm mit wolle, ihr Haus sei groß genug und Yusuf sei herzlich willkommen. Yusuf sagte freudig zu und so war es beschlossene Sache. Der 23. Rückte schnell näher und mir war klar, dass ich wenn ich rechtzeitig für Heilig Abend in Hamburg sein wollte müsste ich noch in der Nacht mit dem Zug losfahren.

 

Leni hatte schon länger die Tickets für uns besorgt und da der Zug vom Hauptbahnhof abfahren würde, beschlossen wir, dass sie bei mir schlafen würde und somit auch zur Party mitkommen würde. Ich war sehr nervös, da ich Leni so viele Details über meine Freunde sowie Mr. X erzählt hatte, dass ich mir sicher war sie würde sofort erraten, wer Mr. X gewesen war. Seit unserem Ritus hatten wir nicht mehr über Mr. X  gesprochen und sosehr ich mich zu Beginn auch gegen diesen Codenamen gewehrt hatte, war ich jetzt sehr froh über ihn. Als der Abend gekommen war klopfte es gegen sechs an meiner Tür. Daniel öffnete die Türe und da stand Leni mit Sack und Pack. Schön dass du da bist meinte ich, wir müssen auch schon los. Na du hast dich heute ja besonders schick gemacht meinte Leni und hackte sich vergnügt bei mir unter. Marek bog auch schon um die Ecke und ich stellte die beiden vor. Leni und Marek musterten sich interessiert und das grinsen welches meine beste Freundin jetzt zu Schau stellte, kannte ich nur all zu genau. Marek ist wohl dein nächstes Opfer raunte ich ihr in der U-Bahn leise ins Ohr. „Du hast mich durchschaut.“ antwortete Leni und lächelte mich verschmitzt an. „Warum hast du mir auch verschwiegen wie gut er aussieht?“. „Du ganz ehrlich, mein Typ ist er nicht“, meinte ich. Leni verdrehte nur die Augen und als wir den Keller von Kaspers Wohnheim betraten, rief sie fröhlich Hallo ich bin die Leni, die bessere Hälfte dieses Eremiten, in die Runde. Yusuf und Kasper die schon fleißig am herrichten waren brachen in Gelächter aus. Und während Yusuf noch wissen wollte was ein Ermit denn sein, meinte Kasper, dass diese Bezeichnung ja wie die Faust aufs Auge zu mir passe. Leni erklärte, dass es nicht Ermit sondern Eremit hieße und es so viel wie Einsiedler bedeute. Yusuf nickte verstehend und stimmte Kasper zu. Ehe ich mich versah, hatte Leni sich Marek geschnappt und die Beiden dekorierten zusammen, die Tür mit Mistelzweigen. Achselzuckend wandte ich mich Kasper und Yusuf zu und half ihnen die Bar zu bestücken. Gerade als wir fertig waren, kamen die ersten Gäste und ich traute meinen Augen kaum, unter der Tür küssten sich Marek und Leni leidenschaftlich. „De hod jo wohl gar koan Ostand, Flittchn!“ hörte ich jemanden hinter mir sagen. Als ich mich umdrehte sah ich Elisabeth, die mit einem Glas Sekt an der Bar stand und verächtlich in Richtung Leni blickte. Da ich mich nicht angesprochen fühlte, antwortete ich nicht und dachte bei mir wer ist hier wohl das Flittchen. Elisabeth sah heute aber auch wirklich abenteuerlich aus. Sie trug ein Rot-Grünes Dirndl, welches ihr nur bis zur Hälfte ihres Oberschenkels reichte.

Dazu hatte sie kniehohe Lack Stiefel mit himmelhohem Absatz an und ihre Dirndlbluse hatte sie gänzlich vergessen. Ihre Frisur wirkte leicht derangiert und auch ihre Schminke war etwas zu viel und vor allem leicht verwischt. Obwohl es noch früh am Abend war, wirkte sie irgendwie betrunken und das wo sie doch für die Bar als Servicekraft eingeteilt war. Seufzend stellte ich meinen Punsch ab und begab mich hinter die Bar zu Yusuf der schon ganz schön ins Schwitzen geraten war. „Danke dir Daniel, ich glaube Elisabeth hat völlig vergessen, dass sie mir helfen sollte.“ „Kein Problem“, antwortete Daniel und legte los. Es war schon kurz nach elf als ich wieder zu Atem kam. Vor mir an der Bar saß seit einer Weile ein Typ, der mich interessiert betrachtete und jetzt fragte, ob er mir einen Drink ausgeben könne. „Ja sehr gern, aber ich bin hier noch nicht fertig, also werde ich mich mit Kinderpunsch begnügen“ antwortete ich. Kein Problem, meinte der Mann, ich werde einen Glühwein nehmen und vielleicht verrätst du mir deinen Namen, ich bin der Paul. Daniel stellte sich vor und nachdem Paul, nicht ohne ihm großzügiges Trinkgeld gegeben zu haben, mit ihm angestoßen hatte, vertieften sich die zwei in ihr Gespräch. Paul wurde Daniel immer sympathischer und es schien ihm auch nichts auszumachen, dass Daniel zwischen drin ihr Gespräch unterbrach um die Gäste zu bedienen und nach Leni Ausschau zu halten. Während eines besonders intensiven Themas über die Liebe legte Paul vorsichtig seine Hand auf Daniels und sofort beschleunigte sich dessen Puls. „Jo wos is denn do los? I dochte du hilfst Yusuf, doch stoddessn bandelst du do an. Mia san fei koa Partnerbörse!“ wies mich Kasper zurecht. Verwirrt blickte Daniel auf und blickte direkt in die Zornbebenden Augen von Kasper. „Sorry, ich wollte deinen Barkeeper nicht ablenken.“, sagte Paul zu Kasper gewandt, an Daniel gewandt meint er: „Warte ich wollte eh los, hier hast du meine Nummer, ich würde mich wirklich freuen wenn du anrufst.“. Daniel nickte und meinte „Frohe Weihnachten dir“. Als Paul gegangen war drehte Daniel sich zu Kasper um und meinte: „du spinnst ja, es war gerade wirklich nicht viel los und zudem wäre eher ein Danke angebracht, da ich für deine Freundin eingesprungen bin“. Ehe Kasper einen Kommentar dazu abgeben konnte, meinte  Yusuf er hat recht und Paul war nett. „Do wundere i mi 'etz aba narrisch üba di Yusuf, i dochte, dass du a Problem mid Schwuln hosd.’s is doch oafach ned noamal wenn zwoa Männa…“, beendete Kasper seinen Satz bedeutungsschwanger. Getroffen wandte sich Daniel zum gehen, „Yusuf ich hol mal Nachschub aus dem Keller“. „Sag mal du spinnen, Daniel ist so nett und du bist so gemein und arschig.“, sprach Yusuf Kasper erregt an.

 „Los geh ihm nach und entschuldige dich.“. Murrend und mit missmutiger Miene machte sich Kasper auf dem Weg in den Keller. Im Keller war Daniel dabei das Leergut zu sortieren und machte dabei einen solchen Lärm, dass er Kasper nicht kommen hörte. Als dieser nun seine Hand auf seine Schulter legte, fuhr er herum und verpasste ihm einen ordentlichen Schwinger. „Va Va Vafluch, des tut saumäßig weh“ fluchte Kasper. Erschrocken starrte Daniel ihn an: „Das tut mir wirklich leid, ich dachte du wärst jemand anders, der mir an den Kragen wolle“ stotterte ich. Kasper fing plötzlich schallend an zu lachen und setzte sich auf den Stapel Bierkisten, verdient hab ich es allemal. Hör mal Daniel es tut mir leid, was ich da vorhin gesagt hab. „ Kein Problem, ich bin das Gewohnt seitdem ich mich mit sechzehn geoutet habe“  wiegelte ich ab. „Nein, ich muss mich wirklich entschuldigen, wir sind Freunde und da kommt es auf sowas nicht an. Es tut mir wirklich leid und danke dass du eingesprungen bist. Ich weiß nicht was mit Elisabeth heute los ist.“ Bei der Erwähnung von Elisabeth wurde mir ganz ungemütlich zu Mute und ich trat zwei Schritte nach hinten. „Jeder hat mal einen schlechten Tag und ich bin doch gerne eingesprungen. Es hat mir sogar Spaß gemacht.“ Das glaube  ich, schmunzelte Kasper, bei der netten Gesellschaft. Ich war mir nicht sicher ob er auf Paul anspielte oder einfach nur Yusuf und unsere gute Teamarbeit meinte. Kasper stand von seinem Posten auf den Bierkästen auf und ging einen Schritt auf mich zu, was mich dazu veranlasste noch einen Schritt weiter zurückzuweichen. „ I muas wissn, ob zwischn uns wieda ois in Oadnung is.“, sagte Kasper sanft und ging einen weiteren Schritt auf mich zu. Seine sanfte Stimme und der Glanz seiner Augen,  ließen mein Herz höher schlagen, vorsichtig ging ich einen weiteren Schritt nach hinten und spürte, wie ich gegen die kalte Keller Mauer stieß. Ich fühlte mich in der Falle und mein Puls raste mittlerweile. Kasper kam immer näher und wiederholte seine Frage: „ Daniel, i muas wissn, ob zwischn uns wieda ois in Oadnung is.“. Ich glaube so eindringlich hatte noch nie jemand meinen Namen gesagt. Wie paralysiert nickte ich, denn ich war mir sicher über meine Lippen würde kein Ton kommen. Die Ausgestreckte Hand Kasper´s ignorierend wollte ich mich vorbeizwängen, um den rettenden Kelleraufgang zur Bar zu erreichen. Ehe ich mich versah, wurde ich mit dem Rücken gegen die kalte Kellermauer gedrückt, während sich Kaspers kräftige Arme um mich Schlangen und er mich leidenschaftlich küsste. Ohne eine Sekunde nachzudenken erwiderte ich seinen Kuss und schlang meine Arme wiederum um ihn und presste meinen Körper fest an seinen.

