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Buddy Smart und "Das Schweigen der Mümmelmänner" Teil 1

Der schaurige Ruf des Kauzes hallte grausig durch die Nacht. Die silberige Scheibe des Mondes stach fahl wie ein leuchtender Drops vom dunstigen Himmel. Die Dunkelheit hüllte alles in eine Decke ein, als der zarte Glanz des uralten Himmelskörpers hinter einer dunklen Wolke verschwand. Nun konnte die düstere Gestalt diese Finsternis für seine Zwecke missbrauchen.Vorsichtig huschte sie durch die Nacht, verschmolz mit der schützenden Dunkelheit. Das gefährliche Glitzern in den Augen dieses Schemens hätte einen jeden sofort zur Vorsicht gemahnt. Dieser gefühllose, eiskalte Stahl im Hintergrund der Iris, diese schräg gestellten, tückischen Augen, die empfindungslos und unbewegt die Gegend fixierten. Die Gestalt tat vorsichtig einen weiteren kleinen Schritt zum Gebäude hinüber. Bald würde es so weit sein, dann hatte er genug von ihnen. Es war nur noch ein kleiner Weg, dann konnte er sein Werk vollbringen. Diese eine Tat musste er noch begehen. Tollkühn und verwegen geplant, auf die Sekunde genau war er hier. So leicht würde es ihm niemand nachmachen. Ich bin zu schlau, dachte sich dieser, von dunklen Gedanken bewegte Galgenvogel. Vorsichtig legte er die Hand auf die Klinke. Leicht schwang die Tür ihm entgegen. Hektisches und unruhiges Getöse entstand im Raum, Stroh raschelte unter zarten Pfötchen. Langsam zog der Mond seinen Kreis am unendlichen Himmelsrand um sein weiches Licht über eine vermeintlich schöne Welt auszubreiten. Mondlicht spiegelte sich nun, in diesen sonst so sanften und jetzt vor Furcht weit aufgerissenen Augen, als die Tür sich knarrend öffnete. Wie gebannt starrten sie auf diese unheimliche Gestalt, die sich nun kaltblütig, ohne Gnade auf die süßen und possierlichen Mümmelmänner stürzte. Ohne jegliches Mitgefühl griff er sie hinter den Ohren im Nacken, nachdem er geräuschlos die verschlossenen Käfigtüren aufgebrochen hatte. Voller Entsetzen versuchten die Tierchen sich diesem eisenharten Griff zu entwinden. Ängstlich und voller Verzweiflung strampelten sie mit den Beinen. Aber der Schemen war gnadenlos, ohne mit der Wimper zu zucken verstaute er diese sanftmütigen Tiere in einen großen dunklen Sack, den er für diese schauerliche Aktion mitgenommen hatte. Es waren die letzten sechs Tiere hier in Wiesbaden, alle anderen hatte er bereits in seiner Gewalt. Nun hatte er alle Häschen und würde endlich seinen Plan vollenden können. Ein gemeines, hinterhältiges Grinsen entstellte das Gesicht dieses Unholds, der ohne zu zögern jedem, der sich ihm in den Weg stellen würde, den Garaus machte. Nicht ein Laut, kein Geräusch verursachte diese Bestie in der Dunkelheit. Nur der traurige Ruf des Kauzes war das einzige, was noch immer zu hören war, nachdem die finstere Gestalt sich mit der Dunkelheit verbündete und wie ein Schemen verschwand. Der duftige Wind, der nun aus der Ferne die Gerüche der Natur und des Lebens herübertrieb, bewegte leicht die offen stehende Tür des Stalles und vermengte sich mit dem Hauch des Todes, der sich dort nur langsam verflüchtigte. Im Raum hing noch das klagende Wispern der leeren Käfige, es erzählte die Geschichte von den ehemaligen possierlichen Bewohnern, bis auch diese verstummten. Eine unnatürliche, eiskalte Ruhe breitete sich aus und wurde nur gemächlich durch das warme Licht der Sonne erwärmt, die rosarot am Horizont emporstieg und den stetigen Kampf der Gewalten kämpfte. Keine Wolke stand am Himmel und der alte Himmelskörper zog weiterhin seinen immerwährenden Kreislauf. Axel Lechtenbörger

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