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Eine mal etwas andere Weihnachtsgeschichte

 

Eine mal etwas andere Weihnachtsgeschichte !

 
Die folgenede Erzählung handelt von einem Vater, der, fern von einem bösen Herrscher einer großen weiten Welt, ein so riesiges Reich hat,, dass es Menschen unmöglich wäre, dessen Größe überhaupt auszurechnen. Dieses Reich des Vaters ist von einer wunderschönen Pracht mit faszinierenden Ländereien, seltenen Pflanzen und zahmen Tieren, mit Hügeln, herrlichen Wäldern, zauberhaften Tälern, in denen das Gras immer grünt und auch die Blumen von ergreifenden Farben nie welken, mit Flüssen, Bächen und Seen, deren glasklares Wasser heilt und golden schimmert. Diesem Reich, das tatsächlich märchenhaft ist, war einmal die Nacht unbekannt.
Das Tageshell war stets einem Regenbogen gleich. Gegen Abend wurde es von zwar dunkelwirkenden Farben abgelöst, aber das sah dann so schön und romantischstimmend aus wie ein hier auf Erden herbstlicher zu Ende gehender Tag, wenn unsere Sonne gerade dabei ist, unterzugehen.
Zu diesem Reich hatte der Vater auch unzählige Kinder. Die liebte er so sehr, dass er nur eines wollte: jedes Kind sollte aufgrund von Fähigkeiten, Liebhabereien oder schöpferischen Talenten perfekt werden.
Da gab es Kinder, die besonders gern malten. Andere schrieben lieber hübsche Gedichte oder Liederverse oder kleine oder große Geschichten. Andere sangen sehr gut, manche dann allein, manche im Chor. Wieder andere Kinder komponierten lieber klassische Musik oder einfache Lieder. Andere fühlten sich in der nie welkenden, nie absterbenden Natur am wohlsten, wo sie Pflanzen und Blumen pflegten und zu ihnen sprachen. Andere konnten sich am besten mit Tieren verstehen. Und viele Kinder erfreuten sich ganz einfach an dem, was ihre Geschwister so alles an schönen Dingen zustande brachten.
Wenn sie aber zum Vater gingen und ihm die neuen, vielfältigen Werke vorführten, war das ihre größte Freude, weil der Vater sie dann lobte, stolz war auf sie und selbst seine wahre Freude an ihnen hatte.
Mit der Zeit kannte der Vater seine Kinder ganz genau. Alle akzeptierte er, ohne Ausnahme. Auch die, die mehr oder weniger träumten und phantastische Geschichten zu erzählen hatten.
Also herrschte in dem Reich des Vaters eitel Sonnenschein, immerzu!
Ein Junge, das Älteste der Kinder, mochte hauptsächlich beim Vater sein. Zwar war er viele Stunde mit den Geschwistern zusammen, gab ihnen sogar dann und wann Anregungen für neue, ausgefallene Ideen, womit man den Vater überraschen könnte, doch die meiste Zeit war er beim Vater und lernte was Liebe untereinander, Güte und Gerechtigkeit sind, und vor allem, dass jedes Lebewesen eine eigene Persönlichkeit ist, dass darum niemals von jemand etwas verlangt werden dürfe, was ein anderer kann.
Mit den Jahren wurden auch in diesem Reich die Kinder erwachsen, und jedes war in Fähigkeit und Talent tatsächlich perfekt geworden. Und der älteste Sohn ganz dem Vater gleich. Voller Liebe, Güte und Gerechtigkeitssinn, so dass der Vater ihn als würdig befand, ihm die absoluten Mitspracherechte über das gesamte Reich zu übertragen.
Eines traurigstimmenden Tages begab es sich jedoch, dass ein Teil der flügge gewordenen Kinder die große weite Welt kennenlernen wollte. Das bedeutete, über die Grenze des Reiches hinaus zu gehen. Fort vom Vater! Fort vom großen Bruder! Ihnen war das ganz und gar nicht recht,, weil es jenseits der Grenze nur den bösen Herrscher gab. Und weil der keine Kinder hatte, gab er keinen freiwillig her, wer einmal in seine große weite Welt gekommen war. Schlimmer noch! Jeder, der aus der großen weiten Welt wieder hinaus wollte, dem machte der böse Herrscher so schreckliche Schwierigkeiten, dass es damals jeder verzweifelt wieder aufgegeben hatte, zu flüchten.