Es kam mir vor als Stünden wir schon ewig so dar, als ich eine näherkommende Stimme rufen hörte „Daniel, Daniel, Daaaaaaaaaaaaaniel!“, schlagartig löste sich Kasper von mir und schubste mich von sich. „Daniel?“ hörte ich Leni noch einmal rufen. Benommen starrte ich Kasper an, der mich ablehnend anblickte und mich beschwörend ansprach: „Daniel jetzt antwort ihr schon“. Seine Stimme klang gepresst und rau und ich traute meiner eigenen kaum. „Leni ich komm gleich“. „Mach aber Schnell, in einer halben Stunde geht unser Zug und um ihn noch zu erwischen müssen wir die U-Bahn in fünf Minuten nehmen.“ „Ich komme gleich Leni, keine Sorge“, ich war mir sicher, dass Leni meine seltsame Stimme auffiel, doch sie versprach draußen vor der Tür auf mich zu warten. Kaum war Leni weg, wandte ich mich Kasper zu, doch der stapelte nun seinerseits das Leergut und meinte nur „Danke für deine Hilfe und frohe Weihnachten.“ Daniel traute seiner Stimme und auch seiner Stimmung nicht und so nickte er lediglich kraftlos und ging die Kellertreppen hinauf. Im Eildurchgang verabschiedete er sich von Marek und Yusuf und wünschte ihnen frohe Weihnachten. Im Zug schlief Leni Gott sei Dank schnell ein und so konnte Daniel seinen Gedanken nachhängen ohne mit Fragen durchlöchert zu werden. Weihnachten zu Hause war schön und auch wenn er froh war zu Hause zu sein, musste er sich  schon sehr zusammenreißen um nicht in Melancholie zu verfallen. In den zwei Wochen hörte er nicht viel von seinen Freunden aus München. Silvester kam und Daniel beschloss, sich mit Leni einen schönen Abend zu machen. Schluss mit Grübeln, was auch immer Kasper geritten hatte, er hatte es auch sofort wieder bereut und er sollte sich alle Hoffnungen besser aus dem Kopf schlagen. Bei all seinen Grübeleien war ihm gar nicht aufgefallen, dass auch Leni nicht ihr üblich fröhliches, überschwängliches und manchmal nerviges etwas war. Kaum hatten sich Daniels Schwestern und Eltern verabschiedet kam Leni herüber und die beiden machten es sich in Daniels Zimmer unter dem Dach gemütlich. Beide fassten, wie es ihre Tradition war, ihr Jahr zusammen und als Leni ihre damit endete, dass sie glaube, dass Daniel mit seiner Theorie über die Großen Liebe vielleicht recht habe, horchte Daniel auf. Was war mit seiner Leni los? Er bohrte nach und hatte bald die ganze Geschichte gehört. Da packte auch er aus und erzählte Leni von Kaspers widerspenstigen Verhalten. Die beiden diskutierten Lange darüber und ehe sie es sich versahen war es Mitternacht. Sie wünschten sich ein frohes neues Jahr und schliefen kurz darauf erschöpft ein. Die Zugfahrt zurück nach München verlief schweigsam und verging viel zu schnell.

In München angekommen ging Daniel sofort in sein Zimmer und schrieb seinen drei Freunden erst am nächsten Tag, dass er wieder im Lande sei. Gegen Mittag, als Daniel gerade vom einkaufen zurück kam, antwortete ihm Yusuf, dass die drei vorgehabt hatten, am Abend ins „Stubal“ zu gehen. Die Eckkneipe war so etwas wie ihre Stammlokal geworden und Daniel stimmte zu. Er wusste irgendwann müsste er sich Kasper und dem was zwischen ihnen passiert war stellen. Als er am Abend die Kneipe betrat, sah er Yusuf und Kasper schon an ihrem Stammtisch in der Ecke sitzen. Er machte noch einen Umweg über die Bar um sich ein Bier zu holen und stieß dann zu seinen Freunden. Sie begrüßten sich etwas gedämpfter als sonst und bald darauf betrat auch Marek die Bar. Voller Energie kam er an den Tisch und sprach: „Mensch Kasper du Geheimniskrämer, herzlichen Glückwunsch!, lass dich umarmen.“ Verlegen stand Kasper auf und lies sich von Marek fest Umarmen. Verwirrt schaute ich Yusuf an und der grinste breit und schlug Kasper kräftig auf den Rücken, na dann erzähl es doch mal dem Daniel, der ist ja noch total unwissend meinte er. Kasper schaute nicht mich an, sondern einen Punkt weit über mir, an Weihnachten hab ich der Elisabeth einen Antrag gemacht und sie hat ja gesagt, erzählte er ohne auch nur einmal Luft zu holen. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte ich mechanisch ohne auch nur irgendetwas zu fühlen. Es war als hätte mir jemand die Luft und sämtliche Energie aus dem Körper gezogen. Eine Runde Schnaps für uns alle rief Marek und ordnete auch schon die erste Runde. Irgendwann zwischen dem fünften Schnaps und meinem zweiten Bier verdrückte ich mich aufs Klo und spritzte mir Wasser ins Gesicht. Als mir mein Blick im Spiegel begegnete erschrak ich. Ich sah blass und unendlich erschöpft aus. Schnell wandte ich den Blick wieder ab und trocknete mein Gesicht an einem Papiertuch. Als ich die Klotür öffnete, stand Kasper vor mir ich meinte ein geflüstertes „Sorry“ zu hören, aber ich drückte mich ohne ein weiteres Wort vorbei und kehrte zurück an den Tisch. Am nächsten Tag wurde ich erst gegen Nachmittag wach und hatte einen Wahnsinnigen Schmerz. Da es mir seelisch wie körperlich nicht gut ging, begriff ich erst nach einer Weile, dass ich gestern wohl mehr als ein Glas zu viel erwischt hatte und ich mich auch an gar nichts mehr erinnern konnte. Aufstöhnend richtete ich mich auf nur um mir sogleich den Kopf kräftig an der Decke anzustoßen. Fluchend und mir den Hinterkopf reibend, stieg ich auf wackeligen Beinen die Treppe von meinem Hochbett nach unten. Unten angekommen, legte ich mir erstmals ein kaltes Handtuch über meinen Kopf und kramte mein Handy aus der Hosentasche hervor. Sieben neue Nachrichten!!!

Und alle von Leni. Beim Lesen wurde mir der gestrige Abend wieder schmerzhaft ins Bewusstsein gerufen. Kasper hatte sich verlobt… Sofort begann mein Herz schneller zu klopfen und mein Puls raste ich fühlte mich klein und verloren. Völlig fertig schleppte ich mich unter die Dusche und Beschloss, so kann es nicht weitergehen. Kasper musste aus meinen Herzen verschwinden. Entschlossen nickte ich meinem Spiegelbild zu, schluckte ein Aspirin und machte mich mit meinen Lernunterlagen auf in die Bibliothek. Für den Rest des Semesters verkroch ich mich in der Bibliothek und ging meinen Freunden aus dem Weg. Leni war die einzige zu der ich in dieser Zeit engen Kontakt hatte. Da das Semester eh nicht mehr lange ging und wir alle mit den Prüfungen zu kämpfen hatten, fiel den anderen meine Abwesenheit gar nicht so sehr auf und auf Nachfragen verwies ich immer auf den Stress zwecks der Prüfungen. Kaum waren die Examen vorbei, setzte ich mich in den Zug nach Hamburg und blieb da bis zum Start des 2. Semesters. Ich muss zugeben, meine Freunde und vor allem Leni, ja und wenn ich ganz ehrlich bin auch Kasper hatte ich in der Zeit sehr vermisst. Um aber nicht wieder in die gleiche Schiene zu verfallen, suchte ich mir einen Nebenjob und arbeitete von da ab 2-3 mal die Woche neben dem Studium als Kellner in dem Restaurant „D´Angelo“. Kasper sah ich zu dieser Zeit nur, wenn auch Yusuf und Marek dabei waren. Zu viert unternahmen wir oft Spaziergänge, lernten oder kochten zusammen. Wenn die drei weggingen, war ich selten dabei und wenn, dann nie bis zum Schluss. Leni fiel zwar auf, dass ich mich zurückgezogen hatte und bohrte hin und wieder nach. Doch nach einiger Zeit ließ sie es bleiben und schob alles auf den geheimnisvollen Mr. X, der mir wohl mein Herz gebrochen hatte und ich diesmal wirklich schwer getroffen war und viel Zeit brauchte. So vergingen die nächsten drei Semester wie im Flug und ehe wir uns versahen, war das 4. Semester zu Ende und unser Praxissemester stand vor der Tür. Da ich mir in den Semesterferien erst noch eine Stelle für mein Praktikum suchen musste, blieb ich dieses Mal in München. Auch Kasper, Marek und Yusuf blieben in München und so verbrachten wir sehr viel Zeit zusammen. Eines Abends gingen wir alle gemeinsam Essen und als wir gerade fertig wurden hörten wir jemanden  freudig rufen: „Daniel, Daniel, bist du das?“. Als ich mich umdrehte, sah ich einen kleinen freudig strahlenden Mann und nach einigem zögern war mir klar, dass ich ihn irgendwo schon einmal gesehen Hatte. „Mensch Daniel, erkennst du mich gar nicht mehr? Ich bin´s Paul. Ich war ehrlich gekränkt, dass du nie angerufen hast.“,  meinte er. Unbehaglich blickte ich mich zu meinen Freunden um und sagte:

