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Der Terroranschlag

Der amerikanische Professor für Millitärgeschichte und Ex-CIA-Agent John Wayne hielt in einem der Hörsäle an der Technischen Universität Berlin einen Vortrag über die Entwicklung der alten Millitärflugzeuge in den 90er Jahren.

John hatte stundenlang auf harten Stühlen gesessen und wollte sich Bewegung verschaffen, um seine verkrampften Muskeln zu lockern.
Auf den Straßen herrschte wenig Verkehr und auch die Bürgersteige waren kaum belebt. Johns erster Eindruck von Berlin war, dass es eine gute Stadt zum Laufen sein würde und er ging schnellen Schrittes über den Gehweg, so wie er sich es während seines kurzen Gastspiels bei der Marineinfanterie angewöhnt hatte.

John war ein ausgezeichneter Beobachter. Er befand sich nun in einem Regierungsviertel. Die Menschen die an ihm vorbeigingen, waren eleganter gekleidet, als er es aus einem vergleichbaren Viertel aus Amerika kannte.

John sah auf die Uhr - eine Viertelstunde zu früh. Er befand sich hinter dem Bundestag. Wenn er hochblickte, konnte er die von der Sonne angestrahlte Glaskuppel aufblitzen sehen. Auch das berührte ihn hier sehr angenehm - die vielen Parks und Grünanlagen im Zentrum Berlins. Dieser Park wirkte recht groß und er konnte von seinem jetzigen Standpunkt sogar ein Teil der Siegessäule sehen, dessen Goldkörper herrlich anzusehen war. Aber er sah kaum Menschen. Na ja, dachte er achselzuckend, es ist Mittwoch, die Kinder sind in der Schule und es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Um so besser, denn er war absichtlich nach der Touristensaison aus Amerika eingeflogen. John mochte kein Gedränge.
''Papa!'' Er drehte sich um 90 Grad und konnte seine Tochter sehen, die voller Freude, ohne nach rechts und links zu gucken, über die Straße auf ihn zugerannt kam. Seine Frau konnte wie üblich nicht mit dem kleinen Wirbelwind Schritt halten und kam eine ganze Weile später erst bei ihnen an. ''Wie ist es dir ergangen, John?'' John küsste seine Frau Lynn. ''Sehr gut, Schatz. Sie haben mich so behandelt, als ob der Laden mir gehörte. Und du, hast du etwa nichts bekommen?'' Lynn lachte. Ihr Lachen sagte ihm, dass sie eine Menge Geld ausgegeben hatte. Die kleine Selena klammerte sich an sein Bein und zerrte leicht daran.
''Paps, da ist ein toller See mit Schwänen und Pekalinen!''
''Pelikanen'' verbesserte John.
Sie gingen langsam auf den See zu, Selena klammerte noch immer an sein Bein. Lynn hatte ihm erzählt das sie einen Tisch in einem tollen Vier-Sterne-Restaurant reserviert hatte. Er sah einen großen schwarzen BMW in Richtung Bundestag fahren. John freute sich auf das Restaurant, obgleich Selena ein gewisses Risiko sein würde. Vierjährige und Vier-Sterne-Restaurants passten nicht gut zusammen. Links von ihm kreischten und zischten Bremsen. Er fragte sich, ob das Hotel in dem sie waren, wohl einen Babysitter... WUMM!
John zuckte bei dem Krach einer keine dreißig Meter entfernten Detonation heftigst zusammen. Granate! - meldete sein Verstand. Er hörte einen Augenblick später das Knattern automatischer Waffen. John drehte sich um und sah den schwarzen BMW schräg auf der Straße liegen. Am vorderen rechten Kotflügel stand ein Mann, der mit einer AK-47 in die Windschutzscheibe schoß und ein anderer Mann rannte zum hinteren linken Ende des Wagens. ''Hinlegen!'' schrie John. Er nahm seine Tochter an den Schultern, drückte sie hinter einem Baum auf den Boden und schubste dann seine Frau unsanft neben sie.
