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Oben ohne

Oben ohne

 

   Eile war an jenem Tag überhaupt keine geboten. Daher kann ich bis heute nicht verstehen, wieso ich derart selbstbewußt über die Straßenkreuzung gehuscht bin. Weil sie wenig befahren war, richtete ich mein munteres Augenmerk zuerst nach links, wie sich das gehört, und anschließend noch einmal nach links. Doppelt hält besser. Alsdann bin ich losgelaufen.

Die erste Fahrspur habe ich problemlos passiert, ich sehe den grellen Mittelstreifen noch deutlich vor mir. Dann folgte die zweite. Auch dort war kaum Verkehr. Als ich jedoch beim Weiterschlendern ein helles, geradezu aufdringliches Klingeln vernahm, fiel mir ein: Hoppla, wie schön! Hier fährt ja auch eine Straßenbahn. Da drang bereits ein dumpfes Schleifen von Metall auf Metall in meine Ohren, wie es etwa entsteht, wenn der Fahrer eines Schienenfahrzeuges durch irgendwelche unachtsame Tagträumer genötigt wird auf die Bremsen zu treten. 

   Ich könnte im Nachhinein noch nicht einmal sagen, daß ich den Stoß an meiner rechten Hüfte als unangenehm empfunden hätte. Jedoch den Kopf zu drehen und diesen ,Aggressor’ auszumachen, wollte mir nicht mehr gelingen. Etwas schob mich vor sich her wie ein Schneepflug, drückte mich mit nie zuvor erlebter Gewalt zu Boden, was in mir das Gefühl erweckte, immer kleiner zu werden, zu schrumpfen. Irgendwann lag ich unter der Bahn und kam mir ziemlich zerknittert vor. Als ob ich in mehrere Stücke zerrissen worden wäre. Im Anschluß knipste einer ungefragt das Licht aus.

   Das Erwachen in der Klinik gestaltete sich einfacher als erwartet. Als meine fünf Sinne wenige Tage später allmählich zurückkehrten, war mein erster Gedanke: Du bist in deine Einzelteile zerlegt, hast weder Beine noch Arme. Zum Glück waren diese Sorgen völlig unbegründet. Meine Beine besaß ich noch alle, sie ließen sich einwandfrei bewegen, jeder Zeh folgte direkt meinen Befehlen. Ebenso die Arme. Ich hatte vielleicht ein paar Blaue Flecken. Gut. Aber was will das schon heißen, wenn man unter eine Straßenbahn gerät. Es bereitete mir auch keinerlei Schwierigkeiten, mit meinen Fingern auf dem nicht mehr ganz blütenweißen Bettlaken den Radetzky-Marsch zu trommeln. Alles war in bester Ordnung! 

   Nur mein Kopf fehlte. So sehr ich mich auch bemühte, er war nicht aufzufinden. Weder auf noch im Innern des Nachtschränkchens; zu meinen Füßen fand sich ebenfalls keine Spur. Diese Erkenntnis ließ mich kurz grübeln, nicht aber kopflos werden. Ich suchte nochmals systematisch den Raum ab, dabei betrat ich das Bad. Ein durchaus ungewöhnlicher Anblick im Spiegel ließ mich innehalten. Ich sah schon etwas merkwürdig aus, oben so ganz ohne. 

Am Kleiderhaken hinter der Tür hing ein Strohhut, den wohl einer meiner Vorgänger hier entsorgt hatte. Ihn setzte ich mir auf den Hals und verließ das Krankenzimmer.

Bei der Suche nach meinem Mentalzentrum lenkten die Füße mich auf den sterilen Flur des Krankenhauses, hinüber zum Aufzug, meine unversehrten Finger drückten fleißig einige Knöpfe. Der Lift brachte mich in angrenzende Gefilde, wo ich in diversen Abstellräumen nachforschte, das zeitigte kein Ergebnis. Derart angespornt gelangte ich zur Intensiv – anschließend zur Entbindungsstation - nichts! Beim Röntgen habe ich mich persönlich vorgestellt, unverzüglich wurde der Kernspin-Tomograph durchsucht. Eine geraume Zeit stand ich sogar in der überfüllten Kantine herum, den Rand des Strohhutes mit den Fingern auf die Schultern gepreßt. Fehlanzeige auch hier. Die Birne blieb verschollen.    

