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18. Die Baumklauer sind da

Die Fußballwiese lag mitten in einem Mischwald. Die Tierkinder hatten sich hier mal wieder getroffen um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Das war natürlich, ein schönes Fußballspiel.

Henry war wieder in seiner Funktion als Schiedsrichter im Einsatz. Er beobachtete gerade einen Zweikampf zwischen Ferdinand dem Kater und Carlos dem Hund, als ihm noch etwas auffiel. Er unterbrach sofort das Spiel.

„ Was soll denn das,“ fragte Carlos wütend. „ Ich war gerade im Vorteil.“

„ Was ich hier sehe ist viel wichtiger,“ rief Henry hysterisch. „Guckt doch mal zum Waldrand. Die Baumklauer waren da.! Brauniiiiii. Die Baumklauer waren da.“

„ Was sind denn Baumklauer“? wollte Manolo wissen.

„ Tatsächlich,“ sagte Brauni. „ Die haben uns einen Baum geklaut.“

Sie liefen alle zum Spielrand und betrachteten die kahle Stelle. Hier stand gestern noch eine schöne Birke.

„ Nun sagt schon?“ fragte Manolo ungeduldig. „ Was ist ein Baumklauer?“

Immer noch sehr aufgeregt, schrie Henry: „ hast du denn keine Augen im Kopf. Guck doch mal! Da fehlt ein ganzer Baum. Der ist einfach weg und gestern war er noch da. Man hat ihn uns geklaut!“

„ Aber das geht doch gar nicht. So ein Baum ist doch viel zu schwer. Den kann doch keiner wegtragen,“ sagte Manolo.

„ Man Dachs, wo kommst du eigentlich her, das du keine Ahnung von solchen Dingen hast.“ Henry war außer sich. Lebte dieser Dachs denn hinter dem Mond?

An der Holzspäne erkannten die Freunde, das man den Baum in kleine Stücke gesägt hatte. Es lagen alle Äste vom Baum noch da aber der Stamm war weg.

„ Das waren eindeutig die Baumklauer,“ stellte nun auch Brauni fest.

„ Wie sieht ein Baumklauer denn aus,“ wollte Manolo dann wissen.

„ Na du Blödmann, das sind die Menschen. Die Männermenschen,“ schrie Henry ihn an.

„ Was kann ich denn dafür, das die Männermenschen hier waren. Darum musst du mich doch nicht so anschreien.“ sagte Manolo weinerlich.

„Außerdem finde ich es gar nicht so schlecht,“ meinte Manolo.

„ Spinnst du jetzt komplett? Was soll denn gut daran sein. Die können uns doch nicht einfach die Bäume hier wegklauen.“ meinte Carlos mit sehr tiefer Stimme.

„ Trotzdem ist das gut für mich und meine Familie. Auch wenn ihr euch alle aufregt. Wir können frische Blätter gebrauchen damit wir unsere Betten mal neu auslegen können.“

„ Die drei Blätter für eure blöden Betten findet man auch so, da muss man nicht einen ganzen Baum für umhacken. Außerdem seit ihr nur drei Leute und keine tausend Dachse die so viele Blätter brauchen wie da liegen.“

Jetzt reichte es Manolo. Alle hackten auf ihm rum. Mit hängenden Kopf stand er jetzt da und keiner tröstete ihn.

„ Nun hört auf zu streiten,“ schrie jetzt auch Brauni dazwischen. Und wenn Brauni schrie dann hörte es der ganze Wald.

Alle guckten Brauni erschrocken an. Henry hielt sich die Ohren zu und meinte: „ man, ist ja schon gut. Nun musst du doch nicht auch noch brüllen.“

„ Ist doch war. Der Baum ist nun mal weg und wir können auch nichts dagegen tun.“

„ Die kommen bestimmt wieder,“ meinte Henry zu wissen.

„ Das glaube ich nicht,“ war Brauni anderer Meinung. „ Die haben doch jetzt ihren Baum. Warum sollten sie noch einen holen.“

Am Abend konnte Henry nicht einschlafen. Die Geschichte mit dem geklauten Baum, ging ihm nicht aus dem Kopf. Die kommen wieder. Die kommen bestimmt wieder, sagte seine innerer Stimme. Ich muss dahin. Ich muss dahin fliegen und gucken ob die wieder da sind. Aber ich habe auch Angst, dachte er. Quatsch Henry, sagte er sich. Du kannst hoch fliegen und die Baumklauer nicht. Und wenn ich beweisen kann das sie wieder kommen hatte ich Recht und Brauni nicht.

Er flog zur Fußballwiese und setzte sich auf die Lauer.

Es war Vollmond. Die Wiese und der Mischwald waren hell erleuchtet von seinem Licht. Es war gar nicht dunkel und das gefiel Henry natürlich. So konnte er alles gut überblicken.

Dann schlief er ein. Nach einer Stunde wurde er von einem merkwürdigen Geräusch geweckt. Die Baumklauer sind wieder da, stellte Henry fest.

Er flog dort hin, von wo das Geräusch her kam.

Er erkannte einen Mann der an einem Baum stand und eine Säge in der Hand hatte. Eilig überlegte Henry jetzt, was er tun könnte. Umhauen, kann ich ihn nicht, dafür bin ich zu klein. Dann kam es wie selbstverständlich aus seinem Schnabel: „ huuuuu, huuuu, ich bin das Nachtgespenst.“

Der Mann erschrak und schaute sich um. Er konnte aber niemanden entdecken. Dann setzte er wieder seine Säge an und wollte weiter machen.

