Was für ein Tag. Große Aufregung bei den Waldtieren. Henry hatte im Flug am See, ein riesiges Ei entdeckt. Wie ein Entenei sah es nicht aus. Nein es sah viel interessanter aus. Viel, viel größer. So schnell er konnte, flog er zu seinen Freunden um ihnen die frohe Mitteilung zu machen, das eine große Aufgabe auf sie wartet.
Als er die Freunde traf berichtete er aufgeregt von seinem Fund. Erst am Ende bemerkte er, das Brauni gar nicht dabei war.
„ Der muss erst noch Mittag essen, bevor er spielen darf,“ sagte Carlos.
„ Ihr lauft schon mal alle an den See und ich werde Brauni informieren,“ sagte Henry immer noch aus der Puste. Dann war er auch schon wieder im Startflug.
„Wer weiß, was der gesehen hat,“ murmelte Ferdinand. Eigentlich war er heute viel zu müde und hatte gar keine Lust ganz an den See zu laufen. Aber seine Neugier war dann doch stärker und er folgte den anderen.
Henry war bei Brauni angekommen. Mit einem gekonnten Sturzflug, flog er durchs Küchenfenster. Was er nicht bedacht hatte, das er noch eine zu hohe Geschwindigkeit drauf hatte. Mit einem Bauchklatscher landete er auf dem Küchentisch und rutsche mit samt einem Teller am Ende des Tisches wieder runter. Es schepperte. Der Teller war kaputt. Henry bekam fast keine Luft mehr. Auf dem Rücken liegend, keuchte er: „ Wasser, Wasser. Ich brauche unbedingt Wasser.“
„ Henry,“ sagte Papabär erschrocken. „ Was ist passiert?“
„ Ich brauche Brauni. Ich brauche jetzt unbedingt Brauni. Ich muss ihm am See was zeigen.“
„ Was denn?“ wollte Brauni wissen.
„ Später. Komm wir haben keine Zeit. Ich habe etwas großes, etwas einzigartiges gefunden“ schwärmte Henry.
Brauni hatte fertig gegessen und seine Eltern erlaubten ihm, mit zu gehen.
„Henry,“ sagte Papabär. „ Das nächste mal wenn du Brauni holen willst, komme doch bitte durch die Tür.“
„ Ja, ja Chef. Heute war ne Ausnahme. Hatte es schrecklich eilig.“
Und weg waren die Jungs.
Brauni nahm Henry auf die Schulter. Dann stieg er auf sein Fahrrad und Henry gab ihn die Anweisung zum See zu fahren.
Unterwegs trafen sie noch Ferdinand, der es nicht ganz so eilig hatte.
„ Fahrt ruhig weiter. Ich glaube nicht, das Henry so was besonderes gefunden hat.“
Brauni und Henry setzten ihre Fahrt fort. Als sie am See ankamen sahen sie die übrigen Freunde, staunend im Kreis stehen.
„ Brauni du glaubst es nicht. Henry hat tatsächlich einen großen Fund gemacht,“ sagte Manolo der Dachs.
„ Nicht anfassen,“ schrie Henry. „ Erst einmal müssen wir es gründlich untersuchen bevor ihr es anfassen dürft.“
Die Untersuchung standen ihm und Brauni zu, wie Henry meinte. Schließlich war es sein Fund. Und dieser Fund war größer wie er.
„ Das ist ein Ei,“ stellte Brauni fest.
„ Soviel wissen wir auch. Schließlich haben wir auch Augen im Kopf,“ sagte Carlos ein wenig unbeherrscht.
Brauni hob das Ei hoch und sagte: „man ist das schwer.“
„ Das ist ein Hai oder ein Walei. Schließlich liegt es hier am Wasser,“ meinte Manolo.
„ Quatsch,“ sagte Brauni. „ Mein Papa sagt, hier gibt es keine Wale und keine Haie. Hier im See schwimmen nur kleinere Fische.“
„ Aber was ist es dann?“ grübelte Henry. „ Vogeleier sind auch kleiner.“
Ferdinand hatte inzwischen auch sein Ziel erreicht und schaute fachmännisch auf den Fund.