   Nun wird sich der eine oder andere - vielleicht auch beide - fragen, wie so etwas möglich sei. Das ist überhaupt kein Problem. Wie unwichtig der Kürbis auf unserem Hals ist, erfährt man, wenn er fehlt. Da, wie bereits Einstein bemerkte, für die meisten Tätigkeiten unseres täglichen Lebens die Wirbelsäule ausreicht, ist der Deez für viele ohnehin vollkommen überflüssig.

Der eine besitzt ihn, damit er nicht das ganze Stroh mit den Händen herumtragen muß, der andere, damit es ihm nicht in den Hals schneit. Zugegeben, es gibt auch welche, die haben ihren Kopf eigens, damit die Ohren nicht aneinander reiben. Aber es geht auch ohne.

   Zurück in meinem Krankenzimmer, stattete mir Chefarzt Dr. Rainer Zufall eine kurze Visite ab, um mit mir über mein künftiges Leben zu parlieren. Das Gespräch war kurz und einprägsam; dabei startete ich meine Karriere als Bauchredner. Die Rübe sei einfach nicht mehr aufzufinden gewesen, meinte er, wie sehr die Rettungsleute auch danach gesucht hätten. Wahrscheinlich hatte ein streunender Hund den Kopf als Spielzeug mit nach Hause genommen und unter der Couch versteckt. Man hätte mir die Stelle am Hals eben zugenäht. Mit groben Stichen. Wie sich das für Kassenpatienten gehört.

„Na, wenn schon“, war meine lakonische Antwort. „Verzichten wir in Zukunft eben auf die Schuppen. Und auf die liebgewonnene Migräne. Mein Hals– Nasen und Ohrenarzt wird außer sich geraten.“ 

   Hernach kleidete ich mich an, bezahlte die Krankenhausgebühren – jene für den Fernseher ließ ich stornieren – und stolperte, noch immer den albernen Strohhut auf den Schultern, in den Fond des erstbesten Taxis, das vor der Klinik parkte.  

„Bringen Sie mich zu einem - Kaufhaus“, rief ich nach vorne. Und als der Fahrer seinen sehnsuchtsvollen Blick nicht mehr vom Innenspiegel wenden wollte, fügt ich an:

„Ich bin Chinese, wir haben alle etwas kleine Köpfe.“

   Im Kaufhaus angelangt, steuerte ich schnurstracks auf die Hutabteilung zu, mir eine schickere Kopfbedeckung auszusuchen. Mit diesem dämlichen Strohgeflecht konnte man sich ja nirgends sehen lassen, wie mir der leere Blick des Taxifahrers während der ganzen Fahrt suggeriert hatte.

Die junge Verkäuferin war sehr hilfsbereit bei der Suche nach einer geeigneten Kappe, versuchte dabei jedoch ständig mit einem Auge mein Gesicht zu erhaschen, sodaß ich mich für jede Anprobe in eine Umkleidekabine zurückziehen mußte.

Zwischendurch spielte ich mit dem Gedanken, mir einen Motorradhelm zu kaufen; aber wo sollte ich ihn befestigen? Ich entschied mich letztendlich für eine blau-weiß gestreifte Pudelmütze mit einem circa einen Meter langen Zottel, die ich mir flugs über den Hals stülpte. So gewappnet begab ich mich zur Kasse hinüber. Vor mir standen lediglich drei Kunden.

Als die Reihe an mich kam, ich mit meiner Mütze vor die Kassiererin trat und in meine Tasche griff, kramte sie augenblicklich ihr gesamtes Bargeld aus der Schublade, steckte es in eine Plastiktüte und drängte es mir auf. Von hinten schoben die nächsten Zahlungswilligen, was mich veranlaßte, das Weite zu suchen - und zu finden. Den schicken Strohhut habe ich dort gelassen. Als Kaution.

Was sollte ich jetzt mit dem ganzen Geld anfangen? Dieser Gedanke beschäftigte mich eine geschlagene viertel Stunde, während der ich durch den grünen Park am Schloß pilgerte. Zur Bank bringen! Eine ausgezeichnete Idee. Stante pede steuerte ich das nächste Geldinstitut an, stellte mich vor einen geöffneten Schalter, wirbelte mit einer eleganten Bewegung den Bommel meiner neuesten blau weißen Errungenschaft ein paar Mal im Kreise und legte die pralle Tüte auf den Tresen. Drei Minuten später stand ich wieder auf der Straße.

