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Es ist vollbracht!

Der Hecht und der Specht begannen ihre Koalitionsverhandlungen. Der Specht hatte mit leichtem Vorsprung vor dem Hecht die Wahlen gewonnen und vom Bundespräsidenten Steinmeier den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten.

Der Verlauf der Wahl war so dramatisch wie selten zuvor. Tausende Populisten aller Himmels-richtungen hatten sich der Abstimmung gestellt. Das war möglich geworden, weil jetzt Jede und Jeder, wo mindestens eine Million Unterschriften über das Internet einsammelt und beim Bundeswahlleiter vorweist, kandidieren darf. Auf die Vorlage von Programmen wurde ausdrücklich verzichtet, um Papier zu sparen.

Das Volk hatte entschieden.

Hecht und Specht waren die einzigen, die die Nullkommafünfprozenthürde geschafft hatten. Wahlbeobachter waren sich weitgehend darin einig, woran es gelegen haben könnte: Beide waren mit absolut klare Botschaften in den Wahlkampf gestartet. Der eine geflogen, der andere geschwommen. Beim Specht lautete der Slogan: „Wohnungen für das Volk!“ Der Hecht verlangte „Wasser für das Volk!“. Die anderen Spitzenpopulisten verkündeten noch am Wahlabend, zukünftig auch etwas für das Volk zu fordern. Womit diese Nummer dann erledigt wäre.

Nachdem sich Hecht und Specht geeinigt hatten, dass das Volk achtzig Millionen groß ist und versprachen, als erstes eine Untersuchungskommission einzusetzen, die erkunden soll, wieso tausende Populisten jeweils mindestens eine Million Stimmen von Unterstützern vorlegen konnten, schlossen sie die Koalitionsverhandlungen ab, bildeten den Bundestag, verlegten ihn in die Volksschwimmhalle Berlin Friedrichshain (Dem Hecht war im Reichstag die Luft zu trocken und außerdem: Wozu sollte man für 2 Abgeordnete die ganzen Gebäude Heizen und Lüften?) und fingen an, zu regieren.

Hecht und Specht machten ihr erstes Gesetz, das Volksgesetz. Der Inhalt war einleuchtend: „Alle die im Volk sind, sind das Volk. Alle die nicht im Volk sind, bilden das Nichtvolk.“

Dann machten Hecht und Specht, die sich im Übrigen darauf geeinigt hatten, als Doppelspitze zu regieren und alle Ministerien und Staatssekretariate und sogar das Bundeskanzleramt abzuschaffen, ein zweites Gesetz. Dessen Wortlaut fasste die Programme von beiden quasi zusammen: „Wasser und Wohnungen für das Volk. Kein Wasser und keine Wohnungen für das Nichtvolk.“

Das fanden sie alles sehr anstrengend, bestellten sich ein üppiges Essen vom Lieferheld in die Bundesschwimmhalle Berlin Friedrichshain und machten Pause.

Bundespräsident Steinmeier unterschrieb die Gesetze, war sehr zufrieden mit dem Lauf der Dinge und flog nach Dubai.

Der Rest Europas zuckte mit den Schultern.

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