Mehrere Wagen hielten hinter dem BMW und deckten John und seine Familie von der Schußlinie ab. Der Mann mit der Utzi durchlöcherte den BMW wie einen Schweizer Käse. ''Dieser Bastard!'' dachte sich John, der es kaum glaubte, was er da zu sehen bekam. Er schlich ein kleines Stück nach rechts. Von dort aus konnte er einige Passanten sehen, die mit ensetztem Antlitz alles beobachteten. John trat weiter nach links - geschützt von einem haltenden Auto. Vom Kotflügel des Wagens abgeschirmt, konnte er den Mann hinten links am BMW stehen sehen. Der stand einfach da und streckte die Hand mit der Pistole aus, als erwartete er, dass jeden Moment jemand die Türe öffnen und auf die Straße gehen würde. Das Auto schütze John von dem Mann mit der AK ab, der sich gerade bückte und an der Waffe rumspielte. Der nächstliegende Schütze drehte John den Rücken zu. Er war höchstens zwanzig Meter entfernt. Der Mann konzentrierte sich auf die hinterste Tür des Wagens. John rannte gebückt um das stehende Auto, den Blick fest aufs Ziel gerichtet - den Rücken des Mannes - so wie er es auf der Highschool beim Football gelernt hatte. John senkte die Schulter ab und der Angriff von hinten traf den Killer unvorbereitet. Sein Rücken bog sich und John hörte ein seltsames Knacken, als der Killer vorkippte und hinfiel. Johns mit Adrenalin durchströmter Körper richtete sich auf und sprang neben dem Liegenden. Die Waffe war ihm aus der Hand gefallen und lag nun auf der Straße. John nahm sie an sich - sie war schon entsichert. Er wog sie kurz in der rechten Hand - mit seiner linken schien irgendetwas nicht in Ordnung zu sein. Johns Blick fiel auf den Mann, den er zu Fall gebracht hatte. Er schoß ihm einmal in die Hüfte. John richtete die Pistole auf Augenhöhe und trat gebückt zur hinteren rechten Ecke des BMWs. In gebückter Haltung spähte John um die Karosserie. Die AK des anderen Killers lag auf dem Boden, während er mit einer Pistole in den Wagen feuerte. John holte tief Luft und trat, die Pistole auf die Brust des Mannes richtend, hinter dem BMW hervor. Der Mann wandte zuerst den Kopf und wirbelte dann mit seiner Waffe herum. Beide drückten im selben Moment ab. John fühlte einen harten Schlag in der rechten Schulter und sah, dass seine Kugel den Mann in die Brust getroffen hat. John fing den Rückstoß ab und feuerte erneut. Die zweite Kugel traf den Mann unter dem Kinn und trat in einer roten Wolke aus seinem Hinterkopf aus. Der Mann fiel ohne zu zucken auf den Boden nieder.
''Oh Gott!'' sagte John. Der Adrenalinschub legte sich so schnell wieder, wie er gekommen war. Seine Kräfte schienen auf einmal zu verschwinden und er fühlte sich einer Ohnmacht nahe.
John beobachtete den BMW. Der Fahrer war tot. Die dicke Windschutzscheibe schien fast komplett weggeschossen zu sein. John ging um den Wagen herum und blickte in den Fond. Er sah einen Mann mit dem Gesicht nach unten liegen und unter ihm den Zipfel einer Frauenjacke. Er klopfte mit dem Pistolenkolben an das Glas. Der Mann bewegte sich, lag dann wieder still da. Wenigstens lebte er. Johns Beine drohten unter ihm nachzugeben. Er blickte um sich und sah etwas, das ihn all das vergessen ließ.