Dann sagte er:“ es ist super groß, es ist schwer. Es kann nur ein Elefantenei sein.“
„ Das stimmt nicht,“ schrie Fredi der Fuchs. Stolz erzählte er, das er wusste das Elefanten ihre Babys im Bauch hatten und nicht im Ei, wie die Vögel.
„ So Jungs,“ meinte Brauni dann. „Wir müssen Geduld haben und abwarten. Wir müssen uns jetzt um das Ei kümmern bis das Baby rauskommt. Wie mit dem Entenbaby. Jeder ist mal dran, auf das Ei aufzupassen. Wir müssen uns darum kümmern, das es immer schön warm gehalten wird. Jetzt ist es schon viel zu kalt.“
Alle machten gleich besorgte Gesichter.
„ Ich werde mich schon ums Ei kümmern,“ sagte Ferdinand entschlossen.
„ Ich schlafe sowieso sehr viel und dann kann das Ei auch bei mir liegen.“
„ Das ist eine gute Idee,“ stellte Brauni fest. „ Und wenn du mal eine Pause vom Schlafen brauchst übernimmt ein anderer die Wache.“
Die Spannung war sehr groß. Man grübelte weiter, was es wohl für ein Ei sein könnte.
Aus heiterem Himmel schrie Henry los: „ es ist ein Dinobaby. Ja. Es ist ein Dinobaby. Ich bin einfach der Beste. Ich wusste es wieder als erster.“
Alle überlegten und beschlossen dann, das Henry durchaus recht haben könnte. Nun waren alle noch gespannter denn einen Dinosaurier kannten sie ja nur aus Büchern.
Die Tage und Wochen verstrichen. Ferdinand hatte noch nie in seinem Leben so viel geschlafen. Ab und zu brauchte er mal eine Pause um zu Essen und zu Trinken.
Dann nach drei Wochen passierte es. Alle Freunde waren schnell informiert und versammelten sich um das Ei.
Das Ei war etwas aufgesprungen. Aber erkennen konnte man noch nichts. Die Schale des Eies war sehr hart und sie hatten nicht die Kraft es aufzubrechen. Also hieß es noch mal abwarten und Ferdinand musste weiter schlafen und brüten.
Am nächsten Tag konnte man aus einem kleinen Spalt etwas grünes erkennen. Es war so grün, wie Henrys Federn.
Alle schauten es sich mit offenen Mäulern an. Sie waren alle so ratlos, das keiner ein Wort sagen konnte.
Betroffen und ein wenig ängstlich sagte Henry: „ meint ihr es ist ein Riesenpapagei?“
Keine Ahnung kam es von den anderen.
„ Irgendwie ist das unheimlich,“ meinte Manolo. „ Ich glaube ich gehe jetzt nach hause.“
„ Du Feigling,“ schrie Henry. „Alle bleiben gefälligst hier. Nachher ist es wirklich ein Riesenpapagei.“
„ Hört mal,“ sagte Ferdinand. „ Was lasst ihr mich hier eigentlich ausbrüten. Ich schlafe und schlafe und am Ende kommt da so ein blödes Ding raus.“
Sie hatten gar nicht bemerkt, das Manolos Mama dazugekommen war.
„ Da ist sie ja,“ sagte sie. „ Da ist ja meine Kokosnuss. Die habe ich an den See gelegt und wollte ein Experiment machen.“
„ Was ist denn eine Kokosnuss,“ wollte Henry ungeduldig wissen.
„ Ich habe sie in einem Koffer, mit aus Spanien gebracht. Sie wächst im Süden auf den Palmen. Palmen sind Bäume. Die Kokosnuss ist eine Frucht, die man essen kann. Ich wollte ausprobieren ob sie auch hier in Mitteleuropa wächst. Dann war meine Kokosnuss auf einmal weg.“
„ Soll das etwa heißen, das ich einen Baum ausgebrütet habe?“ wollte Ferdinand wütend wissen.
Alle guckten verschämt in den Himmel. Dann fing Manolos Mutter an zu lachen und nach und nach fingen alle an zu lachen.
Nur Henry war ein bisschen traurig. Schade, dachte er. Es ist kein Dinobaby.