„ Ja, weißt du irgendwie war dein Zettel mit der Telefonnummer am nächsten Tag weg und ich wusste nicht, wie ich dich sonst finden sollte.“ Paul lachte und meinte: „Na, jetzt hat uns ja der Zufall wieder zusammen geführt.“ Mit einem Blick auf Kasper erkannte ich, dass ihn dieses Gespräch sehr peinlich war und ich wollte gerade Paul verabschieden, da sprach Yusuf: „Mensch Paul jetzt setz dich schon zu uns, komm schieb den Schul da her!“.  Gesagt, getan und schon saß Paul bei uns am Tisch und bestellte sich auch ein Bier. Nach einiger Zeit hörte ich auf mich unwohl zu fühlen, da mir Paul wirklich sympathisch war und ich auch fast  vergessen hatte wie unterhaltsam er sein konnte. Schon an dem Abend damals hatten wir ewig geredet und uns über Gott und die Welt unterhalten. Nach und Nach zogen sich Marek und Yusuf zurück und ließen Paul und mich mit unserer Unterhaltung alleine. Unser Gespräch wurde immer persönlicher und wir erzählten uns gegenseitig von unseren Leben, Vorlieben und Abneigungen. Paul neigte sich mir immer mehr zu und mein Herz klopfte. Kasper und die anderen hatte ich zu diesem Zeitpunkt völlig ausgeblendet. Vorsichtig legte Paul seine Hand auf meine und meinte: „Ich weiß, dass wir hier gerade unser erstes Date haben und es eigentlich nicht einmal das ist, aber ich würde dich sehr gerne küssen. Darf ich?“ Sprachlos nickte ich bloß. Ich hatte mich immer für Selbstbewusst gehalten, aber eine solche Selbstverständlichkeit wie die von Paul, war mir fremd. Paul blickte mich fragend und mit einer solchen Intensität an, dass mir ganz warm wurde. Ich beugte mich nach vorne und berührte ganz sanft seine Lippen mit meinen. Paul legte eine Hand an meine Wange und ließ unseren Kuss intensiver werden. „Krawuuuuuuuuuum“, blinzelnd und völlig verwirrt versuchte ich wieder auf die Beine zu kommen. Um mich herum hörte ich Geschrei und als ich die ersten Nebelschwaden, welche sich in meinem Kopf breit gemacht hatten, abgeschüttelt hatte, hörte ich Kasper. Kasper Fluchte und so hatte ich ihn noch nie gehört. „Du Homo-Fiast da Finstanis, geh doch zrugg in dei Höhle und vareck do! I wui doch bei meim Bier ned vo dia Schwuchtl belästigt wern. Do wern jo olle blind. Vapiss di du oaschgeveglts Oachkatzl.“ Gleichzeitig versuchte er auf Paul loszugehen aber Marek und Yusuf hielten ihn zurück. Völlig verwirrt wollte ich auf Kasper zu gehen und ihn beruhigen, doch da wandte er sich an mich und warf mir noch viel schlimmere Schimpfwörter an den Kopf. Getroffen und verletzt wandte ich mich ab und verließ das Restaurant. Paul ließ ich einfach zurück und ich hörte auch nie wieder etwas von ihm. Die ganze Nacht warf ich mich unruhig im Bett herum.

Wie sollte ich meinen Freunden jemals wieder unter die Augen treten, so etwas hätte ich nie im Leben von Kasper erwartet. Innerlich fühlte ich mich an meine Jugend zurück versetzt. Schwul zu sein war noch nie ein Zuckerschlecken gewesen und ich hatte eine harte Schale an der viel abprallte. Aber so etwas von einem Freund??? Völlig groggy wachte ich am nächsten Morgen auf und hörte gerade noch die letzten Töne, welche mir verrieten, dass mich Leni angerufen hatte. Schnell rief ich sie zurück und wir sprachen lange darüber. Woher Leni schon wieder über mein Leben Bescheid wusste, war mir in dem Moment wirklich egal, aber ganz zum Schluss sagte sie mir, dass Marek sie informiert hatte und gemeint hatte, dass ich einen Freund jetzt gut gebrauchen könnte. Nach dem Telefonat war es auch schon Zeit, mich für meine Arbeit bei „D`Angelo“. In den Ferien schob ich öfter mal Doppelschichten um mehr zu verdienen. Auf dem Weg bekam ich sowohl einen Anruf von Marek als auch Yusuf, die sich für Kaspers verhalten entschuldigten und mir versicherten, dass sie zu mir stünden und wir uns heute mal treffen sollten. Ich entschuldigte mich mit der Arbeit und wir beschlossen uns am nächsten Abend bei mir zu treffen. Gott sei Dank war heute die Hölle los und ich hatte wirklich viel zu tun. Als ich gerade einmal wieder meine Bestellung in die Küche schrie und gleichzeitig geschickt die Pizza für einen Kunden zum mitnehmen herrichtete hörte ich ein leises „Servus Daniel“. Ich drehte mich um und erblickte Kasper. Seufzend schob ich dem Kunden die Pizza zu und kassierte ab. „Kasper ich habe jetzt keine Zeit für dich. Ganz ehrlich ich bin nicht sicher ob ich jemals Zeit für dich haben werde.“ Kasper der nicht wie er selbst sonder wie etwas Ausgespucktes aus sah nickte und meinte, er würde warten. Schulterzuckend ließ ich ihn stehen und wandte mich wieder meiner Arbeit zu. Als das Restaurant um eins Schloss, saß er immer noch an der Theke und meinte ob wir nicht reden könnten. Da ich heute mit Abschließen dran war und alle meine Kollegen schon gegangen war nickte ich und begann aufzuräumen. Kasper entschuldigte sich 1000-mal und wollte wissen ob ich ihm verzeihen könnte. Ich meinte, dass er mir dafür Erst mal seine Gründe für sein Verhalten erläutern müsse und wir dann weiter reden könnten. Also erzählte Kasper, schon immer hatte er auch etwas für Männer empfunden, aber bei ihm auf dem Dorf wäre das sein gesellschaftlicher Tod gewesen und so hatte er sich mit Elisabeth zusammen getan. Sie wäre nett, aber eben nicht seine große Liebe. Er habe ihr den Heiratsantrag gemacht, weil alle es erwartet hätten und jetzt säße er in der Falle.

Wenn er sehe wie locker ich mit meiner Homosexualität umgehe, dann sehe er manchmal einfach rot. Ich war baff. Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Mittlerweile befanden wir uns auf dem nach Hause weg und Kasper begleitete mich zu meinem Wohnheim. Ich erzählte ihm, dass auch ich es nicht immer leicht gehabt hätte und ich schon viele Anfeindungen erlebt hätte. Kasper nickte und entschuldigte sich erneut:  's tut ma ehrlich leid. I bin dei Freind und soiad des ned ausnutzn um dia so weh zua doa. Soary!“ Ich nickte und wollte ihn umarmen. Aus der Umarmung wurde schnell ein Kuss und ehe ich mich versah, lagen wir beide in meinem Bett. Ich glaube so glücklich war ich noch nie in meinem ganzen Leben. Völlig erschöpft und überglücklich, schlief ich an Kasper gekuschelt ein. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Kasper weg und als ich mich bewegte hörte ich einen Zettel rascheln. Ich nahm den Zettel und las: „Ich kann das nicht mehr. Es tut mir so leid“ Panisch zog ich mich an und überlegte wo Kasper hingegangen sein könnte. Da ich wusste alleine hätte ich keine Chance ihn jemals zu finden rief ich Marek an und musste folgendes Erfahren. „Ja Guten Morgen, du hast du Lust mit uns heute ins Kino zu gehen, Kasper ist spontan nach Hause gefahren und wir haben das Ticket schon.“ Stotternd sagte ich zu und beschloss: Genug war Genug. Ich kündigte meinen Praktikumsplatz bei BMW und rief meinen Vater an. Schon zu Beginn des Studiums hatte er mir angeboten, dass ich mein Praktikum auch bei ihm in der Firma machen könnte. Dieses Angebot nahm ich nun an und kaufte mir gleich auch noch für die Nacht ein Zugticket. Nach dem Kino entschuldigte ich mich bei meinen Freunden und erklärte ihnen, dass meine Familie mich bräuchte und ich mein Praktikum jetzt doch in Hamburg machen würde. Marek und Yusuf wollten wissen, ob nicht doch mein Streit mit Kasper dahinter stecken würde, doch ich verneinte und meinte, dass wir alles geklärt hätten. Leni rief ich auf der Zugfahrt an und erzählte ihr endlich alles. Leni war wirklich geschockt und konnte es nicht fassen, dass Kasper Mr. X war. Sie versuchte mich aufzubauen und bezeichnete Kasper als Rückgradloses Arschloch. Mein lachen klang wohl etwas zu gezwungen, denn sie entschuldigte sich sofort und meinte, dann ruh dich jetzt einfach aus und versuch ihn zu vergessen. Wir sehen uns wenn du wieder in München bist. Kaum aus dem Zug gestiegen, war ich mit meinem  Vater konfrontiert. Unser Verhältnis konnte man bestenfalls als frostig beschreiben. Er begrüßte mich und verfrachtete meinen Koffer in das Auto. Während der zwanzig minütigen Autofahrt herrschte Schweigen zwischen uns und erst als wir in unsere Straße abbogen, meinte er: „Am übernächsten Tag beginnt dein Praktikum.

Und zwar um 7:00 Uhr. Melde dich einfach bei Herbert, achja in der Firma nennst du ihn bitte Herr Kowalski.“ Ich nickte und bedankte mich noch einmal, dass es so schnell geklappt hatte. „Kein Problem“, meinte mein Vater und bog in unsere Einfahrt ab. Erschöpft und innerlich wund, machte ich mich daran, meinen Koffer in mein Zimmer zu tragen. Der Rest meiner lauten und mitunter sehr chaotischen Familie war im Kino und ich war dafür sehr dankbar. Am Abend beim gemeinsamen Essen hielt ich mich sehr zurück und sollte meiner Mama oder einer meiner Schwestern etwas komisch vorgekommen sein, so fragten sie jedenfalls nicht nach. Der nächste Tag verging wie im Flug und ehe ich mich versah, begann mein Praktikum. Fünf Tage die Woche arbeitete ich, 10 Stunden pro Tag und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich noch länger gearbeitet. Zum einen machte mir die Arbeit Spaß und hatte zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl von meinem Vater respektiert zu werden, und zum anderen half mir die Arbeit meinen Schmerz und die Wut zu vergessen. Am schlimmsten waren die Wochenenden, da nicht einmal Leni in Hamburg war und meine drei Schwestern alle ihren eigenen Freundeskreis hatten und nicht immer ihren Bruder mitschleppen wollten, war ich viel Alleine. Alleine sein bedeutete, dass ich viel Zeit zum nach denken hatte und meine Gedanken kreisten immer wieder um das gleiche: Kasper und unsere Nacht. In dieser Nacht waren meine Träume war gewesen und hatte ich davor mit Kasper als Freund umgehen können, wusste ich jetzt war es damit endgültig vorbei. Kasper hatte mein Herz und mein Vertrauen zerstört. Auch Erinnerungen an die schlimmste Zeit meines Lebens schossen mir immer wieder in den Kopf. Ich schlief schlecht und hatte auch keinen Appetit. Nach circa ein eineinhalb Monaten, welche ich wieder zu Hause war, suchte meine Mama das Gespräch mit mir. Ich konnte sie einigermaßen beruhigen und versuchte mich zusammen zu reißen und Kasper zu vergessen. Anders als in meiner Jugend, in der ich schon einmal ähnliches erlebt hatte, konnte ich ihn einfach nicht vergessen. Ich vermisste Leni sehr, die mir sonst immer Beigestanden hatte und dies zwar auch über das Telefon versuchte, aber es war einfach nicht das gleiche. Nachdem wieder einmal eine Woche blitzartig an mir vorbeigezogen war, beschloss ich am Wochenende eine lange Wanderung an der Alster zu machen. Obwohl ich normalerweise wirklich nah am Wasser gebaut war, hatte ich seit der Sache nicht einmal geweint, es war wie als wäre ich innerlich Tod.