Ein Polizist kam auf ihn zugelaufen. Der Polizeibeamte hielt ein automatisches Gewehr in der Hand, das mit dem Lauf auf John gerichtet war. Langsam streckte John die Pistole auf Armeslänge von sich. Er drückte auf den Knopf, der den Schieber ausrasten ließ und das Magazin fiel hinaus. Er drehte nun langsam die Waffe, damit der Polizist sehen konnte, dass die Pistole nicht geladen war. Als nächstes legte John sie vorsichtig auf den Boden und trat sie dann mit dem Bein in Richtung Polizeibeamten. John versuchte, die Hände zu heben, aber die linke wollte nicht gehorchen. Der Polizist - sein Gesicht war rot angelaufen - sprach etwas in ein kleines Funkgerät und trat langsam zu John, die Pistole immer noch auf ihn gerichtet.
''Immer langsam, Kamerad. Da liegen zwei von den Killern. Ich gehöre nicht zu ihnen.'' sprach John, so fest er konnte. Der Polizist verzog keine Miene.
''PAPA, PAPA, PAPA!!'' John drehte den Kopf und sah seine Tochter an den stehenden Autos vorbei in seine Richtung laufen.
Sie schlang sich um seinen Bauch und brüllte den Polizisten an ''Du darfst meinem Papa nichts tun!'' Der Polizist schaute verblüfft von Vater zu Tochter, als sich auch Lynn mit hocherhobenen Händen näherte.
Lynn sagte mit beherrschter Stimme zu dem Polizeibeamten ''Ich bin Ärztin und werde jetzt diese Wunde versorgen. Sie können also das Gewehr sinken lassen, aber bitte sofort!''
Der Polizist ließ das Gewehr wenige Grad sinken.
John sah weitere Polizisten auf den Schauplatz rennen.
Lynn befahl ihrem Mann, sich auf die Straße zu setzen, damit sie ihn behandeln konnte. Sie streifte seine Jacke von der Wunde und drückte zart seine Schulter. Seine Frau suchte in ihrer Hosentasche und holte ein Stofftuch heraus, was sie langsam gegen die Wunde drückte.
''Daddy! Du bist überall voll mit Blut!'' sagte die kleine Selena, die daraufhin anfing, am ganzen Körper zu zittern.
Jetzt standen vielleicht zehn Polizeibeamte, die meisten unter ihnen außer Atem, um den Wagen herum.
Einer der Polizisten kam auf John und seine Familie zu, doch ehe er etwas sagen konnte, rief Lynn auch schon im Befehlston ''Rufen sie sofort einen Krankenwagen!''
''Schon unterwegs'' antwortete der Polizist überraschend höflich. ''Warum überlassen sie das nicht uns?''
''Ich bin Ärztin'' sagte Lynn kurz, ''Haben sie ein Messer?''
Der Polizeibeamte ging kurz zu einem der Beamten, die das Auto unter die Lupe nahmen. Er kam kurze Zeit später mit einem Messer wieder und reichte es der Ärztin.
''Halt den Mund!'' sagte Lynn zu ihrem Mann, als er anfing zu protestieren. Sie blickte auf Selena und sagte dann zu einem der Beamten, dass er sie von hier fort bringen sollte. Der Beamte nahm Selena sanft auf den Arm und brachte sie ein paar Meter weiter.
John fühlte, wie seine Haut kalt und feucht wurde - Schock ?
Lynn legte John einen dicken Verband an, der sich direkt rot verfärbte.
''Was zum Teufel hast du vorgehabt?'' schnauzte Lynn ihn an.
Sein plötzlicher Zorn trug dazu bei, den Schmerz zu dämpfen und er knurrte zurück ''Ich habe nichts vorgehabt - ich habe es geschafft!''
''Auf jeden Fall blutest du wie ein Schwein, mein Bester!'' grunzte Lynn.
Der Polizeibeamte, der offenbar die Führung übernommen hatte, kam zu ihnen, nachdem er kurz den Tatort besichtigt hatte. ''Schieben sie Ihn beiseite'' Lynn sah auf und zischte wütend: ''Machen sie die andere Tür auf, verdammt. Ich habe hier jemanden, der fast verblutet!''
''Die andere Türe ist blockiert. Lassen sie mich mit anfassen.''
Die drei hoben ihn einen halben Meter zur Seite und der ranghöhere Beamte versuchte die Wagentür zu öffnen. Sie hatten ihn nicht weit genug  weggetragen. Als die Tür endlich aufging, erwischte ihn die Kante an der Schulter. Das letze, was er hörte, ehe er das Bewußtsein verlor, war sein Schrei.

