„Summ, summ, summ…die Luzie fliegt herum…!“ Mit diesem Liedchen auf den Lippen, flog die kleine, freche Biene durch ihr Blütenland. Es war ein ruhigerSonntag und der frische Tau
auf den Blättern funkelte in der Sonne wie ein Perlenmeer. Luzie liebte es, so früh am Morgen, wenn die anderen noch schliefen, in ihrer Blumenwiese herumzufliegen. Ab und zu naschte sie am leckeren Nektar der Blüten. „Hmmm, köstlich und sooooo süß!“
Doch dieser Morgen sollte das Leben der kleinen Biene gehörig auf den Kopf stellen. Noch ahnte sie nicht, dass gleich nichts mehr so sein würde, wie es einmal war.
Luzie hatte sich gerade auf ihrer Lieblingsblume niedergelassen, als sie plötzlich ein leises Wimmern vernahm. Nanu? Luzie rutschte vorsichtig zum Blütenrand und wagte einen kurzen Blick in die Richtung, aus der das Geräusch zu hören war.
„Hm, was ist denn das da unten? Ein großer, schwarzer Fleck, der auch noch zappeln tut?“
So richtig konnte Luzie nicht erkennen, was sich unterhalb ihrer Blüte bewegte. Ohne ihre Brille war sie blind wie ein Maulwurf. Doch für den allmorgendlichen Rundflug war das Nasengestell einfach nur lästig. „Irgendwie muss ich da näher ran“ dachte Luzie und so flog sie zu dem großen, schwarzen, zappelnden Fleck! Je näher sie dem Objekt kam, umso klarer wurde auch ihr Bild. Luzie beschloss erst einmal über dem Ding zu kreisen. „Wer weiß, vielleicht ist es ja gefährlich und am Ende schnappt es noch nach mir!“ Als Luzie dann etwas genauer hin sah, konnte sie erkennen, dass sich da jemand selbst in eine missliche Lage gebracht hat. Eine dicke Hummel steckte kopfüber in einer Blüte fest. Unmöglich, sich aus dieser Situation selbst zu befreien. Luzie fing laut an zu lachen und fand den Anblick äußerst komisch. Ihr tat schon der kleine, gestreifte Bauch weh, ehe sie begriff, dass sie helfen musste. „Keine Sorge“ rief Luzie „ich hol Dich da raus!“ Aber wie? Die kleine Biene flog aufgeregt hin und her! „Noch einen kleinen Augenblick, gleich bist Du frei“ rief sie erneut.
Luzie musste irgendetwas tun. Also flog sie zu der Hummel, packte diese etwas unsanft am Po und zog und zog. Doch die Hummel bewegte sich keinen Zentimeter. „Man, Du bist aber auch ein kleiner Fettklopps“ flüsterte Luzie vor sich hin. Auch die Hummel wollte der kleinen Biene ständig etwas mitteilen. Doch dies blieb leider ohne Erfolg. Luzie musste die Hummel befreien, aber wie? Muss sie doch Hilfe holen oder schafft sie es doch allein?
Plötzlich kam ihr eine Idee. Sie flog hinauf in den wolkenlosen Sommerhimmel. Immer höher und höher. Dann eine neunzig Grad Wendung…zack…und mit dem Kopf vorn über sauste Luzie hinab zur Hummel. Der Stachel war gespitzt und ein praller Hintern ragte ihr entgegen.
Drei, zwei, eins…kawumm…der Stachel war versenkt. Mit einem lauten Schrei schnipste die Hummel aus der Blüte und plumpste etwas unsanft zu Boden. „Aua“ schluchzte die Hummel und dicke Krokodilstränen liefen über ihr Gesicht. Luzie hingegen stieß einen Jubelschrei aus. Sie hatte es geschafft die Hummel zu befreien.
Voller Freude über die geglückte Rettung flog Luzie zu der Hummel, um sich davon zu überzeugen, dass wirklich alles in Ordnung war. Die Hummel saß ganz benommen im Gras und schleckte sich den Nektar vom Gesicht. „Hallo“ sagte Luzie „alles in Ordnung?“ „ich bin Luzie und ich habe Dich gerettet“ fügte sie hinzu! Doch die Hummel schien keine Notiz von der kleinen Biene zu nehmen. Sie war immer noch damit beschäftigt, sich vom klebrigen Blütennektar zu befreien. Luzie wurde wütend und trat der Hummel energisch gegen das Schienbein. „Eh Du Streifenheini, ich fragte, ob mit Dir alles in Ordnung ist?“ Die Hummel schaute sich nach der kleinen Biene um, hob den Kopf und antwortete: „Klar, mir geht es gut, nur mein Kopf und mein Hinterteil tun mir weh!“ „Was ist denn eigentlich passiert und wo bin ich hier überhaupt und wer bist Du?“
„Ich heiße Luzie und Du bist hier in Blütenhausen!“ „Du stecktest eben noch in einer Blüte fest und ich habe Dich befreit!“ „Aha“, sagte die Hummel. „Ich bin der Luie und ich bin auf der Suche nach meinem Onkel. Ich soll bei ihm meine Ferien verbringen. Doch irgendwie habe ich die Orientierung verloren und nun weiß ich nicht mehr weiter!“ Ein lautes Schluchzen folgte dieser Aussage und wieder begann die Hummel zu weinen. Luzie betrachtete die Hummel skeptisch. So eine Heulsuse dachte Luzie aber irgendwie tat ihr Luie auch leid. Die kleine Biene tätschelte kurz Luies Kopf und fragte: „Wer ist Dein Onkel?“ Luie murmelte einen Namen, den Luzie jedoch vor lauter Schluchzen nicht verstand. Sie zückte kurzerhand ein Taschentuch hervor und schob es Luie unter die Nase. „Hier, schneutz mal und dann erzählst Du mir genau was passiert ist!“ Die Hummel schaute die kleine Biene mit großen Augen an, riss ihr das Taschentuch abrupt aus der Hand und prustete los. Die Gräser bogen sich und selbst Luzie hatte Schwierigkeiten sich auf ihren Beinen zu halten. Als Luie Minuten später seine Nase von den lästigen Innereien befreit hatte, rappelte er sich auf, stemmte die Hände in die Seite und betrachtete Luzie skeptisch. Auch Luzie stand auf und stellte sich mutig der Hummel gegenüber. Ups…Luie war ja ein ganzes Stück größer und kräftiger als sie. Der kleinen Biene begannen bei diesem Anblick die Knie zu schlottern. Selbst ihre Flügel zitterten. Das Unbehagen, welches langsam in ihr hoch kroch wollte sie keineswegs preisgeben. Also stemmte sie ebenfalls ihre Hände in die Seite und fragte mit einem leichtem Beben in der Stimme: „Freunde?“
Luie begann von einem Ohr bis zum Anderen an zu grinsen. Mit einem Ruck zog er die kleine Biene an sich und umarmte sie so fest, dass sie beinahe daran erstickte. „Ja, Freunde!“ rief die Hummel überglücklich und drückte Luzie erneut an sich.
Von diesem Tag an, waren die beiden unzertrennlich. Wer weiß, wenn Ihr genau hinschaut, dann fliegen Luzie und Luie vielleicht auch über Eure Blumenwiese.