 

In München war in der Zwischenzeit auch viel passiert: Leni war wirklich geschockt von Daniels Erzählung. Normalerweise besaß sie eine gute Menschenkenntnis und Kasper hatte sie immer gemocht. Auch durchschaute sie normalerweise relativ schnell, wer in Daniels inneren eine große Rolle spielte aber Kasper und Mr. X hatte sie nie in Bezug gesehen. So traurig wie bei seinem Anruf aus dem Zug hatte er schon lange nicht mehr geklungen, wenn sie ehrlich war, dann viel ihr nur eine einzige vergleichbare Situation ein und selbst da, hatte er noch etwas schwungvoller geklungen. Seine Stimme war völlig tonlos gewesen ohne jegliche Emotion und er hatte nicht einmal geweint. Der Daniel denn sie kannte und liebte, war irgendwie auf dem Weg nach Hamburg verloren gegangen. Bei ihren zahlreichen Telefonaten wollte er auch nicht mehr über Kasper sprechen und lies sich viel von ihr erzählen, ohne jemals etwas von sich preiszugeben. Lenis Sorge stieg von Woche zu Woche und als sie es nicht mehr aushielt, beschloss sie zu Handeln. Sie war noch nie der Typ gewesen, der lange fackelte. Kaum hatte sie beschlossen, dass sie etwas tun musste, legte sie los. Von Yusuf hatte Leni erfahren, dass Kasper wieder in München war und ihn wohl etwas bedrückte. Vielleicht, so dachte sich Leni besteht eine kleine Chance, dass Kasper doch etwas für Daniel empfindet. Wer weiß. Da Kasper zusammen mit Daniel seinen Praktikumsplatz gefunden hatte, wusste Leni wann und wo sie ihn erwischen konnte. Sie ging früher aus der Arbeit und passte ihn ab. Zuerst war Kasper überrascht sie zu sehen, aber als sie ihn bat, mit ihr einen Kaffee trinken zu gehen, stimmte er zu. Es verlangte Leni viel ab, ihn nicht sofort anzuschreien und als den Mistkerl zu bezeichnen, der er  in ihren Augen war. Nachdem vor ihnen beiden eine dampfende Tasse Kaffee stand, begann Leni mit dem Gespräch: „Kasper, Daniel hat mir alles erzählt. Wenn du also kein totaler Arsch bist und irgendwas für ihn empfindest, dann hörst du mir jetzt zu. Du musst mir dein Verhalten nicht erklären, aber Daniel bist du das schuldig. Er hat es in seinem Leben auch nicht leicht gehabt und schon viel durchgemacht. Sein erster Freund hat sich umgebracht und er gibt sich bis heute die Schuld.“ Als Leni kurz Luft holte, um ihre Ansprache weiter zuführen und auch um sich etwas zu beruhigen, unterbrauch Kasper sie: „Leni, du hast recht, ich war ein Arsch und versuche dir zu erklären was mit mir los war. Ich könnte jemanden zum reden brauchen.“ Leni nickte nur, ihrer Stimme traute sie nicht, da Kasper wirklich fertig aussah und sie ihm glaubte, dass er jemanden brauchte. Zittrig holte Kasper einmal tief Luft und legte los:

„Du musst vastehn, i hod a glückliche Kindheit. Mei Babba und meine Mama liabn si und a uns fünf Kinda narrisch. Bei uns auf am Doaf war oiwei ois schwoaz oda woass und ois i älta wurde, war 's klar, dass i ma a Freindin suchn würde. Oi meine Brüda hatdn a oda warn sogar scho vaheiratet und hatdn selba Kinda. Ois jüngsta hod i 's ned oiwei leicht, aba meine Mama vawöhnte ihr Nesthäkchn scho narrisch. Mid fünfzehn merkte i, dass mi Madl ned wirklich interessierdn, aba meine Brüda driezdn mi und woidn oiwei wissn, fia wenn i mi denn interessierte. I häd ihna niemois eazähln könna, dass i mi fia den Toawart in moana Fuaßboimannschoft interessierte. Oamoi hob i ihn sogar im Übaschwang noch am Spui umarmt und geküsst, wos de Mannschoft heid no zua Witzn vaanlasst. Kuaz darauf eazählte i meina Brüdern, dass i mi fia Elisobth de Doafscheeheit interessiere, und i bei ihr jedoch koa Chance häd. A Woch darauf hod i a Date mid ihr und de Sache nahm ihrn Lauf. De ganze Zeid hod i oiwei des Gfui Schauspuiern zua miassn und east ois i letzte Woch unsa Valobung gelöst hob, hod i wieda des Gfui, noch Jahrn wieda atma zua könna. Fia meine Familie war des a echta Schogg. Fia mi a wenn i ehrlich bin. Und soi i dia wos song i bin wirklich froh, aba 's wurmt mi, dass i east oan andern so weh doa musste. Wos muas Danil dachd hom, ois i weg war und grod da Zedl do log!“ Leni schaute ihn betroffen an und meinte, dass kann ich dir sagen, er dachte du bringst dich um. Erst als er Yusuf anrief und dieser ihm erzählte du wärst heimgefahren, da hat er sich beruhigt und ich glaube das war auch der Moment in dem sein Herz brach. Kasper wurde immer kleiner auf seinem Stuhl und meinte: „Woasst du, scho ois i Danil damois des easte Moi sah, wurde ma ganz warm und i fuite mi bedrängt. I woass, dass des mei Problem is, aba i hob mi seit damois nie wieda mid moana Sexualität auseiandergesetzt und machte Danil den Voawurf, ea sei schuid, dass i ned mehr mid meim Lebn zuafriedn war. Dabei is des natürlich meine Schuid.“ Leni nickte und meinte, dass er da recht hatte. Die beiden saßen da und redeten, bis das Kaffe zu machte. Zum Schluss gab Leni Kasper den Rat, dass wenn er es wirklich ernst mit Daniel meinte, dann müsste er ihn schnell davon überzeugen, bevor dieser etwas wirklich Dummes tat, wie ein Auslandsemester zu beantragen. Kasper nahm sich den Rat zu Herzen und auch Lenis Idee, dass er eine große Geste bräuchte, wollte er in die Tat umsetzen. Da er aber nicht so einfach aus seinem Praktikum weg konnte, wartete er die Weihnachtsfeiertage ab und machte sich am Freitag dem 21. Dezember auf dem Weg nach Hamburg.

Leni fuhr mit ihm und hatte Daniel dazu verdonnert sie abzuholen, denn nur so war sie sich sicher, dass er Kasper auch anhören würde. Als sie Hamburg immer näher kamen, sah man Kasper an, dass er immer nervöser wurde. Unruhig rutschte er auf seinem Platz hin und her. Auch Leni wurde allmählich etwas mulmig zu mute. Schließlich hatte sie ihren besten Freund hintergangen und wusste nicht wie dieser reagieren würde. Der Zug fuhr in den Bahnhof ein und die beiden machten sich auf den Weg zur Türe. Kasper ließ Leni als erste heraus hüpfen und folgte ihr. Mit ihrem schweren Rucksack auf dem Rücken hätte Leni fast das Gleichgewicht verloren, aber wie abgesprochen stand Daniel schon an der Richtigen Stelle und fing seine Freundin auf. „Mensch Leni, pass doch auf, ich hab dich fast nicht rechtzeitig erwischt.“, sagte er. Bei der Stimme von Daniel, zog sich alles in Kasper zusammen, an dieser emotionslosen und rauen Stimme war er Schuld. Von Daniels früherem Enthusiasmus und Freundlichkeit schien nichts mehr übrig. Zudem fühlte er sich wie ein Eindringling. Daniel und Leni waren in ihrer Position verharrt. Daniel stand zwar Kasper zugewandt da, hatte jedoch die Augen geschlossen und hielt Leni eng an sich gedrückt. „Ich habe dich vermisst.“, sprach Daniel mit rauer Stimme und zog seine beste Freundin noch enger an sich. In diesem schlichten Satz, schien sich seine ganze Verzweiflung Bahn zu brechen und Kasper begann das ganze Unternehmen als Fehler anzusehen. Gerade als er sich nach einer Fluchtmöglichkeit umsah, löste sich Leni energisch von Daniel und meinte: „Dann habe ich ja etwas gut bei dir, bitte sei mir nicht böse. Ich konnte euer Unglück nicht mehr ertragen.“ Wie angewurzelt blieb Kasper stehen und sog Daniels Antlitz auf. Der hochgewachsene Daniel war schon immer recht schlank aber muskulös gewesen. Schon vom ersten Tag an hatte er Kasper durch sein nordisches Aussehen sehr gefallen. Doch nun, war sein Freund viel zu dünn. Seitdem er ihm zuletzt gesehen hatte, hatte er bestimmt zehn Kilo abgenommen. Auch sein Haar und seine Augen wirkten stumpf. Alles Lebendige schien verschwunden, die sonst so funkelnden blauen Augen wirkten in dem bleichen Gesicht riesig und wie tot. Stumm nahm Daniel Leni ihren Rucksack ab und ging Richtung Auto. Schulterzuckend packte Leni Kasper am Arm und nahm ihn mit. „Ich weiß nicht, ob ich mitkommen sollte“, flüsterte Kasper. „Du wusstest doch, dass es nicht leicht wird.“, antwortete Leni. Am Auto angekommen öffnete Daniel den Kofferraum und wuchtete Lenis Rucksack hinein. Nach einigem zögern schließlich drehte sich um und meinte: „Jetzt gib schon her“. Schnell nahm Kasper seinen Rucksack ab und gab ihn Daniel.