Johns Augen gewöhten sich langsam an das Licht, doch sein Verstand war ein verschwommenes Ding, das Sachen meldete, die zeitlich und ortlich nicht zueinander passten. Ihm fiel es schwer, die Augen offen zu halten, es überkam ihn ein erneuter Schwächeanfall - es wurde ihm schwarz vor Augen.

John nahm leises Gemurmel wahr, worauf er schwerfällig versuchte, die Augen zu öffnen. Er nahm Schattierungen zweier Gestalten wahr, die sich langsam näherten- die Stimmen wurden deutlicher. Er erkannte nun einen Mann in einem weißen Kittel, der ein Krankenblatt in der rechten Hand hielt. Neben ihm stand eine jüngere Frau, sie hatte hochgestecktes braunes Haar und trug ebenfalls einen weißen Kittel.
''John? Wie geht es ihnen? Haben sie sich etwas erholt?'' fragte der Arzt mit freundlicher Stimme. John brachte ein gequältes Krächzen heraus, sein Hals fühlte sich so trocken an, als hätte er tagelang  ohne etwas zu trinken in der Wüste verbracht. Zum Glück reichte ihm die Krankenschwester ein Glas Wasser, das innerhalb weniger Sekunden leer getrunken war. John hustete und antwortete dann aber: ''Mir ging es nie besser, Doc!''
Der Arzt fing an zu lachen und sagte darauf: ''Gut das sie Ihren Humor trotz allem beibehalten, Herr Wayne. Nun zu Ihrer Verletzung, wir nehmen an, dass Ihr Schlüsselbein gebrochen war, ehe sie angeschossen wurden. Eine Neun-Millimeter-Kugel ist kein Pappenstiel. Wir hatten große Mühe, all die Knochensplitter zu finden und wieder einzupassen..''
John versuchte sich gerade aufzusetzen, aber er fiel nach kurzer Zeit wieder in seine alte Position zurück.
''..sie haben einen Gips bekommen, den müssen sie einen Monat tragen'' sein Tonfall war entschuldigend. ''Ich weiß, es ist schrecklich hinderlich, aber wir müssen die Schulter mindestens so lange vollkommen ruhig stellen. Danach werden wir uns den Heilungsprozeß ansehen und wahrscheinlich einen normalen Gipsverband anlegen, der etwa.. noch einen Monat oder ein wenig länger draufbleiben sollte.''
''Das ist ja mal eine gute Neuigkeit..'' sagte John ironisch.
Der Arzt fing erneut an zu lachen: ''Na wenigstens sehen sie es positiv. Ich will sie nicht weiter stören, Herr Wayne. Ihre Familie wartet bereits vor der Tür. Wir werden uns noch sehen, Guten Tag'' Der Arzt und die Krankenschwester verließen den Raum. Seine Familie trat herein und Selena sprang direkt auf das Bett des Vaters und umarmte ihn, dabei stieß sie kurz gegen Johns Schulter. Lynn musste grinsen als sie Johns schmerzerfülltes Gesicht sah. ''Schatz, du hättest besser aufpassen sollen, dann müsstest du das jetzt nicht über dich ergehen lassen.'' Sie ging zu ihm ans Bett und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

Drei Tage später bekam John Wayne unerwarteten Besuch. Zwei Security-Männer betraten das Krankenzimmer, gefolgt von der Bundeskanzlerin und einem Abgeordneten. Diese wurden von zwei weiteren Security-Männern begleitet. John glaubte, seinen Augen nicht zu trauen und zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Die Kanzlerin lächelte gerührt: ''Lieber Herr Wayne, erst einmal möchte ich mich herzlichst bei Ihnen für meine Rettung bedanken.'' Nun traute John auch seinen Ohren nicht mehr und sein Gesichtsausdruck wurde noch verwirrter. Hatte man ihm etwa zu viel Medikamente verabreicht???
Im Laufe des weiteren Gespräches wurde John von dem Abgeordneten über den kompletten Verlauf des Tathergangs mit allen Details aufgeklärt. Nachdem er nun wusste, dass ein Attentat auf die Bundeskanzlerin verübt werden sollte und er dieses schlimme Vorhaben vereitelt hatte, wurde ihm die gesamte Bandbreite des Geschehens bewusst und ihm wurde wieder schwindelig. Nach dieser schrecklichen Erkentniss und dem anfänglichen Schock wurde das Gespräch aber lockerer und auch persönlicher und man verabredete ein Treffen zu einer kleinen Feierlichkeit nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus.

Nach drei Wochen konnte John endlich wieder zu seiner Familie und genoss erst einmal ein paar ruhige Tage. Am fünften Tag im Hotel klingelte das Telefon, einer der Abgeordneten lud John und seine Familie im Auftrage der Bundeskanzlerin zu einem Treffen in den Reichstag ein. Ein großes Festessen in einem kleineren Kreise wurde veranstaltet, bei dem sich die Bundeskanzlerin noch einmal ganz öffentlich für ihre Rettung bedankte. Im Anschluß daran wurde John Wayne zu seiner vollkommenen Überraschung der Bundesverdienstorden verliehen.

Nach weiteren zwei Monaten kehrten John und seine Familie mit vielen negativen als auch positiven Erfahrungen in ihr Heimatland Amerika zurück.
 
 

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