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Fußball geht auch anders

"Kannst du mal die Musik leiser machen?", schrie ich in sein Zimmer rein. Mein Bruder zuckte nur mit den Schultern. Hat der mich überhaupt verstanden? Vor allem mochte ich diesen Musikstil überhaupt nicht. Vom Wohnzimmer trat ebenfalls ein ohrenbetäubendes Musikstück gegen das von meinen Bruder an. Also drehte ich meinen Musikplayer auf volle Lautstärke, tat mir Ohrenstöpsel in die Ohren und schon schrie der Sänger mein Lieblingslied. Ich sah durch das Fenster. Zwei, nein, drei Jungen mit Rucksäcken und Fußball-Shirts, einer mit einem Ball in der Hand, gingen über den Weg gerade einer Kreuzung entgegen. Da fiel mir etwas ein, mein Bruder sollte mal in einen Fußballverein gehen. Ich schlich in sein Zimmer und drückte auf Stop, dann fragte ich: "Wie wäre es mit einem Fußballverein?" Seine Antwort war: "1. Ich habe kein Interesse und 2. Du willst mich nur aus dem Haus haben, das sag' ich Mama." "Boah, du Zicke," sagte ich wütend. "Ha,ha, bin kein Mädchen." Ein freches Lächeln verbreitete sich über sein Gesicht. Und schwupp war er im Wohnzimmer und sprach dramatisch zu Mama: "Die will mich aus dem Haus schmeißen!" Mit dem Finger zeigte er auf mich. "Ja, klar", sagte ich total ironisch."Wieso bist du so böse?", fragte mein Vater voll gelangweilt, ich dagegen: "Das ,Ja klar' war ironisch gemeint,ich  habe meinem Bruder nur einen Fußballverein vorgeschlagen." "Okay, Kinder", sprach mein Vater, "dann spielt euch mal ein." Im Nu schob er uns aus dem Haus." "Und jetzt?", war die erste Frage meines Bruders. "Ja was jetzt, jetzt spielen wir." "Ich will nicht spielen!" Mit einem Plumps ließ er sich ins weiche Gras fallen. "Komm steh auf", sagte ich und zerrte ganz leicht an seinem Hemd. Da ich wusste, dass das hoffnungslos war, setze ich mich zu ihm. Hinterher lagen wir gemeinsam auf der Wiese. Wunderlich starrten uns die Leute mit Hunden oder Autofahrer an.

Nach 10 Minuten kam mein Vater an mir und meinem Bruder vorbei. Wahrscheinlich wollte er wieder mal seine Runde joggen. "Ihr spielt ja gar nicht." "Mag kein Fußball!". "Bäh", sagte mein Bruder oder genau genommen blökte mein Bruder. Mein Vater  joggte mit schüttelndem Kopf weiter und murmelte dabei: "Erst wollen sie spielen, dann nicht... Was denn nun?". Die Jungen kamen dann auch nach einer Stunde an uns vorbei und paff, bekam mein Bruder direkt den Ball in sein Gesicht. Die Jungs kicherten. "Könnt ihr nicht zielen?", schrie mein Bruder. "Äh.... doch." Dann bückte sich mein Bruder, um den Ball aufzuheben und diesen gegen deren Köpfe zu schmeißen, doch bevor er das tat, flüsterte ich: "Hey, wirf denen den Ball nicht entgegen, den können sich ruhig selber holen." Mein Bruder war einverstanden und kicherte in sich rein. 

"Wirf zurück oder könnt ihr nicht werfen?" "Nein!!! Wieso?", rief ich zurück. Eine Antwort habe ich gar nicht erwartet, es kam auch keine. Plötzlich kamen wir an einer Laterne vorbei, Daran hing ein Flyer. Darauf stand: Lerne mit uns an einem Tag Fußball. Am Ende gibt es eine Reportage im Fernsehen. Am Mittwoch, um 17 Uhr, beginnt das Spiel. Wie angewurzelt blieben wir stehen, doch dann packte uns eine reißende Energie. Es war Mittwoch, halb fünf. Wir rasten über die Wiese bis nach Hause, dort packten wir Sportsachen und Bahntickets ein. Wir fuhren los. Punkt 17 Uhr kamen wir an. Der Trainer brüllte über das Spielfeld: "Halt, stopp, andere Richtung!" Unter dem Kindergewusel zeigte einer dem Trainer einen Vogel. Der Trainer sah es nicht. Alle Kinder waren schon in ihren Sportsachen eingekleidet und rannten kreuz und quer. Mein Bruder tippte den Trainer an  und fragte, ob wir mitspielen dürfen, der Trainer meinte:"Ja, dann zieht euch schnell um." Wir kamen einem Schild entgegen, darauf stand ,Umkleiden'. Als wir uns umzogen hatten, rannten wir ebenfalls kreuz und quer. Danach war ein Fußballspiel. Wir stellten uns auf. In meiner Liga wahren 10 Eigentore geschossen worden, in der anderen auch. Dann schrie der Trainer:"Nicht gehen, rennen!" Alle Kinder rannten wieder kreuz und quer. Wo war denn der Ball? Da sah ich ihn, er flog über mich geradewegs in die Hände des Torwarts.

Erwartungsvoll schauten alle ihn an, ahnungslos er uns. Es war Stille, dann ließ er sich fallen und kugelte sich auf dem Boden herum. Da rief einer aus der Gruppe total unmotiviert:"Juhu!" Und dann entstand ein Höllenlärm, alle Kinder brüllten motiviert:"Juhu!" Und "Yeah!" Sie klatschten. Komisch guckend stand der Trainer da und so ging es dann auch die ganze Zeit. Am Ende sagte mein Bruder:"Diese Art von Fußball ist ja mal richtig toll." Ich schlug ein. Hinterher war diese Reportage. Alle haben den Verein gut bewertet. Es hat zwar letztendlich keiner was draus gelernt, doch eines wusste jeder, Fußball geht auch anders.

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