Blitzschnell setzte sich Leni hinter den Fahrersitz und überlies Kasper damit den Beifahrersitz. Daniel setzte sich ans Steuer und fuhr los. Da Lenis zu Hause direkt neben Daniels lag, musste er nur den gewohnten Weg fahren und das war ein Glück. „Tut mir den gefallen und sagt einfach nichts!“, meinte Daniel. „Ich muss mich konzentrieren und das fällt mir gerade schwer.“ Sowohl Kasper als auch Leni nickten und sagten kein Wort. Leni, der die drückende Stille schon nach wenigen Minuten zu viel wurde, meinte zu Kasper er solle doch bitte die Musik anmachen. Fragend blickte dieser zu Daniel, aber diese zuckte nur mit den Schultern. Schlussendlich machte Kasper die Musik an, nur um sich sogleich seinen Kopf an der Decke zu stoßen. Vor lauter Überraschung war er etwas in die Höhe gegangen, was sein Verhängnis war. Besorgt fragte Daniel: „Ist alles okay, hast du dir sehr weh getan?“. Über die laute Musik hin verstand Kasper ihn kaum, und so nickt er bloß. Innerlich aber freute er sich wie ein kleines Kind. So ganz egal war er Daniel wohl doch nicht. Er drehte die Musik leiser und schon legte Leni los. „Mensch Daniel, dass du mal freiwillig Trailerpark hören würdest, das hätte ich nicht gedacht!“ Kopfschüttelnd meinte Daniel: „Leni, ich finde die Musik nach wie vor verabscheuungswürdig, aber das ist die einzige Musik, die ich im Moment hören kann, ohne…“, den Rest des Satzes ließ er unvollendet, aber alle drei Autoinsassen, spürten die unausgesprochenen Worte zwischen sich schweben. Den Rest der Autofahrt verbrachten sie schweigend und bald Bogen sie in Daniels Einfahrt ab. Schnell machte Leni sich aus dem Staub und bevor Kasper auch nur ein Wort sagen konnte, öffnete sich die Tür und eine Frau schaute heraus. Daniel, du hast ja gar nicht gesagt, dass ein Freund dich besuchen kommt. „Entschuldige Mama, ich habe es total vergessen.“, sagte Daniel. Kein Problem meinte die Frau, kommt doch erst einmal herein. Ich bin Luisa, Daniels Mama und wer bist du? „I bin Kaspa, i kenn Danil vom Studium. Entschuidigung, dass i do so unangemeldet auftaae.“ Bei seinem Worten begann Luisa herzlich zu lachen und meinte: „Also es tut mir leid, aber so ganz hab ich das jetzt nicht verstanden, aber kommt doch herein. Ich habe gerade Kaffee aufgesetzt und Plätzchen gibt es auch. Wie lang willst du denn bleiben?“. Während ihres Redeschwalls, hatte sie die Beiden schon in das Innere des Hauses gescheucht und wies Daniel an, dass er schnell den Rucksack hochbringen sollte. Dadurch wollte sie sich Zeit alleine mit Kasper verschaffen, denn sie sogleich, als Grund, für die schlechte Verfassung ihres Sohnes ausgemacht hatte. Das Daniel ihr gleichermaßen Dankbar für die Zeit alleine war, dass ahnte sie nur.

Etwa unwohl, ließ sich Kasper auf einen Stuhl in der Küche verfrachten. „Also Kasper was willst du wirklich hier? Ich halte nichts davon, um den heißen Brei herumzureden und ich will nicht, dass du uns Weihnachten verdirbst. Bitte lass meinen Jungen sich erst einmal erholen und zur Ruhe kommen.“ Kasper konnte es selbst gar nicht glauben, aber bei Luisas Worten wurde er tatsächlich rot, das war ihn schon seit seiner Kindheit nicht mehr passiert. „Er hat ihnen also alles erzählt?“, wollte er wisse. „Nein, aber ein Blick auf dich hat Genügt. Ich kenne meinen Daniel. Es muss schon etwas Schlimmes Vorgefallen sein, wenn er dich keines Blickes würdigt.“ Kasper nickte und meinte, er habe sich wirklich wie ein Arsch verhalten und wolle ihn nun zurückgewinnen, beziehungsweise davon überzeugen, dass er noch eine Chance verdiene. „So wie ich das sehe, hattest du wohl schon mehrere Chancen. Wenn dir wirklich etwas an ihm liegt, dann bist du hier willkommen, ansonsten, da ist die Tür.“ Bei ihren Letzten Worten betrat Daniel die Küche und sah entsetzt von seiner Mutter zu Kasper: „Du hast ihr doch nicht etwa alles erzählt?“. „Nein, natürlich nicht!“, verteidigte sich Kasper. Auch Daniels Mutter schüttelte den Kopf und forderte die Beiden auf, erst einmal Spazieren zu gehen. Ihr habt sicher viel zu klären, aber vergiss nicht Daniel heute Abend ist unser jährliches Vorweihnachtsessen mit singen. An Kasper gewandt fuhr sie fort: „Du kannst natürlich auch gerne kommen.“ Schweigend machten sich die Beiden auf dem Weg zur Alster. Daniel ging zügig und erst als sie am Fluss angekommen waren verlangsamte er seinen Schritt. Er schlug sich seinen Weg durch die Büsche und mit der Sicherheit, mit der er dies tat, verriet Kasper, dass Daniel dies wohl schon öfter getan hatte. Bei einem großen Baum hielt er an und lies sich auf die Bank darunter fallen. Vorsichtig setzte sich Kasper neben ihn. „Leni und Daniels“ war in die Bank eingeritzt und Kasper wurde klar, dass Daniel ihn mit zu seinem Zufluchtsort aus der Kindheit genommen hatte. Daniel saß zusammengesunken von Kasper abgewandt auf der Bank und starrte auf das vorbei fließende Wasser. „Also, Kasper was willst du, warum bist du gekommen?“, fragte er traurig. Kasper räusperte sich und legte sein Handy neben sich auf die Bank, schnell hatte er gefunden was er suchte und startete. Augenblicklich erklang die Melodie von One Republics Apologize. Zusammen mit Leni hatte er den Text umgeschrieben und fing nun mit rauer Stimme anzusingen:

 

 

I hielt mi an am Glam fest,
i sei ned Schwul, sondern steh auf Fraun
Und i sah di,
doch i konn dia oafach nix song
Du sogst ma, dass du mi braast,
und i geh hi und brech dei Herz
Aba wartn,
i soge dia 's tut ma leid
und i hoff 's is ned zua schbad
zua schbad, um si zua entschuidign, zua schbad
I hoff, 's is ned zua schbad, um si zua entschuidign, ned zuau schbad…
I wui ne weidere Chance, oan Foi in Kauf nehma, oan Schuss fia
di auffangn
Und i braae di, wia a Herz oan Rhythmus braucht
Yeah, yeah
I liabe di so brennad, und 's werd jedn Dog stärka
Und i hoff
du sogst, i vazeihe dia, i vazeihe dia
Aba i befiachte
's is zua schbad, um si zua entschuidign, 's is zua schbad
I sogte, 's is zua schbad, um si zua entschuidign, 's is zua schbad
I sogte, 's is zua schbad, um si zua entschuidign, yeah, yeah
I sogte, 's is zua schbad, um si zua entschuidign, yeah
I hoide mi an am Glam fest,
dass du ma a letzts Moi vazeihst.
 

Nachdem der letzte Ton verklungen war, öffnete Kasper seine Augen und blickte direkt in Daniels. Ohne ein weiteres Wort, lehnte sich Kasper nach vorne, nahm Daniels Gesicht zwischen seine zwei Hände und sagte: „Es tut mir leid und ich hoffe du kannst mir jemals wieder vertrauen. Ich würde sehr gerne noch einmal von vorne mit dir Anfangen.“ Daniel schluckte und rutschte ein Stück näher. Mit rauer Stimme sprach er: „Du hast mir wirklich sehr weh getan, das wird nicht von heut auf Morgen gut, aber ich gebe dir gerne noch eine Chance. Wenn wir ehrlich sind, hast du die erste nie ganz ergriffen.“ Bei seinen Worten klopfte Kaspers Herz stärker und ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Zärtlich zog er Daniel auf seinen Schoß und küsste ihn. Nach einiger Zeit hörte er auf, da Daniel zitterte, ob vor Kälte oder vor Glück, konnte keiner der Beiden sagen. Hand in Hand gingen sie zurück und sprachen über die letzten zwei Monate und im Haus angekommen auch noch über ihre Vergangenheit. Sie redeten die ganze Nacht durch, das Essen hatten sie auf Lenis betreiben hin schwänzen können und die beiden waren ihr sehr dankbar. Auf Daniels und auch Kaspers Wunsch hin beschlossen die Beiden, ihre Liebe erst einmal Geheim zu halten. Das heißt Daniels Familie wusste Bescheid, und natürlich auch Leni. Das letzte Semester verging wie im Flug und die Beziehung der Beiden verfestigte sich immer mehr.

Beider würden nach dem Studium bei BMW arbeiten und sie suchten sich auch eine Wohnung zusammen. Hin und wieder gab es Streit oder Uneinigkeiten zwischen den Beiden, da Kasper nach wie vor Probleme damit hatte, wenn sich Daniel offen zu seiner Sexualität bekannte. Marek und Yusuf schienen von der Beziehung zwischen ihnen beiden nichts zu ahnen und die vierer Truppe war enger denn je. Schnell hatten die beiden eine Wohnung gefunden und erzählten allen sie würden als WG darin wohnen. Alle bis auf Leni glaubten ihnen und auch Kaspers Familie schöpfte keinen Verdacht.

