„Äh – ich bin Sausewind, meine Mama hat mich in diese Höhle geschickt.“ Die Gestalt schien auf eine imaginäre Uhr auf seinem Handgelenk zu schauen: „Ja ist denn schon wieder Weltuntergang?
Dann bist du aber einen Tag zu spät dran. Kannst du dich denn nicht an die Zeiten halten?“ Die Gestalt schüttelte missbilligend den Kopf. „Und warum riecht es hier plötzlich so komisch?“ Verwirrt sah Sausewind zu der Gestalt hinüber: „Wer sind sie und - was meinen sie damit, dass ich einen Tag zu spät gekommen bin?“ „Beim letzten Weltuntergang ist alles viel reibungsloser verlaufen.“ Er gähnte herzhaft. „Ist denn schon wieder so viel Zeit vergangen? Jetzt müssen wir uns aber beeilen. Also, ich bin der Schweinepriester und habe die Aufgabe dich zum Saustall zu führen, dorthin, wo Drecksau sein Unwesen treibt.“ Der Schweinepriester gähnte wieder gelangweilt. „Du musst unsere Welt retten, so wie es andere bereits vor dir gemacht haben. Drecksau hat alle Schweine von Porko in seinen Bunker gesperrt. Er beabsichtigt die Methangase aller Schweine in einem Behälter zu speichern. Er hat irgendetwas Schreckliches damit vor. Aber, durch das große Gewicht der sich dort befindlichen Schweine kommt unsere Welt aus dem Gleichgewicht, deswegen gibt es diese heftige Klimaveränderung. Du musst dort hin gehen und alle Schweine aus der Gefangenschaft retten. Achte aber darauf, dass sich alle wieder über den gesamten Planeten verteilen, sodass sich unsere Welt wieder im Gleichgewicht befindet.“ Er redete gelangweilt, so, als ob er es schon öfter gesagt hätte. „Aber, was kann ich denn gegen Drecksau und seiner Rotte ausrichten, ich bin doch nur ein armes Schwein und habe noch nicht einmal eine Nagelfeile als Waffe dabei.“ „Ich kann dir eine Waffe mitgeben, eine fürchterliche Waffe, die jeden Angreifer in die Flucht schlagen wird. Ich kann die Kräfte, die in dir schlummern, vervielfachen.“ Der Schweinepriester redete, als würde er über das Wetter plaudern. Er malte mit seinen Armen einige Zeichen in die Luft. Fast gleichzeitig bemerkte Sausewind, wie sich eine starke Kraft in ihm ausbreitete. „So, jetzt kannst du wieder gehen und passe aber auf, dass du den Fackeln nicht zu nahe kommst. Als Belohnung dafür, dass du die Welt rettest, wird dir später dein bedauernswertes Makel genommen werden. So, und nun entferne dich. Ich bin nämlich müde und muss mich wieder aufs Ohr legen.“ Er sagte es und war auch schon wieder verschwunden. Als Sausewind anschließend wieder aus dem Loch herauskrabbelte, schwankte der Boden, ausgelöst durch ein Erdbeben, alles wabbelte wie Wackelpudding unter ihm. Unterwegs, er war kurz vor dem Ort Saustall, bemerkte er ein von einer erbarmungslosen Rotte gehetztes Schweinchen. Es war nur mit einem Bastrock bekleidet und wirkte sehr erschöpft. Es konnte sich gerade noch hinter einen Baum flüchten, als die Verfolger auch schon hinter ihr auftauchten. Sie haben gesehen, wie Petète sich vor ihnen verbergen wollte. Zeternd und grölend tauchten sie neben ihr auf. Ängstlich umklammerte sie den Baum. Grunzo, der Anführer der Bande, sah sie mitleidlos an. Er wollte sie packen, als plötzlich ein unheimliches Donnern und lautes Getöse erklang. Wie durch Zauberei bildete sich unmittelbar neben ihm ein grauenhafter Tornado. Panik erfasste ihn, als sich die wirbelnde Spirale direkt über ihn stülpte und mit in die Höhe riss. Es stank bestialisch nach Methangasen, so dass sich eine allgemeine Übelkeit ausbreitete. Voller Furcht dachte die üble Horde jetzt nur noch an Flucht. Von einem Moment auf den anderen beruhigte sich der Wirbelsturm. Grunzo aber war spurlos verschwunden, so wie auch seine Rotte sich in Luft aufgelöst hatte. Plötzlich bemerkte Petète einen Schatten neben sich, sie hielt den Atem an. „Hab keine Angst, ich bin Sausewind. Ich habe beobachtet, wie dich diese Meute gehetzt hat.