„ huuuuuuu, huuuuuuuuu, ich bin das Nachtgespenst.“ sagte Henry erneut und dieses mal ein bisschen lauter.

„ Wer ist denn da,“ wollte der Mann wissen.

„Hier ist das Nachtgespenst und ich passe auf, das hier keiner was klaut.“

Henry war stolz auf sich denn seine Stimme klang richtig unheimlich.

„ Liebes Gespenst,“ sagte der Mann. „ ich hole mir nur etwas Holz für meinen Ofen.“

„ Aber dann musst du doch nicht einen ganzen Baum nehmen. Und dir dann noch einen holen,“ sagte Henry.

„ Aber Gespenst, der Winter ist lang und da brauche ich viel Holz“

entschuldigte sich der Dieb.

„ Dann sammle das viele Holz, was auf dem Waldboden liegt.“ sagte Henry.

„ Stämme sind aber viel besser. Sie brennen länger.“

„ Das ist mir egal. Wenn du dir noch einen Baum holst, passiert was schlimmes,“ ermahnte ihn Henry.

„ Ha,“ sagte der Mann. „ du legst mich rein. Es gibt ja gar keine Gespenster.“

„ Du wirst schon sehen.“ Henry nahm einen kleinen Zweig in den Schnabel und flatterte mit wilden Flügelschlägen über den Dieb hinweg. Im Flug ließ er den Zweig auf den Kopf des Mannes fallen.

Dieser erschrak so sehr, das ihm seine Säge aus der Hand fiel.

„ Na, siehst du. Bin ich nun ein Nachgespenst oder nicht.“

„ Ja, ja,“ winselte der Dieb ängstlich. „ Ich glaube dir ja. Bitte tue mir nichts. Ich klaue auch nie wieder einen Baum.“

„ Dann verschwinde hier und lass dich nie wieder blicken. Das nächste Mal bekommst du es mit meiner ganzen Gespensterfamilie zu tun und dann kommst du nicht so heil davon.“

„ Ist ja schon gut,“ sagte der Dieb ängstlich. So schnell er konnte rannte er davon. Henry hörte ihn noch rufen: „bitte, bitte tut mir nichts, ihr lieben Gespenster.“

Man dachte Henry, der hatte die Hosen voll. Der hatte ja richtig Angst vor mir. Na ja. Nicht vor mir sondern vor dem Gespenst, was es gar nicht gibt.

Zufrieden flog Henry wieder zu Braunis Baumhaus. Dort schlief er wenn die Nächte sehr kalt waren.

Er konnte aber gar nicht mehr einschlafen. Viel zu aufgeregt war er noch. Er konnte es gar nicht erwarten, seinen Freunden davon zu erzählen.

Am Morgen trafen sich alle bei Brauni um gemeinsam in die Schule zu gehen.

Henry erzählte ihnen die Geschichte die nachts passiert war.

„ Du und einen Menschen vergraulen? Wer soll dir das denn glauben?“ fragte Ferdinand.

„ Na ihr gefälligst. Ich sage die Wahrheit. Ich war sehr mutig heute Nacht als ihr geschlafen habt. Kommt doch mit, ich zeige es euch.“

„ Na gut,“ sagte Brauni. „Aber danach müssen wir schnell in die Schule gehen.“

Alle Freunde liefen zu der Stelle, wo der Mann nachts den Baum fällen wollte. Der Baum war ein wenig angesägt und das zeigte Henry seinen Freunden als Beweis.

„ Die kleine Ritzerei kannst du auch selber gemacht haben, um dich mal wieder aufzuspielen.“ sagte Carlos.

Das kränkte Henry sehr. Er gab ja zu, das es nicht immer einfach mit ihm war. Er war ja nun mal der Klügste und Schönste aber da konnte er ja nun mal nichts dafür. Nicht jeder konnte so gut sein wie er.

Dann fiel Henry die Säge ein, die der Dieb fallen gelassen hatte.

„ Hier,“ schrie Henry hysterisch. „ Ist das Beweis genug?“

„Tatsächlich,“ staunten alle.

„ Na Leute? Bin ich jetzt ein Held oder nicht? Ich habe euch gleich gesagt, ich Henry der Große habe einen Menschenmann in die Flucht gejagt.“

„ Ja, ja,“ sagten alle. „ Du bist ein Held.“

Henry war stolz wie Oskar. Er drückte seine Brust raus und streckte seinen Hals ganz lang und hob den Kopf.

Dann sagte er mit arroganter Stimme: „ Brauni, würdest du mich bitte in die Schule tragen?“

„ Das kann ja noch ein Tag werden mit dem. Die Geschichte müssen wir uns heute bestimmt noch ein paar mal anhören,“ flüsterte Manolo zu Carlos.

„ Wenn es man nur heute wäre. Ich befürchte, das wir uns seine Heldengeschichte ein paar Wochen lang anhören müssen.“ meinte Carlos.

Und er hatte recht. Wenn einer Henry im Wald entdeckte, versuchte er sich schnell zu verstecken um Henry aus dem Weg zu gehen. Jeder von ihnen hatte die Heldengeschichte schon tausendmal gehört.

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