Schnell war der große Tag gekommen. Gemeinsam ging die ganze Truppe ein letztes Mal frühstücken und trennte sich dann vor dem Studentenwohnheim, damit alle ihre Siebensachen packen konnten. Vorab vereinbarten sie noch, sich um 14:00 Uhr wieder zu treffen, um Yusuf gemeinsam zum Flughafen zu bringen. Am Abend würde dann auch Marek mit dem Zug nach Budapest abfahren. Die Zeit verging viel zu schnell und ehe sie sich versahen, stand Yusuf auf der anderen Seite des Schalters und winkte seinen drei Freunden noch einmal zum Abschied zu. Am Abend brachten Daniel und Kasper auch noch Marek zum Zug und winkten ihm nach, bis der Zug nicht mehr zu sehen war. Daniel war etwas verwundert, warum Leni nicht aufgetaucht war, aber ehrlich gesagt, hatte er bei den Beiden noch nie so ganz durchgeblickt. Am Wochenende stand ihr Umzug an und alles ging Glatt über die Bühne. Auch in der Arbeit fanden sich beide  gut zu Recht. Nach wie vor wusste nur Leni über ihre Beziehung Bescheid. Nach wie vor arbeitete Daniel im „D`Angelo“ und als Kasper ihn eines Abends abholte und an der Theke auf ihn wartetet, da fragte Nina ihn: „Sag mal, du und Daniel. Ihr seid doch ein Paar. Oder?“ Kasper wand sich zunächst, sagte dann aber ja und grinste über beide Ohren. Früher wäre ihm das unangenehm gewesen und auch jetzt fühlte er sich nicht hundertprozentig wohl, aber es  war das erste Mal, dass er zu seiner Liebe stand. „Wusste ich es doch!“ rief Nina und meinte, da hast du ja großes Glück gehabt. Daniel ist wirklich ein guter Fang. Er sieht gut aus und ist ein wirklich lieber und einfühlsamer Mensch. Kasper nickte und blickte zärtlich auf Daniel. Dieser wirkte erst verwirrt. Er war es nicht gewohnt, dass Kasper ihn in der Öffentlichkeit so ansah. Schon öfter hatte es deswegen Streit zwischen den Beiden gegeben. Daniel zeigte bisweilen seine Gefühle für Kasper sehr offen und dies machte Kasper oft sehr verlegen und gelegentlich auch wütend. Daniel traf dies immer sehr, da er seine Liebe nicht nur in seinen eigenen Vier Wänden ausleben wollte. Umso verwirrter war er, als Kasper ihm nach Ende seiner Schicht vor der ganzen Belegschaft küsste. „Sag mal bist du Betrunken?“. „Na, i finde, du hosd Recht. Und do is doch a guada Ofang fia unsan easdn Kuss unta Menschn. Olle kenna und liabn di. I hod bisha oafach oiwei zua vui Ongst, voa bledn Kommentarn, oda dass uns eppa sieht da mi beziehungsweise meine Ejdan kennt. Aba des is 'etz voabei. I liabe di und des deaf jeda seng.“ Daniel war wirklich berührt. Mit Marek und Yusuf standen sie nach wie vor in engen Kontakt. Als Mitte Juni Marek wissen wollte, ob wir mit nach Syrien fahren würden um Yusuf zu besuchen, sagten die zwei begeistert zu. Das München-Duo wurden sie von den Anderen Beiden genannt, was sie herrlich fanden. Yusuf und Marek wussten ja gar nicht was für ein Duo sie waren. Kasper bat Daniel, erst einmal abzuwarten und wenn sich eine gute Gelegenheit bot, denn beiden von ihnen zu erzählen. Daniel stimmte zu und schon bald machten sie sich auf den Weg. Am 16.07 machten sich die drei auf dem Weg zum Münchener Flughafen. Marek hatte die Nacht davor schon in München verbracht und so flogen sie gemeinsam. Als sie am Flughafen in Damaskus landeten, wartete Yusuf schon auf sie und bat sie, sich entsprechend der Landessitten zu verhalten. Wir stimmten alle zu und  bevor wir weiter nach Dar`a, zu Yusuf´s Familie fuhren, zeigte er uns seine Wohnung und den Campus. Schon bald war es zwischen uns vieren, als wär keine Zeit vergangen und sie lachten und scherzten. Auch Yusuf´s Familie war wirklich nett. Zwischenzeitlich wirkte Yusuf etwas abgelenkt, aber er schob dies auf seine Müdigkeit und Freude uns wieder zu sehen. Leider konnte er nur eine Woche mit uns verbringen, da er dann einen Ferienkurs halten musste, doch wir beschlossen, diese Woche so gut zu nutzen wie es nur ging. Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg, Yusuf´s Großmutter zu besuchen. Er nannte sie Dschidda Samir und hatte uns schon in Deutschland viel über sie erzählt. Wir waren gute drei Stunden unterwegs, da wir die Natur sehr bewunderten und uns viel zu erzählen hatten. Da wir erst Spät aufgebrochen waren, war es schon dunkel als wir bei ihr ankamen. Als wir ankamen, war gerade Abendbrotzeit. Dschidda Samira saß vor ihrer Hütte und schenkte Tee ein. Vor ihr auf einer großen runden Platte standen zwei Tassen und ein riesiger Berg mit Fladenbrot. „as-Salem –Alaikum“ sagten wir im Chor während Yusuf auf  sie zuging und umarmte. „Yusuf“ sagte Dschidda Samira  und strahlte, „Wenn hast du mir denn da mitgebracht?“. „Das sind Kasper, Daniel und Marek“ erklärte er während er auf den jeweiligen zeigte „Meine Freunde aus Deutschland.“  Da Samira leider nur gebrochen Englisch sprach, war die Verständigung sehr schwierig, doch die vier strahlten sich an und wir schüttelten ihr alle drei die Hand. Yusfu entschuldigte sich kurz um das stille Örtchen aufzusuchen und war überrascht, als er lautes Gelächter und Stimmen bis dahin hören konnte.

Als er zurückkam, saßen Marek und  Kasper lachend auf dem Boden und hatten jeweils ein tropfendes Fladenbrot in der Hand. Dschidda Samira saß vor Lachen durchgeschüttelt daneben und konnte nur noch den Kopf schütteln, während sie mit den Händen ihre Seiten hielt. Auf dem Tisch stand nun ein großer Topf mit Eintopf und davor Standen Maryam und Daniel. Daniel stand dicht hinter ihr, seine großen Hände auf ihre kleinen gelegt und lachte sie an, während sie ihm geschickt dabei half eine perfekte Tasche zu formen. Steifbeinig und mit grimmigen Gesichtsausdruck ging Yusuf auf die Beiden zu. Auf Deutsch sagte er zu Daniel „Geh weg von ihr, wenn du nicht ihren guten Ruf ruinieren willst.“ Erschrocken machte Daniel zwei, drei Schritte rückwärts und stolperte dabei über die Türschwelle. Rumms machte es und Daniel lag am Boden. Innerhalb von Sekunden waren sowohl Maryam als auch Kasper an seiner Seite.

Mit nur einer prüfenden Bewegung hatte Maryam wohl den Schaden ausgemacht und eilte ins Haus ihre Notfalltasche zu holen. Geschickt  verarztete sie ihn, während Kasper seinen Freund mit dem Kopf auf seinem Schoß liegend, beruhigende Worte zu murmelte und seine Hand streichelte. Dschidda Samira wurde von Marek beruhigt und Yusuf stand betroffen am Rand. „Es tut mir wirklich sehr, sehr leid“ wiederholte er mehrmals. „Alles gut“ murmelte Daniel leise. Maryam nickte mir zu und sagte zu meiner Verblüffung in gebrochenem Deutsch „ Wieder kommt gut schnell, kein schwere Wunde“ dazu lächelte sie Kasper an und meinte zu Yusuf gewandt auf Arabisch „Er brauch zwei drei Tage Erholung, ihr könnt in meiner Hütte wohnen, ich kann während der Zeit bei Umm Samira bleiben.“ Yusuf nickte und übersetzte seinen Freunden was Maryam gesagt hatte. Alle drei bedankten sich und so beendeten wir unser Mahl in etwas gedämpfter Stimmung. Maryam geleitete uns in der Dämmerung in ihre Hütte. Das große blitzblanke Zimmer war gemütlich und einladend mit all seinen Stoffen und Tüchern. In einer Ecke war ein großes Bett und aus einem Schrank in der Ecke holte sie zwei große Matten. Schlafsäcke hatten wir dabei, so dass das kein Problem darstellte. Maryam zeigte uns noch wo ihre Öllampe stand und wie wir sie zu befüllen hatten. Auch den Trog mit Wasser und die Schublade mit ihren Verbänden zeigte sie uns. Sie wünschte uns dann noch eine gute Nacht und machte sich auf den Rückweg. „Also Yusuf, das ist also der Grund warum du die letzten Tage so gar nicht du warst. Jetzt leg mal los. Erzähl uns was los ist, “  sagte Marek warm. Daniel nickte zu seinen Worten. Einzig Kaspar wirkte noch angefressen.