In Händen hielt ich zwei weitere Taschen, voll mit aktueller Währung. Offenbar wollten sie mein Geld nicht haben und gaben mir statt dessen das ihrige! Ich im Gegenzug war nicht so pingelig. Ich nahm es.

Auf mein Winken hin hielt ein netter Taxifahrer, lud mich ein und brachte mich zu einem der renommierten Autohäuser der Stadt. Einer Bezahlung meinerseits entzog er sich durch feige Flucht; er hatte während der Fahrt wohl ständig darauf gewartet, daß ich ihn ausrauben würde. Ich, ein gesetzestreuer Bürger.

   Im Verkaufsraum des Autohändlers wimmelte es von interessanten vierrädrigen Objekten jeglicher Couleur, ein Verkäufer näherte sich in einer etwas grotesken Haltung. Als wüßte er nicht so recht, ob er nun herkommen oder besser Reißaus nehmen sollte.

„Ich benötige unbedingt ein zu meinem neuen ,Outfit’ passendes Gefährt“, entfuhr es mir in vertraulichem Tonfall. „Es darf ruhig etwas niedriger sein. Aber auf keinen Fall ein Cabrio! Da bekomme ich Ohrensausen.“

Der Mann schluckte mehrmals und starrte gebannt auf meine Mütze.

„Ja, wir hätten da …oder besser … wie wär’s denn .. vielleicht ein kleinerer…?“

Ich ließ ihn stehen und begab mich selbst auf die Pirsch. Leute, die so indifferent schwafeln, sind mein Fall nicht. Die meisten Wagen in diesem Autohaus waren ohnehin viel zu groß.

Die vollen Geldtaschen in Händen, studierte ich einige Zubehörlisten und überlegte vor einem glänzenden Sportmodell, was ich wohl mit einem Airbag anfangen sollte. Oder mit einem beleuchteten Schminkspiegel. Kopfhörer für das Radio brauchte ich auch nicht, von der Nackenstütze ganz zu schweigen.

„Wie wär’s mit einer Probefahrt?“ bekundete ich hörbar Interesse an dem Sportwagen.

Die Frage war an sich klar und eindeutig formuliert. Dennoch kam niemand meinem Wunsche nach. Da der Schlüssel steckte und das Tor geöffnet war, verstaute ich meine Tüten im Kofferraum, stieg ein und fuhr mit quietschenden Reifen vom Gelände.

Beherzt trat ich das Gaspedal durch, fuhr mit leicht überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt und drückte alle erreichbaren Knöpfe; es gab beeindruckend viele davon. Zuerst ging das Radio an, dann das Navigationssystem, im Anschluß erstrahlten die Scheinwerfer. Über den Zigarettenanzünder tastete ich mich zu den elektrisch verstellbaren Rückenlehnen, bis ich schließlich einen mir unbekannten Hebel erwischte.

Zunächst setzte ein Brummen ein, alsdann hob sich das Dach, schrumpfte zusammen und versteckte sich klammheimlich im Kofferraum. Nun saß ich doch in einem Cabrio, und der Wind zerrte frech an meiner blau-weiß gestreiften Mütze.

   Die erste Radarfalle in der City passierte ich etwas leichtfertig mit 90 Stundenkilometern. Die zweite schon mit überzeugenden 110. Es blitze wie wild auf, und meine Zipfelmütze zögerte keinen Moment, ihren Teil zum Spektakel beizutragen. Weil es so viel Spaß machte, wendete ich und befuhr die gleiche Strecke noch einige Male in adäquatem Tempo. Jedesmal, wenn die Radaranlage auftauchte, hob ich die Hand zum freundlichen Gruß. Ein Grinsen wollte mir - aus verständlichen Gründen - nicht gelingen.

   Die Tanknadel rückte noch nicht einmal gegen halbleer, als hinter mir die ersten Martinshörner zu vernehmen waren. Wieder blitzte es aufreizend an jedem Radar - und hinter mir noch weitere Male! Was denken sich die Bullen eigentlich dabei, so rücksichtslos durch die Stadt zu rasen?

Ein gewitzter Beamter steuerte seinen blau-weißen Dienstwagen neben den meinigen, hielt eine Warnkelle aus dem Fenster, schaute herüber, erschrak sich maßlos und warf die Kelle schleunigst weg. Im nächsten Moment lenkte er sein Fahrzeug wie auf Schienen nach links von der Fahrbahn in einen angrenzenden Weiher, um mehrere Enten und einen Schwan zur panischen Flucht zu nötigen.

