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Teil 1: Das erste Aufeinandertreffen

Dass ich dich traf war Schicksal.

Niemals hätte ich gedacht, dass eine Wiesn-Bekanntschaft mein Leben so verändern könnte.

Ich war nur dieses Partygirl, das betrunken schon mit viel zu vielen Typen sinnlos rumgemacht hatte. Frei, emanzipiert und teilweise gefühlskalt. 

Zu viele Menschen hatten mich schon verletzt, verlassen und mein Vertrauen missbraucht. Ich hatte das Gefühl, dass ich das Aufregendste schon erlebt hatte. Auf meiner Weltreise hatte ich so viel gelernt und viele unvergessliche Momente gehabt. Niemals hätte ich gedacht, dass dieser, schon zur Tradition gewordene Wiesn-Besuch mein Leben so beeinflussen würde.

Da kam ich also, völlig betrunken, gerade von irgendeinem anderen Tisch zu diesem Tisch. Zuerst freute ich mich nur endlich meine Freundin Marie wieder gefunden zu haben, doch dann schweifte mein Blick zu den anderen an dem Tisch. Ich sah, dass sie den wahrscheinlich einzigen Tisch mit heißen Typen in ganzen Zelt gefunden hatte, denn an diesem Tag waren mir bisher ungewöhnlich wenige Typen aufgefallen.

 

Also beschloss ich an diesem Tisch zu bleiben und fing sofort eine Unterhaltung an. Ich verstand mich mit ihm, Jan, wirklich auf Anhieb gut und die Anziehung war deutlich fühlbar. Eigentlich war er vom Äußeren eher nicht mein Typ. Ich wusste auch nicht genau warum dieser schmächtige, große und blasse Typ es mir antat, aber er hatte irgendetwas besonderes, was ich zuvor noch nie gesehen hatte. Ich hing förmlich an seinen Lippen.  

Was seine genauen Worte waren, konnte mein betrunkenes Ich allerdings nicht so direkt behalten, jedoch muss es so überzeugend gewesen sein, dass ich Marie einige Male an dem Abend erzählte, wie gut er mir gefällt. Er sei so mein Typ. Diese Worte sind schon öfters aus meinem Mund gekommen. Wie oft dachte ich in der Vergangenheit schon, den "Richtigen" getroffen zu haben. Doch das hier war anders.

 

Schließlich zog er mich zu einem Tisch an der Seite, wo wir uns hinsetzten und eine Weile einfach nur redeten. Er legte seinen Arm um mich und sah mir tief in die Augen. Das verwirrte mich. Ich kann nicht gut mit Blickkontakt umgehen, vorallem nicht, wenn ich so eine starke Anziehung verspüre. Endlich kam er mir immer näher und wir küssten uns.

Wahrscheinlich hat das Alles gar nicht so lange gebraucht und wir waren einfach nur so ein peinliches "Wiesn Päärchen", aber für diesen Moment war es einfach nur perfekt.

Zwischen den Küssen packte ich meine übliche Leier aus, dass ich nicht so eine wäre, die man für eine Nacht haben kann. Mir ist es immer wichtig, das klar zu stellen, damit die Typen die nur auf Sex aus sind, vielleicht wenigstens ein bisschen dadurch abgeschreckt werden.

 

Ich weiß nicht, wie lange wir da saßen, aber das Nächste an das ich mich erinnere, ist das wir wieder auf der Bank bei den anderen standen.

Da er mit der Uni da war, hatten wir wohl vereinbart, dass wir vor den anderen bisschen langsamer machen. Als unsere Augen aber nicht voneinander lassen konnten, zog er mich widerwillig mit den Worten "Du machst es mir so schwer...Ach scheiß drauf!" her und küsste mich leidenschaftlich vor den Anderen. Ich schwebte vor Glück oder vielleicht auch zum Teil von der ganzen Weinschorle, die ich getrunken hatte.

Zum Glück hatte Marie auch ihren Spaß mit einem aus der Runde, also waren wir nicht die Einzigen, die sich vielleicht etwas peinlich verhielten.

Der größte Zufall überhaupt war wohl, dass wir rausfanden, dass wir alle in der selben Stadt studieren. Also war ein Wiedersehen gar nicht mal so abwegig.

Leider verging der Abend natürlich viel zu schnell und kurz darauf standen wir vor dem Zelt und es wurde Zeit sich zu verabschieden. Durch die eisige Kälte die uns außerhalb des Festzelts entgegen kam, nüchterten wir schlagartig ein bisschen aus. Im ersten Moment standen wir etwas peinlich berührt da, als Marie und ihr Typ rumknutschten und wir uns "benehmen" wollten, jedoch lagen wir uns im nächsten Moment auch schon wieder in den Armen. Ich versuchte diesen Moment so gut es ging zu genießen aber kurz darauf war er dann schon weg, weil er in die andere Richtung fahren musste.

 

Als ich am nächsten Morgen komplett verkatert bei einer anderen Freundin aufwachte, die auch dabei war, wir aber den ganzen Abend verloren hatten, sah ich eine Sprachnotiz von ihm auf meinem Display. Aufgeregt spielte ich sie ab. Er hatte sie auf dem Weg nach Hause aufgenommen und meinte wie sehr es ihn gefreut hätte, mich kennengelernt zu haben und dass er sich noch mehr freuen würde, mich wieder zu sehen.

Das war der erste Moment, wo ich in meinem Herzen, ganz ganz tief drin, wusste, dass ich diese zufällige, geläufige Bekanntschaft nicht so schnell abservieren würde, wie all die anderen Typen davor.......

 

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