„Okay, okay ihr habt ja recht. Also kurz nachdem ich wieder da war, habe ich meine Dschidda besucht und wurde dabei von Maryam umgerannt“ fing er an zu erzählen „Sie ist mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf gegangen, doch ich wusste, dass ein One-Night-Stand hier nicht in Frage kommt. Also habe ich das ganze verdrängt. Doch als wir am ersten Tag hier waren, hat mein Bruder mir erzählt, dass Maryam die Farka gemacht hat und wohl ein Klasse über ihn ist. Ich dachte sie wäre nur ein Mädchen vom Dorf und war wirklich überrascht, dass sie in die Schule geht.“ Zu Daniel gewandt für er fort, „als ich dich so nah bei ihr stehen sah, da sind mir irgendwie die Sicherungen durchgebrannt. Ich kenne mich so gar nicht und es tut mir wirklich leid. Ich habe kein Recht auf dich Eifersüchtig zu sein oder dir den Umgang mit ihr zu verbieten. Wenn du auch ernsthaft an ihr interessiert bist, lasse ich dir den Vortritt, denn ich gefalle mir so nicht.“ Wissend nickten Daniel und Kasper sich zu. „Yusuf dich hat es voll erwischt und du musst dir keine Sorgen machen. Mein Herz ist schon lange vergeben und ich komme dir sicher nicht in die Quere,“ antwortete Daniel. Der schlaksige Mann blickte zustimmungsheißend zur Seite und kassierte ein Nicken von Kasper. Verwirrt blickten Yusuf und Marek uns an. „ Wisst ihr, Kasper und ich wir lieben uns“ sagte Daniel und blickte den Mann zu seiner Seite voller Liebe an. „Es hat lange gedauert bis Kasper dazu bereit war, das in der Öffentlichkeit zu zeigen und dazu zu stehen“. Marek und mir blieb vor Verblüffung der Mund offen stehen. Wir wussten, dass Daniel Schwul war, sein Verhalten legte dies zu Weilen nahe und auch hatte er immer ganz offen darüber geredet aber Kasper!? „Schaut`s ned so bled!“ rief Kasper aus. Zärtlich blickte er Daniel an und küsste ihn leicht. „Ja sowas“ rief Marek aus „Glückwunsch ihr beiden.“ Alle Blicke klebten nun auf Yusuf, welcher i lachte und sagte „Mensch ihr Geheimniskrämer, Glückwunsch“. Erleichtert lachten die Beiden auf und strahlten uns an. „Wir hatten schon Angst ihr würdet uns das ganze übelnehmen, aber wir wollten es einfach erst einmal zu zweit genießen.“ Sagte Daniel. Daniel ging es auch nicht wirklich schlecht und so machten sie sich am nächsten Abend auf dem Heimweg und verbrachten noch eine schöne restliche Woche. Zu dritt reisten sie noch eine Woche weiter und die letzten zwei Tage waren sie wieder bei Yusuf in Damaskus. Daniel wirkte völlig gelöst und auch Kasper war ehrlich froh über die positive Reaktion ihrer beider Freunde. Nur eines nagte an ihm. Seine Familie wusste immer noch nicht Bescheid. Kasper beschloss, dies bald zu ändern. Doch wieder zu Hause verließ ihn der Mut. Daniel und Kasper lebten ein ruhiges gemütliches Leben. Hin und wieder besuchte Marek die Beiden, doch von Yusuf hörten sie immer weniger und dann plötzlich gar nichts mehr. Kasper war zu tiefst beunruhigt. Neben Daniel hatte er Yusuf als seinen engsten Freund gesehen und auch die Situation in Syrien legte nahe, dass ihm eventuell etwas zugestoßen sei. Über Daniel, der seit ihres Syrienbesuches Kontakt mit Maryam hielt, erfuhr er, dass Yusuf sich der FSA angeschlossen hatte und deswegen nicht mehr erreichbar war. Froh, dass sein Freund noch nicht tot war, aber weiterhin sehr beunruhigt, beschloss Kasper, dass er bei seinen Eltern reinen Tisch machen musste. Er liebte Daniel und sah in ihm die Liebe seines Lebens. Ohne Daniel zu verraten, was er vorhatte, machte er sich auf den Weg zu seinen Eltern und erzählte ihnen alles. Beide waren nicht sehr begeistert, meinten aber, wenn er diesen Mann wirklich so liebe, soll er ihn eben einmal mitbringen. Kasper war erleichtert. Damit hatte er nicht gerechnet und gleichzeitig begann er sich sorgen zu machen. Was wenn seine Eltern Daniel das Leben schwer machen würden? Wie würde er selbst reagieren und wie konnte er Daniel zeigen, dass ihm egal war, was seine Familie von ihm hielt? Er wollte nicht ein erneutes Fiasko riskieren. Erst jetzt nach über zwei Jahr schien Daniel mir wieder ganz zu vertrauen und seine Träume hatten aufgehört. Zu Beginn unserer Beziehung war ich oft davon aufgewacht, dass Daniel im Schlaf weinte und sprach. Es war immer weniger geworden und nun war seit dem letzten dieser Träume ein gutes halbes Jahr vergangen. Auf keinen Fall wollte ich ihn noch einmal so verletzten. Ich beschloss, Rat bei Leni zu suchen. In all der Zeit war sie auch mir eine enge und gute Freundin geworden. Zwar war klar, dass Daniel und sie immer etwas besonderes Verknüpfen würde, aber auch sie und ich hatten unsere Gemeinsamkeiten. Leni war einverstanden und schon bald trafen wir uns auf eine Tasse Kaffee bei ihr. Ich erzählte ihr, dass ich vorhatte Daniel mit zu meiner Familie zu nehmen und ich nicht genau wüsste wie sie reagieren würden. Ich erzählte ihr auch noch von meinen weiteren Plänen und aufgeregt half sie mir einen genauen Ablaufplan sowie Notfallplan auszuarbeiten. Von all dem schien Daniel nichts zu ahnen.