Davon wusste der Vater sehr wohl. Aber da er seine Kinden nicht zwingen wollte, bei ihm zu bleiben -mit Zwang etwas zu erreichen lag ihm nicht-, ließ er schweren und bekümmerten Herzens die Schar ziehen.
Die Daheim gebliebenen Geschwister und der große Bruder trösteten so gut sie es vermochten den Vater; allerdings war ihnen selbst gar sehr schwer ums Herz, dass sie nur noch überlegten, ob Hilfe ihrerseits möglich sei, falls die geliebten Geschwister von Sehnsucht und Heimweh getrieben nach Hause kommen wollten. Nur wie?
Bald schon verkündete der Vater das wie. Es gäbe nur eine gerechte Möglichkeit. Ein Kampf! Genauer gesagt: ein Zweikampf! Und zwar zwischen dem bösen Herrscher und einem immer gut gewesenen und gut gebliebenen Herrscher. Diesem Kampf müsste und würde natürlich auch ein Sieg folgen. Wenn nun aber der böse Herrscher siegte, wäre nicht nur alles verloren gewesen, sondern er würde selbstverständlich auch gleich den guten Herrscher gefangenhalten und viel schrecklicher und grausamer quälen als alle anderen zusammen genommen.
Wie versteinert waren die Geschwister. Und doch! Ihre Liebe und Sehnsucht nach den Geschwistern war stärker, als die große Frage, wer wohl siegen würde, wenn es zu diesem Kampf komme. Zu tief war die Trauer über die vermißten Geschwister! Und der große Bruder, der ja vom Vater alle Herrscherrechte übertragen bekommen hatte, erklärte, für die Geshwister diesen Kampf aufnehmen zu wollen. Das verursachte verständlicherweise erst recht Ängste und Herzweh bei allen. Hauptsächlich aber beim Vater und dem Sohn selbst, denn noch niemals waren sie für längere Zeit getrennt gewesen.
Ihre Vertrautheit, ihr ewiges Beisammensein, ihr inniges Vater-Sohn-Verhältnis, das so tief und fest war, wurde auf einen Schlag auf grausame Art und Weise gefährdet. Würde nämlich wahrhaftig der böse Herrscher im Kampf siegen, dann würde der Vater auch seinen Sohn verlieren. Außgerechnet ihn, der nie in die große weite Welt gehen wollte! Außgerechnet er, der immer schon am liebsten beim Vater war!
Das Bangen um den Sohn, um den großen Bruder überschattete das ganze wunderschöne Reich, in dem einst nur Glück, Freude und eitel Sonnenschein herrschte, so dass plötzlich jeder Tag fortan von dunkler Nacht abgelöst wurde.
Vor dem endgültigen Abschied -vielleicht für immer?- waren der Vater und der Sohn noch einmal ganz alleine. Sie sprachen über alle Möglichkeiten... und der Vater versicherte dem Sohn, falls er siegen würde, sofort die Geschwister nachzuschicken, um von ihnen unterstützt dem bösen Herrscher alle Geschwister wegholen zu können, die nach Hause, zurück zum Vater wollten. Falls der Sohn siegte.
Jene Nacht, in der der große Bruder in der großen weiten Welt ankam, ist die Nacht, die wir alljährlich zur Erinnerung feiern am Heiligen Abend.
Diese Geschichte, deren Fortsetzung im Lukas-Evangelium, im 2. Kapitel, Vers 1 bis 20 steht, ist vom Prinzip her unsere eigene und die von Jesus, seinem und unserem Vater in den höchsten Himmeln, in gemeinsamer Liebe, Güte und Barmherzigkeit.
Konzentrieren wir uns einen Augenblick auf Ostern, ist „das Ende dieser Geschichte“ zu sehen: Der große Bruder hat gesiegt
 
Rüdiger Siegfried Kugler
(Geschrieben zu Weihnachten 1988 für meine Kollegen und meine Familie)
 
 
 

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