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Das Mädchen mit dem roten Schal

Es ist Herbst, ich sitze auf meinem Bett und wie immer ist mir kalt. Plötzlich klopft jemand an meine Tür und ohne lange zu warten kommt meine Mutter herein. Sie schaut mich an und sagt mir, dass ich meinem Opa einige Lebensmittel vorbeibringen soll. Nach seinem Autounfall benötigt er unsere Hilfe und über ein wenig Gesellschaft freut er sich sicherlich auch sehr. Meine Sendung hat gerade erst angefangen, doch meiner Mutter ist das egal, sie wedelte mit dem Zeigefinger herum und zieht das Kabel meines Fernsehers aus der Steckdose. Ich solle doch endlich mal mehr Zeit mit meinem Opa verbringen und endlich aufhören so eine schlechte Enkelin zu sein. Also gut! Ich stehe auf, ziehe mir meine schwarze Jacke an, wickle mir meinen roten Schal um den Hals und marschiere in Richtung Küche. Mutter hat schon alles in unseren großen Korb gepackt und drückt mir diesen in die Hand.

Nun stehe ich vor unserer Haustür, mit dem Korb in der Hand und beim Gedanken an die Kälte, fängt mein Körper an zu zittern. Ich drehe mich um und sehe meine Mutter, wie sie mit verschränkten Armen hinter mir steht und mich grimmig ansieht. Ich schaue geknickt, dreh mich wieder um, schüttle den Kopf und öffne die Tür. Ein kalter Windzug schlägt mir direkt ins Gesicht und zerzaust mein Haar. Jetzt ist meine Stimmung richtig im Keller. Hinter mir höre ich wie meine Mutter anfängt zu kichern. Ich sollte das einfach schnell hinter mich bringen und mich wieder unter meine Decke kuscheln. Also gehe ich aus der Haustür und hüpfe schnell in mein Auto. Hoffentlich springt es überhaupt an. Nach mehreren Versuchen gelingt es mir endlich und ich kann losfahren.

Die Fahrt dauert knapp eine Stunde. Ein Licht geht vor mir an, es ist kaum noch Benzin im Tank, also sollte lieber noch schnell tanken fahren. An der Tankstelle angekommen bemerke ich direkt einen Biker, er trägt nur schwarze Kleidung und einen abgedunkelten Helm. Leider kann ich sein Gesicht nicht erkennen kann, aber ich spüre, wie er mich durchgehend anschaut. Nachdem ich bezahlt habe und wieder zu meinem Auto gehe, sehe ich, dass der Biker nicht mehr da war. Der hat mir wirklich Angst gemacht, aber für den Notfall habe ich ja immer mein Pfefferspray dabei. Also wieder ab ins Auto und weiter geht´s, es war ja auch nicht mehr weit.

Ich mag es überhaupt nicht zu meinem Opa zu fahren, da er mitten im Wald wohnt und die Straße zu seinem Haus ist nicht befahrbar. Vom Parkplatz aus, braucht man noch 15 Minuten zu Fuß, bis man bei ihm ist.

Endlich beim Parkplatz angekommen, stelle ich mein Auto ab, greife mir den Korb und ziehe mir meinen schal bis unter die Nase hoch. Ich warte noch einen kurzen Moment im warmen, dann stelle ich den Motor ab und steige aus dem Auto. Ich hasse diese unebenen Waldwege! Der viele Matsch hält mich immer wieder auf und erst nach einer gefühlten Ewigkeit sehe ich das Haus meines Opas. Ich bemerke wie die Sonne langsam untergeht und es dunkler wird. Ich freue mich schon riesig auf den Heimweg, denke ich mir Sarkastisch. Ich bin nur noch wenige Meter von seiner Haustür entfernt, da bemerke ich, dass etwas nicht stimmt! Normalerweise schreit der Fernseher durch das ganze Haus, auch wenn er schläft.

Opa hört sehr schlecht, deshalb drücke ich mehrfach auf die Klingel. Als ich gerade anfangen wollte laut zu klopfen, höre ich wie Fußschritte schnell auf mich zukommen. Die Tür geht auf und mein Opa steht mit verbundenem Gesicht und einer sehr krummen Haltung vor mir. Ich frage ihn, ob es ihm gut ginge, er nickt nur und bittet mich herein. Etwas skeptisch betrete ich sein Haus. Ich fange an zu zittern, da es hier ungewöhnlich kalt ist. Ich stelle den Korb auf den Tisch und frage meinen Opa warum es hier so kalt sei, er zuckt nur mit den Schultern. Ich frage ihn als nächstes, warum er die ganzen Bandagen noch trägt und wieder zuckt er nur mit den Schulter. Dann dreht er sich um und geht ins Schlafzimmer. Langsam mache ich mir Sorgen! Liegt das an dem Unfall den er hatte oder stimmt mit ihm nicht? Ein lauter Knall kommt aus seinem Schlafzimmer. Ich erschrecke mich und stolpere dabei über einen großen runden Gegenstand. Ich lande auf meinem hintern, öffne meine Augen und sehe worüber ich gestolpert bin. Vor mir liegt ein schwarzer Motoradhelm auf dem Boden. Es war der Helm vom Biker, den ich an der Tankstelle gesehen hatte. Ein Schauer zieht durch meinen gesamten Körper. Ich muss raus hier und zwar schnell! Ich richte mich auf und suche in meinen Taschen nach dem Pfefferspray, kann dieses aber nicht finden.

Plötzlich höre ich, wie seine Schritte wieder auf mich zukommen. Ich drehe mich um und sehe das Pfefferspray neben dem Schrank liegen, es muss mir aus der Tasche gefallen sein. Ich bücke mich, greife nach dem Pfefferspray und bevor ich mich aufrichten kann bemerke ich, dass jemand hinter mir steht. Mein Blut gefriert.

"Mein Kind, du bist doch gerade erst gekommen, warum willst du denn schon gehen?"

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