Unbeeindruckt setzte ich meine offensive Fahrt fort, im Schlepptau weitere Polizeiwagen. Da kam mir der riesige Parkplatz des Fußballstadions gerade recht, dessen Schranke sich soeben schließen wollte und unter der ich mit meinem flachen Gefährt noch so eben hindurchhuschte. Meine Verfolger mußten, um Einlaß zu erhalten, jedesmal brav eine Münze einwerfen, damit sich die Schranke wieder hob. Was ein Pech.

Für den Fall eines unerwarteten Regengusses hatte ich das Verdeck wieder geschlossen und stellte den Wagen am äußersten Ende des Abstellplatzes neben eine Currywurstbude. Erwartungsfroh begab ich mich zum Haupteingang, wo ich eine Eintrittskarte erstand. Der Mann am Schalter warf einen Blick auf meine blau-weiße Mütze und schickte mich in die Ostkurve - zum Schalke - Fanclub.

   Das Spiel war längst im Gange und hochinteressant. Wegen meiner bunten Kopftracht wurde ich von den Schalkern herzlich aufgenommen. Es wurde Bier gereicht und Würstchen, beides lehnte ich ab. Ich war schließlich nicht zu meinem Vergnügen hier. Der Gegner hieß Duisburg, und dessen Vereinsfarben sind weiß - blau. Gestreift. Jeder Fan in der Arena besaß Fahnen und Kleidungsstücke in derselben Farbe. Im Stadion waren demnach zwei Kolorierungen dominant: Blau-weiß gestreift und weiß-blau. Und ich.

Die Erfolge beider Mannschaften wurden von mir absolut neutral bejubelt. Wiederholt mußte ich Tauschvorschläge Schalker Fans, denen mein Mützchen unsagbar gut gefiel, zurückweisen. Eingekeilt in der Menge wartete ich das Ende des Spiels ab; da stand es 1:1. Für wen, konnte ich bis heute nicht in Erfahrung bringen. Zusammen mit der Meute wurde ich zum Tor hinausgespült und landete wieder auf dem Parkplatz, dem vollen. Dessen Schranken waren nun geöffnet, was den Verkehrsfluß erheblich beschleunigte. Etwas verloren standen am Ausgang einige Beamte in Uniform, und versuchten verzweifelt in jeden Wagen zu schauen, der das Gelände verließ. Sie waren mit dieser Aufgabe restlos überfordert und erblickten jede Menge weiß-blau und blau-weiß.

Unerkannt wischte ich mit dem Sportwagen durch und begab mich auf die vom hektischen Stakkato der Radar-Blitzlichtgewitter begleitete Rückfahrt zum Autohändler. Dort stellte ich das Gefährt wieder ins Schaufenster, entnahm meine Tüten und hängte den Schlüssel ans Schwarze Brett, wie sich das gehört. Ich habe den Wagen nicht gekauft, weil er mir zu schnell fuhr; außerdem befand sich im Innern ein fast leer Tank. Autos mit leeren Tanks sind mir ein Greuel.

   Zu Hause angelangt, verschob ich zuerst den Zahnarzttermin - auf den ich zwei volle Monate gewartet hatte - auf Weihnachten, danach verstaute ich die Geldtaschen unterm Bett. Auf die Bank wollte ich so schnell nicht wieder gehen; wo sollte ich denn hin mit all dem Zaster, den sie mir dort mit Gewalt aufdrängten?

Im Anschluß entsorgte ich zunächst sämtliche Kopfkissen und Haarbürsten, und der Gedanke, wieviel Geld ich ab dem Tage beim Friseur sparen würde, versetzte mich in Hochstimmung. Es folgten Rasierpinsel, Zahnbürsten und die Q-Tips. Hernach die Brille. Sie hatte mich ohnehin immer gestört. Ein modisches Model war es wirklich nicht. Später besorgte ich mir jede Menge Kataloge mit modernen Kopfbedeckungen - man muß schließlich mit der Zeit gehen.