“ Petète beruhigte sich nun etwas. „Gott sei Dank hat uns der Klimawandel diesmal gerettet und einen Tornado gesendet und dabei zufällig die richtigen getroffen.“ „Das war nicht der Klimawandel, der den Wirbelsturm geschickt hatte, sondern ich.“ Sausewind war stolz auf die Kräfte, die jetzt in ihm schlummerten. „Das warst du? Du hast mir den Tornado geschickt? Wie hast du das denn gemacht? Du hast mich mit deinen wunderbaren Kräften vor diesen Bestien gerettet.“ Voller Dankbarkeit hauchte sie ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich erzähle dir später, wie ich das gemacht habe, ich muss schnellstens nach Saustall und das drohende Chaos abwenden. Ich kann etwas gegen die Klimakatastrophe tun und Porko retten, würdest du mir vielleicht dabei helfen und mich begleiten?“ Petète konnte nur nicken, ein Kloß steckte in ihrer Kehle. Verschämt blickte sie zu Boden. „Dann lass uns schleunigst gehen.“ Baba - die Drecksau - sah angewidert auf Grunzos Überreste. Die Rotte hatte ihn unterwegs aufgelesen, in Tüten verpackt und vor ihrem Herrscher auf den Tisch gelegt. „So, ein Tornado hatte dieses Weibsbild Petète vor euch gerettet und es hat gestunken. Was seid ihr denn für Schweine, die sich vor ein liebliches Düftchen fürchten? Wie könnt ihr es wagen, euch so einfach in die Flucht schlagen zu lassen und dann auch noch ohne sie bei mir aufzutauchen? Macht euch wieder auf den Weg und bringt mir dieses Miststück, und vergesst nicht, die Überreste einzufrieren.“ Er bewarf seine Schergen mit den Gefrierbeuteln und dem hier überall herum liegenden Mist. Noch am Ortsrand hörten sie ihn lauthals schimpfen. Drecksau aber würde nicht mehr lange hier sein, denn der aus Schweineleder gefertigte Ballon war bereits prall mit Methangasen der entführten Schweine gefüllt. Immer schon wollte er zu den Sternen fliegen. Aber er konnte nicht eher fort von hier, bis Petète wieder eingefangen war. Er hatte sich in sie verliebt, er hätte es nie für möglich gehalten, dass ihm das eines Tages widerfahren würde, aber ohne sie würde er nicht in den Weltraum starten. Sausewind und Petète kamen schnell vorwärts. Schon von weitem konnten sie einen riesigen, mit Gas gefüllten Ballon erkennen, der sich im Wind hin und her wiegte. Er war mit mehreren Seilen am Boden verankert und wartete nur noch darauf, losgelassen zu werden. Sie versteckten sich vor einigen vorbeiziehenden Steuereintreibern und bemerkten plötzlich die Gestalt, die sich in dem Korb unterhalb des Ballons zu schaffen machte. Die Leinen wurden gekappt und schon wurde er vom Wind direkt in ihre Richtung getrieben. Unvermittelt fiel ein Seil, an dem ein Netz befestigt war, von oben herab und verfing sich um Petète. Sie quiekte wie am Spieß, als Baba, die Drecksau, sie nun in den Korb des Methanballons ziehen wollte. Sausewind, bzw. sein angeregter Stoffwechsel aber reagierte prompt. Ein heftiges Blubbern in seinen Gedärmen kündete von einem heftigen Ausbruch. Seine Lederhose flatterte gewaltig, als sich ein kolossaler Orkan löste. Ein Donnern erfüllte den Ort, als der zyklopische Wirbelsturm auf den Gasballon niederging. Sausewind konnte gerade noch Petète ergreifen und aus dem Netz befreien, als Baba mitsamt seinem Ballon in den Himmel katapultiert wurde. Petète fand sich zitternd in den Schweinshaxen von Sausewind wieder. Er löste sich aus ihrer Umklammerung und befreite alle Schweine aus ihrem überfüllten Gefängnis. Wie die Ameisen wuselten sie aus der Gefangenschaft heraus. Alle freuten sich schweinisch und zogen überglücklich in ihre Heimat zurück, nachdem Sausewind ihnen erklärte, dass sie sich schleunigst auf den Weg machen sollten. Porko konnte weiterhin seine Bahnen ziehen und auf den Feldern wuchs wieder das Korn. Sausewinds brausende Energien verschwanden wie versprochen und seine stark in Mitleidenschaft gezogene Lederhose wurde liebevoll von Petète repariert. Baba aber wurde nie mehr gesehen.