Gestresst und erledigt machte ich mich auf dem Weg nach Hause. Nur noch zwei Wochen bis Weihnachten und alle schienen völlig durchzudrehen. Jetzt freute ich mich erst mal auf eine Tasse Kaffee mit meinem Schatz. Bei dem Gedanken an Kasper musste ich lächeln. Nach nun mehr fast zwei Jahren hatte ich mich noch immer nicht ganz daran gewöhnt, dass er und ich ein Paar waren. Mittlerweile hatte Kasper auch keine Probleme mehr, seine Liebe offen zu zeigen und so war unser größter Konfliktherd verschwunden. Ich sperrte die Tür auf und rief: „Schatz, bist du schon daheim?“ als keine Antwort kam zuckte ich verwundert die Schultern. Vielleicht hatte er doch länger arbeiten müssen. Daniel legte sich auf die Couch und beschloss erst einmal ein Nickerchen zu machen. Als ich aufwachte lag Kasper neben mir und schnarchte. Schmunzelnd lies ich ihn schlafen und machte mich ans Kochen. Nach einer viertel Stunde tauchte auch Kasper auf und half mit. Beim Essen sagte er, er wolle mich fragen, ob wir Weihnachten dieses Jahr bei seiner Familie feiern könnten. Er wisse dies sei sehr kurzfristig, aber er hätte mit ihnen gesprochen und sie wollen mich kennenlernen. Stirnrunzelnd brachte ich meine Einwände vor, dass meine Familie fest mit uns rechne und ich mir nicht sicher wahr, ob so ein emotional aufgeladenes Fest die richtige Gelegenheit zum kennen lernen sei. Wir diskutierten eine Weile, aber da es Kasper so wichtig war stimmte ich zu und rief noch am gleichen Abend meine Eltern an um ihnen Bescheid zu geben. Sie reagierten wirklich verständnisvoll und wünschten uns viel Spaß. Auch Leni war nicht böse und beruhigte mich ein wenig. Die Zeit bis Weihnachten verging wie im Flug und schon saßen wir im Auto auf dem Weg zu Kaspers Familie. Als wir auf die Autobahn  bogen, zogen dicke Nebelschwaden auf. Bei sich dachte Daniel, dass die ja ganz gut zu seiner Stimmung passten. Ihm war wirklich etwas mulmig zu mute. Was wenn Kasper´s Eltern ihn nicht leiden konnten? Und was wenn sie ihm gar nicht erst eine Chance gaben ihnen zu zeigen wer er war und dass er ihren Sohn liebte? Daniel war sich nur allzu klar darüber, dass auch seine Eltern erst einmal damit hatten Kämpfen müssen, dass er Schwul war. Mit seinem Vater hatte er sich seit seinem Comingout nie wieder richtig versöhnt. Es war nicht so, dass sie nicht im selben Raum sein konnten, aber sein Vater hatte ihm einfach nichts mehr zu sagen und lies ihn oft deutlich spüren, dass er damit nicht einverstanden war. So grübelte Daniel auf der Fahrt und schrak sichtlich zusammen, als Kasper ihn ansprach: „Danil? Du mia san in ca. 10 Minudn do, is ois in Oadnung bei dia? Und i hoff du woasst, wurscht wos is. I stehe zua dia. I liabe di, dass woasst du doch???". Daniel nickte und räusperte sich: „Ich liebe dich auch, sonst würde ich das hier nicht mitmachen. Kann aber sein, dass ich das hier nur einmal und dann nie wieder mitmache. Ich hoffe du verstehst das.“ Kasper antwortete: „Klar vastehe i di, aba vuileicht werd jo aa ois guad. Des würde i ma wünschn. Sie san oafach meine Familie und aa wenn du meine oanzig grouse Liabe bisd, häd i gern, dass mei Lebn aus moana Familie und moana Wäid bestäd. I woass du vastehst mi und bin unendlich dankbar dafia.“ Mit diesen Worten bog Kasper in die Straße seines Elternhauses ein und parkte geschickt gegenüber ein. Er stellte den Motor ab und beugte sich zärtlich hinüber zu Daniel: „So und 'etz gib ma oan Kuss, wa woass fia wia lang 's da letzte is.“, sagte er weich und die Beiden küssten sich leidenschaftlich. Von einem lauten Rums erschreckt fuhren die zwei ertappt auseinander. Als sie aufblickten sahen sie in ein breit grinsendes Gesicht. Verlegen stieg Kasper aus und auch Daniel war etwas unbehaglich zu mute. Ohne zu zögern umarmte der Fremde Kasper und schlug ihn polternd auf die Schulter: „Mensch, di hod ma do zua Weihnochdn aa scho lang nichtmehr gseng. I freu mi di zua seng. Und du musst Danil sei.“, fügte er an Daniel gewandt hinzu. Daniel nickte und reichte ihm förmlich die Hand. Glucksend zog der Fremde ihn an sich und meinte: „Ah geh, mia san 'etz doch a Familie.“ Verwundert und verdutzt blickte Daniel zu Kasper und dieser erklärte, dass dies sein ältester Bruder der Matze sei. So freundlich aufgenommen zu werden hatte Daniel nicht erwartet und er war sehr erleichtert. Zwar war ihm klar, dass ihm die Feuerprobe erst noch bevorstand, aber wenigstens hatte er schon mal ein freundliches Gesicht gesehen. Die Beiden schnappten sich ihre Rucksäcke und machten sich zu dritt auf dem Weg zum Haus. Kasper unterhielt sich mit seinem Bruder über seine Frau und Kinder, doch Daniel konnte ihnen nicht ganz folgen. Er war viel zu nervös und vor Aufregung knotete sich sein Magen zusammen. Matze sperrte die Tür auf und rief laut in den Flur hinein: „Mama, i bin do und schau wenn i draußn aufgegoblt hob.“. Man hörte schnelle Schritte und schon erschien auf der Treppe eine kleine und etwas rundliche Frau im Dirndl: „Jo mei Kaspa, schee dass du do bisd. De letzdn Weihnochdn mussdn mia jo oiwei ohne di vabringn. Dass du di ned schämst. Und du? du musst da sei, da dafia verantwoatlich is. Hoffa mia, dass du den ganzn Ärga wert bisd.“, sprach sie und drängelte sich zwischen Daniel und Kasper um ihren Sohn fest zu Umarmen. Kasper, der spürte wie sich Daniel bei den Worten seiner Mama angespannt hatte, wand sich aus der Umarmung und schob sich schützend in Richtung Daniel. „Mensch Mama, 'etz las de beidn doch eastoamoi okomma. Du kannst den junga Mo schbada no de Lividn lesn.“, sagte Matze und nickte seinem Bruder beruhigend zu. Kasper´s Mama nickte und schickte die Zwei ersteinmal ihr Gepäck verstauen. Auf dem Zimmer beruhigte Kasper Daniel und meinte, dass das doch besser Gelaufen sei als sie erwartet hätten. Schnell machten sich die Beiden auf den Weg in die große Wohnküche, in welcher sich nicht nur Kasper´s Mutter und sein Bruder sondern auch eine Schar Kinder befand. Blitzschnell verabschiedetet sich Matze und nahm die Kinder mit, ob sie alle zu ihm gehörten, konnte Daniel mit Sicherheit nicht sagen. Zwar hatte Kasper ihn aufgeklärt wer zu wem gehörte und wie viele Kinder hatte, aber bei der Größe der Familie und mit der Aufregung, hatte er den Überblick verloren. Schon bald schwirrte ihm der Kopf von der ganzen Fragerei und als sich die Tür mit einem schweren Knall schloss, zuckte Kasper neben ihm zusammen. Er griff unter dem Tisch nach der Hand seines Freundes und schon polterte ein großer Mann zur Küchentür herein. Beim Anblick seines jüngsten Sohnes und dessen Freund, blieb er in der offenen Tür stehen, was Kasper´s Mutter erzürnte: „Vaflixt nochoamoi, mach de Dia zua i heiz doch ned fia den Gardn!“. Wütend schloss Kasper´s Vater die Tür und nahm nun Daniel ins Visier: „Du vafluchta Bastard, i wui di ned in meim Heisl seng, hob i ma doch gleich dachd, dass de Stod meim Junga ned guad tut und du nutzt ihn doch grod fia dei eigane Zwecke aus. Vaschwinde aus meim Heisl und lass di nie wieda blickn. Dreckada Hurenbua!“, schimpfte er auf ihn ein. Bei diesen Worten wurden sowohl Daniel und Kasper als auch die Frau des Hauses bleich. Daniel sprang auf und bevor Kasper auch nur ein Wort sagen konnte, war sein Freund zur Haustür hinaus. Besorgt wollte Kasper ihm folgen, wurde aber von seinem Vater zurück gehalten. „Du bleibst do, i hob dia ned ealaubt desn Lümml mitzubringn. Dia hom sie wohl ins Hirn gschissn.“, polterte er los. Wutschnaubend riss sich Kasper los nur um zugleich von seiner Mutter aufgehalten zu werden. „I hob ihn gebedn, den junga Mo mitzubringn. I woite an Weihnochdn moi wieda de ganze Familie mitanand hom. Und ohne ihn woite Kaspa nunmoi ned kema. 'etz setzt eich eastoamoi ha und sprecht eich aus. Kaspa, wenn da Danil di wirklich liabt, dann kimmd ea wieda.“. Bei diesen Worten beruhigten sich Vater und Sohn, Maria erhob nicht oft die Stimme und wenn, dann nur wenn ihr etwas wirklich wichtig war. Grummelnd setzte sich Kasper´s Vater an den Tisch. Kasper jedoch blieb angespannt stehen und blickte unschlüssig in Richtung Tür. Mittlerweile war Daniel bestimmt zu weit weg, als dass er ihn sofort einholen könnte und zudem war die Aussprache wichtig. Seufzend setzte er sich an den Tisch und holte tief Luft. „Ganz ehrlich, i woass ned ob Danil zruckkimmt. I hob ihn scho oamoi ziemlich weh geto und ea hod in seim Lebn mid vui Oblehnung zua lebn. Ea liabt mi, vo Ofang an war eahm des klar und i hob sei Liabe mid Füßn getredn. Vuileicht soiad i euch de ganze Gschicht eazähln und dann kennts ihr urteiln.“, fragend blickte er seine Eltern an und als diese nickten erzählte er ihnen alles von Anfang an. Vom Torwart über die Weihnachtsfeier damals und sein Ausflippen im Restaurant sowie die Folgen davon. Als er am Ende angekommen war, hatte seine Mutter Tränen in den Augen und auch sein Vater schien gerührt. Fest nahm Maria ihren Sohn in die Arme und sagte: „Na dann los, hol ihn dia zrugg. Mia schdengan hita dia!“. Auch Kasper´s Vater nickte und lächelte seinen Sohn an. Gerade als Kasper sein Handy hervorholte um Daniel anzurufen, ging sein Handy mit einem Ohrenbetäubendem „dadaaa Jason, stars auf Schnee...“ , das konnte nur Leni sein. Wie auch Daniel´s Klingelton hatte sie auch seinen geändert, was Kasper im Gegensatz zu Daniel richtig witztig und cool fand. Schnell ging er ans Handy nur um es sofort wieder von seinem Ohr zu nehmen. Am anderen Ende tobte Leni und beschimpfte ihn als Rückgradloses Arschloch. „ Ich bin ehrlich enttäuscht von dir, ich dachte du hättest dich geändert und stündest zu ihm. Was hast du dir nur dabei gedacht?“. Als Kasper endlich zu Wort kam und sich erklären konnte, beruhigte sie sich schnell und erklärte Kasper, dass Daniel bald wieder zurückkommen würde, allerdings nur um seine Sachen zu packen und Lebewohl zu sagen. „Er ist der Meinung, dass er dich zu sehr liebt und du ihm deswegen immer wieder das Herz brechen kannst. Er will nicht mehr, dass jemand diese Macht über ihn hat.“ Bei Leni´s Worten musste Kasper schlucken, genau das hatte er befürchtet. Daniel hatte äußerst wiederwillig in diesen Besuch eingewilligt und dann hatte Kasper sich auch nicht sofort hinter ihm gestellt wie er es versprochen hatte. Nachdem das Telefonat beendet war, schaute Kasper in die bedrückten Gesichter seiner Eltern. „I werd mid eahm sprichn und mi entschuidign“, meinte Kasper´s Vater, das sei er ihm schuldig fügte er noch an. Kurz darauf hörten sie die Klingel und Kasper öffnete die Tür. Draußen stand stocksteif und kreidebleich Daniel. Mit starrem Gesicht ging er auf Kasper zu und sah in fest an. „ Ich glaube es ist vorbei. Ich ertrage das nicht mehr. Ich will jemanden, der zu mir hält egal was andere davon halten. Das mag ungerecht sein, weil dir deine Familie wichtig ist und du noch nicht viel Zeit hattest, genauso wenig wie sie, dich an dein Comingout zu gewöhnen, aber ich habe schon mein Leben lang immer hinten anstehen müssen und damit ist jetzt Schluss.“, leidenschaftslos und ebenso tonlos brachte Daniel dies hervor. „Geh nicht, ich liebe dich und ich habe das mit meiner Familie erst klären wollen, bevor ich dir Folge. Hör dir erst einmal an, was mein Vater zu sagen hat.“, sprach Kasper eindringlich. Wahrscheinlich hätte Daniel ihn einfach zur Seite geschoben, aber dass Kasper auf Hochdeutsch sprach war so ungewöhnlich, dass er innehielt und diese Chance nutzte Kasper´s Vater. Er entschuldigte sich und meinte, dass Daniel willkommen sei. Da ihm dies sichtlich schwer fiel und Kasper ihn weiterhin bange ansah meinte Daniel: „In Ordnung, ich werde bleiben, aber jetzt wäre ich gerne mit ihrem Sohn alleine.“ Schnell zogen sich Kaspers Eltern zurück und die Beiden gingen auf Kaspers Zimmer. Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, brach Kasper in Tränen aus. Das war so ungewöhnlich, dass Daniel alle Vorwürfe fallen ließ und seinen Freund eng in seinen Arm Schloss. Die ganze Nacht unterhielten sich die zwei und am nächsten Morgen schliefen sie erschöpft ein. Gegen späten Nachmittag machten sie sich auf den Weg nach unten und wurden von Kasper´s Familie zwar nicht herzlich aber dennoch freundlich aufgenommen. Daniel half fleißig beim Kochen mit und beeindruckte so die Frauen der Familie. Als das Mahl verspeist war und es Zeit für die Bescherung war, wurde Kasper sichtlich nervös. Daniel wunderte sich sehr, aber fragte nicht weiter nach. Nachdem jeder sein Geschenk ausgepackt hatte und die Kinder zu Bett gebracht waren, nickten sich Kasper und Matze wissend zu. Irritiert blickte sich Daniel um und stellte fest, dass sich der Rest der Familie in einem Halbkreis hinter ihm gesetzt hatte und vorne vor dem Christbaum nur noch sein Freund und sein Bruder standen. Matze hielt ein Tablet vor sich und als er auf ein Nicken von Kasper den Bildschirm anmachte, sah Daniel Leni´s fröhliches Gesicht vor sich. „Eins, zwei, drei.“, zählte sie ein und schon legten seine beiden wichtigsten Menschen auf Erden los. Zusammen sangen sie von Revolverheld- Ich lass für dich das Licht an. Es klang so schön, dass Daniel zu Tränen gerührt war. So oft hatte er den Beiden dieses Lied vorgesungen und ihnen erzählt, wie berührend er die Geschichte dazu fand. Kasper und Leni hatten sich immer Lustig darüber gemacht und  dass sie es nun sangen, obwohl es sogar nicht ihrem Musikgeschmack entsprach,  haute ihn einfach um. Als Kasper, dann, genau wie im Original, auf die Knie ging und Daniel fragte: „Wuist du mi heiradn?“, war es um Daniel geschehen, er fing an zu weinen und sagte unter Tränen ja. Plötzlich fing Kasper´s ganze Familie mit an zu singen und bei Leni war Daniels Familie mit dabei. Daniel konnte sich gar nicht mehr beruhigen und als Kasper ihm seinen Ring überstriff, konnte er sein Glück kaum fassen. Zärtlich legte er seine Arme um Kasper´s  Gesicht und küsste ihn, dass dieser dies vor seiner versammelten Familie zu ließ, war ein fast ebenso großer Liebesbeweis wie der Heiratsantrag. „ Ich liebe dich“, flüsterte er ihm ins Ohr und schloss glücklich die Augen.

 

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