   Noch keine Woche war verstrichen, als unerwartet Post bei mir eintraf. Ein ,Institut für angewandte Neurosen’ bat mich, für Versuchszwecke zur Verfügung zu stehen. Ich willigte ein, fuhr hin und wurde vom Institutsleiter Professor Dr. Alzheimer herzlich willkommen geheißen. Man geleitete mich in ein Labor, setzte mich auf einen Drehstuhl, und kurze Zeit später war ich umringt von zahlreichen Doktoren und Studenten.

„Wie fühlen Sie sich - jetzt?“ wollte der Professor wissen.

Ich zuckte beredt mit den Schultern. Denn über mein Befinden hatte ich bisher nicht nachgedacht.

„Eigentlich fühle ich mich gar nicht schlecht“, antwortete ich und meine Finger spielten mit dem imposanten Anhängsel meiner Mütze. „Vielleicht ein wenig kleiner ...“

Sie machten einige Versuche meinen Gleichgewichtssinn betreffend, dabei wirbelten sie mich auf meinem Stuhl im Kreise herum, bis der blau-weiße Zipfel beim erfolglosen Versuch mich zu überholen in weiter Runde durch den Raum sauste.

„Wird Ihnen schwindelig?“ fragten sie mich im Anschluß.

Ich verneinte diese alberne Frage und schaukelte solange genüßlich auf dem Drehstuhl, bis er zu kippen drohte.

„Wie schlafen Sie?“ wollte ein neugieriger Dr. Macke wissen.

„In meinem Bett“, bekam er zur Antwort, was durchaus nicht der Unwahrheit entsprach.

Einem Naseweis, der heimlich nach meiner Mütze griff, mußte ich ein paar auf die Finger geben, sodaß er Hals über Kopf aus dem Zimmer flüchtete.

„Bitte fassen Sie den Patienten nicht an!“ befahl Professor Alzheimer. „Es könnte noch immer zu gewissen Phantomschmerzen kommen.“

Phantomschmerzen? Mittlerweile war ich selber ein Phantom, aber Schmerzen hatte ich deswegen keine. Jedenfalls keine Kopfschmerzen.

„Wie ernähren Sie sich?“ wollte eine junge Studentin in Erfahrung bringen.

„Ich bekomme Infusionen“, war meine Replik. „Scotch, Andechser und Lambrusco sind sehr beliebt.“

„Können Sie noch rechnen?“ fragte Alzheimer mit geheucheltem Interesse.

„Selbstverständlich! 3 mal 7 sind 4289.“

Danach leierte ich die Zahl Pi bis auf eine Stelle nach dem Komma herunter. Was ihn überzeugte.

„Wie sehen Sie ihre berufliche Zukunft? So - oben ohne.“

„Oh, gut daß Sie dieses Thema ansprechen. Meine besten Entfaltungsmöglichkeiten sehe ich in der Politik. Oder als Richter. War Justitia nicht auch etwas … sehbehindert?“ fragte ich mit einem unschuldigen Unterton. „Wenn alle Stricke reißen setzte ich mir eine Perücke auf und schlage mich als Blondine durch. Oder ich werde Ohrenoptiker.“

„Hatten Sie in den letzten Tagen Zahnschmerzen?“ wollte ein Dr. Spleen erfahren, seines Zeichens Dozent für Praktizierte Senilität.

Aha, dachte ich, einen Komiker haben sie hier auch. Komisch konnte ich ebenfalls sein. Ich überprüfte kurz mein Repertoire an Rassisten-Witzen und entgegnete:

„Neulich bin ich versehentlich auf eine Weinbergschnecke getreten. Da war die ganz aus dem Häuschen!“

Danach drehte ich den Stuhl noch einige Male wild im Kreise, hüpfte herunter und entschwand den Blicken der Prüfungskommission. Sie hat sich nicht mehr gemeldet.

 

   Seit einigen Tagen erhalte ich so merkwürdige Post aus verschiedenen Richtungen. Ich soll als Crashtester für die Formel I tätig werden. Bei meiner Figur hätte ich die ideale Stromlinienform, besäße wenig Skrupel und würde daher nicht so leicht den Kopf verlieren.

Mehrere Zirkusdirektoren sind ganz scharf darauf, mich zu präsentieren. Für Hosenreklame soll ich ebenfalls Model stehen.

Darüber hinaus überlege ich, ob ich mich nicht besser um Werbung für sichere Rasierklingen bemühen sollte. Plakate von mir dürften auch die letzten Zweifler überzeugen. Aber darüber werde ich mir später den Kopf zerbrechen.

 

 

 

 

 

 

 

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